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WAZ: Laschet muss mit Röttgen rechnen - Machtkampf in der CDU hilft Rot-Grün. Leitartikel von Ulrich Reitz

Essen (ots) - Machtkämpfe können sehr zerstörerisch sein. Der zwischen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine hat immerhin zur Gründung einer neuen Partei geführt. Das wahrscheinlich größte Problem bei einem Machtkampf ist der Verlierer, weil der das Syndrom der rasenden Schwiegermutter entwickeln kann. Leider weiß man das vorher oft nicht. So wird man auch nicht absehen können, was der sich abzeichnende Machtkampf in der nordrhein-westfälischen CDU zwischen Armin Laschet und Norbert Röttgen mit den Christdemokraten anstellt. Vermutlich wenig Gutes.

39 Jahre lang konnten die Sozialdemokraten unser Land auch deshalb regieren, weil ihr Christdemokraten dabei halfen. Es stritten sich ja nicht nur Rheinländer und Westfalen fast bis aufs Messer. Oder der Sozial- gegen den Wirtschaftsflügel. Sondern es kämpften Bundes- gegen Landesleute. Der CDU-Bundesvorsitzende Helmut Kohl wollte den CDU-Landesvorsitzenden Kurt Biedenkopf kleinhalten, schaffte das auch, die Folgen sind bekannt. Es regierte Johannes Rau. Wenn nun ein ehrgeiziger Bundesminister mit Kanzler-Ambitionen, Röttgen, antritt gegen einen ehrgeizigen Ex-Landesminister mit Ministerpräsidenten-Ambitionen, Laschet, dann wirkt das fast schon so, als wäre es schon einmal dagewesen.

Dieser Machtkampf ist zugleich eine sehr eigenartige Premiere: Zum ersten Mal bekämpfen sich zwei Christdemokraten, die dasselbe wollen, Schwarz-Grün nämlich. Laschet trauert der Koalition mit Löhrmann noch heute hinterher, Röttgen will für diese Bündnis-Option in Berlin sogar den Atom-Ausstieg erreichen und riskiert darüber einen Großkonflikt mit seiner Kanzlerin, deren Koalitionspartner sowie der halben CDU. Vielleicht liegen Röttgen ja auch kleinere Herausforderungen nicht so.

Machtkämpfe passieren stets dann, wenn es eine geborene Nummer eins nicht gibt. In Nordrhein-Westfalens SPD gab es keinen Machtkampf, weil Hannelore Kraft niemand ihre Rolle streitig machte. Die CDU hat zwar gleich zwei Anwärter, aber es gibt gute Gründe für jeden von beiden. Leichter wird es dadurch nicht. Das größere Risiko geht wohl Röttgen ein. Er könnte nach einer Doppel-Niederlage bei Atom und Landesvorsitz tiefer fallen, hätte es sozusagen nicht einmal zum Prinz Charles gebracht. Vielleicht zögert er darum (öffentlich) noch.

Machtkämpfe verschleiern leider, zumindest für eine gewisse Zeit, was wirklich wichtig ist. Sie verhindern Antworten auf wichtige Fragen. Zum Beispiel auf diese: Was ist eigentlich die CDU?

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