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WAZ: Der Sieger stand am Anfang fest - Kommentar von Frank Preuß zu Air Berlin und Lufthansa

Essen (ots) - Am Wochenende starten die rot-weißen Flugzeuge von Air Berlin zu ihren letzten Überseeflügen. Ein paar Tage später wird der Name von Deutschlands zweitgrößter Airline endgültig von den Flugplänen verschwinden. Der einstige Senkrechtstarter der Branche ist Geschichte, Opfer eigener Selbstüberschätzung im harten Wettstreit über den Wolken. Gewinner dieses Absturzes ist vorerst nur die Lufthansa. Verlierer sind Tausende Mitarbeiter, die noch nicht wissen, wo sie künftig arbeiten werden und womöglich Kunden, deren Flüge künftig deutlich teurer werden könnten.

Die Lufthansa-Aktie ist gestern hochgeschossen, wen wundert's, die Anleger setzen darauf, dass der deutsche Primus monopolartige Zustände auf bestimmten Strecken schaffen und damit die Preise besser diktieren kann: Man erinnert sich, wie teuer es war, bevor Air Berlin die Lufthansa herausforderte. Chef Carsten Spohr versuchte diese Befürchtung gestern mit einer lächerlichen Einlassung zu zerstreuen, wonach die eigene Konzerntochter Eurowings der Mutter Konkurrenz machen werde. Die Kartellwächter werden sich von solchen Nebelkerzen nicht irritieren lassen. Erst recht nicht, wenn die Verhandlungen mit Easyjet über weitere Air-Berlin-Maschinen scheitern sollten.

Das letzte Kapitel eines unrühmlichen Stücks Wirtschaftsgeschichte wird geschrieben. Der Sieger stand von vornherein fest, das Bieterverfahren hatte kosmetischen Charakter. Die Lufthansa diente sich sofort als Retter an, als Air Berlin in die Insolvenz ging, Minister machten sich zu Handlangern, schwadronierten vom "nationalen Champion" den man nun brauche, und ein 150-Millionen-Überlebenskredit aus Berlin verhinderte, dass die begehrten Flugrechte frei auf dem Markt landeten. Das spielte nur der Lufthansa in die Karten. Die bietet nun ganz gönnerhaft gestrandeten Air-Berlin-Kunden Rückflüge "zu fairen Preisen" an. Ein schlechter Witz.

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