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WAZ: Kroes macht kurzen Prozess. Kommentar von Detlef Fechtner

    Essen (ots) - EU-Kommissarin Neelie Kroes macht ihrem Spitznamen alle Ehre. Steely Neelie, die Stahlharte, zwingt RWE zum Netzverkauf. Ihre Kritiker werfen ihr Erpressung vor. Davon kann keine Rede sein, denn die angedrohten Bußgelder haben sich nicht Beamte einfach so ausgedacht. Sie sind selbstverschuldete Strafen, mit denen RWE, Eon & Co. rechnen müssen. Wären sie sicher, ihre Unschuld beweisen zu können, gäbe es keinen Deal. Auch der Vorwurf der Enteignung läuft ins Leere. Wer Eigentum nutzt, um Wettbewerb zu behindern, muss Teile davon abgeben. Kroes kann man nicht verübeln, dass sie kurzen Prozess macht. Denn bei der Entflechtung per Gesetz könnten die Energieriesen die Entflechtung durch Klagen Jahre verzögern. Für Empörung über Kroes besteht kein Anlass - aber für Skepsis am Erfolg der Aktion. Er wird sich an der Frage entscheiden, wer die Netze kriegt. Ein Finanzinvestor - das wäre leichtsinnig. Gazprom? Riskant! Man kann nur hoffen, dass es gelingt, Konzepte zu entwickeln, die wirklich für Wettbewerb taugen.

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