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10.04.2013 – 11:43

Vodafone Stiftung Deutschland gGmbH

Elternarbeit für gerechte Bildungschancen: Vodafone Stiftung entwickelt ersten Kompass für die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus

Berlin (ots)

Qualitätsmerkmale für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule veröffentlicht // Rollenverteilung zwischen Schule und Eltern oftmals unklar // Erziehungs- und Bildungspartnerschaft fördert erfolgreiche Lernentwicklung // Expertenkommission entwickelt erstmals Handreichung als Empfehlung für Kultusministerien, Schulleitungen und Eltern zur Implementierung in die Schulpraxis

Von den PISA-Studien alarmiert und erst kürzlich wieder durch den vierten Armuts- und Reichtumsbericht aufgeschreckt, diskutiert die Öffentlichkeit das Problem sozialer Ungleichheit in der Bildung. Geht es um die Frage der Bildungsgerechtigkeit, richtet sich der kritische Blick dabei zumeist auf die Schulen und die Struktur des deutschen Schulsystems. Der Einfluss der Eltern und der häuslichen Lernbedingungen auf den Bildungserfolg sowie die sich hieraus ergebenden Konsequenzen werden in der Debatte dagegen selten thematisiert. Dabei ist der Forschung die Bedeutung der häuslichen Lernbedingungen und der Beteiligung der Eltern am Schulgeschehen seit langem bekannt. Dennoch ist die Qualität entsprechender Angebote in den Schulen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Bislang existiert noch kein flächendeckendes Angebot schulischer Elternarbeit in Deutschland. Fortschritte in diesem Bereich der Schulentwicklung sind zumeist dem Engagement Einzelner geschuldet. Oft herrscht auch Orientierungslosigkeit: Wie soll eine zunehmend heterogene Elternschaft angesprochen und eingebunden werden? Wie sollten die Rollen zwischen Schule und Elternhaus verteilt sein?

Um diese Lücke zu schließen, hat die Vodafone Stiftung Deutschland gemeinsam mit einer wissenschaftlichen Expertenkommission sowie Vertretern der Bildungspraxis und der Kultusministerien der Länder, Qualitätsmerkmale als Kompass für die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus entwickelt. Mit der Handreichung erhalten die Schulleitungen, Kultusministerien und Eltern Empfehlungen für gute Elternarbeit in der Praxis. Zur Frage der Implementierung steht die Stiftung derzeit in Gesprächen mit der Kultusministerkonferenz. "Gute Bildung braucht ein verantwortliches Miteinander von Schule, Eltern und Zivilgesellschaft. Eine erfolgreiche Schulbildung ist deshalb auf die verlässliche Mitwirkung des Elternhauses angewiesen. Vielfach gibt es dafür auch schon gute Beispiele. Gelingende Elternarbeit wird dort als ein Schatz für mehr Bildungsqualität und Bildungserfolg wahrgenommen. Darum begrüße ich den vorgelegten Kompass für schulische Elternarbeit. Er ist ein wichtiges, praxisorientiertes Unterstützungsinstrument für den Schulalltag", sagt Stephan Dorgerloh, Präsident der Kultusministerkonferenz und Kultusminister Sachsen-Anhalts.

Viele Schulen haben die Vorteile einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft bereits erkannt. Was indes oft fehlt, ist eine langfristige strukturelle Verankerung sowie ein gemeinsames Verständnis darüber, was "gute" Elternarbeit ausmacht. "Viele Schulen engagieren sich bereits in der Elternarbeit. Wir benötigen allerdings einen richtungsgebenden Kompass für die Zusammenarbeit, damit die Schule ein offener Begegnungsort wird", so Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland. Wie Erhebungen zeigen, sind Eltern in hohem Maße am Bildungserfolg ihrer Kinder interessiert und möchten sie gern unterstützen. Häufig scheitern jedoch gerade sozial benachteiligte Eltern an ihrer Unsicherheit gegenüber der Institution, an mangelndem Orientierungswissen und an der unklaren Auffassung darüber, welches Engagement überhaupt von ihnen gewünscht bzw. nötig ist. Hans-Peter Vogeler, Vorsitzender des Bundeselternrates, unterstreicht: "Die Unsicherheit in der Erwartung an Schule und in dem Umgang mit der Schule resultiert vielfach aus ihren eigenen Erfahrungen, die sie in ihrem Leben als Schülerin oder Schüler gemacht haben. Eltern sind aber Experten für ihr Kind. Nur wenn die Schule Eltern als Experten respektiert und ihnen damit auf Augenhöhe begegnet, können und werden sich Eltern einbringen."

Gute Elternarbeit kann sich in vielfältiger Form zeigen, zumal immer auch die Ausgangslagen, Ziele und vor allem finanzielle Ressourcen zu berücksichtigen sind. Die vier Qualitätsmerkmale umfassende Handreichung der Vodafone Stiftung Deutschland ist nicht als weitere "Zumutung" zu verstehen, die in ihrer Gesamtheit umgesetzt werden muss, sondern vielmehr als konstruktive Orientierungshilfe für die Schulpraxis. "Aus aktuellen Bildungsstudien wissen wir, wie wichtig das Engagement von Eltern für erfolgreiche Bildungsprozesse ist. Eltern sind ein leider vielfach noch ungehobener Schatz im deutschen Schulwesen. Insofern begrüße ich ganz ausdrücklich die in der Handreichung der Vodafone Stiftung von namhaften Bildungsexperten zusammengetragenen Qualitätsmerkmale und Bausteine. Diese sind ein sehr hilfreicher Beitrag für die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule", so Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes.

Die Merkmale setzen sich aus Leitbildern, Maßnahmen und nachahmenswerten Beispielen zusammen, die eine anregende Hilfestellung für eine Umsetzung und Implementierung in den Schulalltag geben. Das Qualitätsmerkmal A beschreibt die Entwicklung einer Willkommens- und Begegnungskultur in der Schule. Alle Eltern sollen sich als Teil der Schulgemeinschaft wohl und wertgeschätzt fühlen. Dies ist bereits mit relativ wenig Aufwand, etwa durch Wegweiser in unterschiedlichen Sprachen, durch Mentoren- oder Patenfamilien-Modelle möglich.

Ein weiterer bedeutender Baustein gelingender Elternarbeit ist, so die Experten, eine möglichst vielfältige und respektvolle Kommunikation. Gemeint sind ein regelmäßiger und anlassunabhängiger Informationsaustausch und die Nutzung vielfältiger Kommunikationswege und -formen. Empfohlen werden hier etwa ein Elternhandbuch, eine verbindliche Informationsversorgung über Schul-Website und E-Mail-Verteiler, ein mehrsprachiges Informationsangebot oder Workshops zur Kommunikationskompetenz.

Ein anderes Qualitätsmerkmal umschreibt eine Erziehungs- und Bildungskooperation, bei der Eltern, Lehrkräfte und SchülerInnen gemeinsam am Erziehungs- und Bildungserfolg arbeiten und sich über Lernziele und -inhalte abstimmen. Beispielhaft werden hier gemeinsame Lernverträge und Bildungslotsen sowie Eltern-Mentoren angeführt.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die gelingende Partizipation der Eltern. Gewährleistet werden soll eine kollektive Mitbestimmung und Mitwirkung der Elternschaft bei Entscheidungen über das Schulleben und Unterrichtsgeschehen. Dazu zählen zum Beispiel die frühzeitige und umfassende Information über das Mitbestimmungsrecht der Eltern in den Schulen, eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern- und Schüler-Vertretung sowie die Kooperation mit Migrantenvereinen und anderen externen Netzwerken und Institutionen.

Die Qualitätsmerkmale basieren auf den Empfehlungen einer wissenschaftlichen Expertenkommission. Deren Mitglieder sind: Prof. em. Dr. Dr. Werner Sacher (Universität Nürnberg-Erlangen), Prof. Dr. Anne Sliwka (Pädagogische Hochschule Heidelberg), Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Fachhochschule Köln), Prof. Dr. Sabine Walper (Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut) sowie Prof. Dr. Elke Wild (Universität Bielefeld).

Wichtiger Hinweis:

Die vollständige Publikation "Qualitätsmerkmale schulischer Elternarbeit" steht unter www.eltern-bildung.net sowie innerhalb der App der Vodafone Stiftung im iTunes Store zum Download bereit.

Über die Vodafone Stiftung Deutschland

Die Vodafone Stiftung ist eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland und Mitglied einer weltweiten Stiftungsfamilie. Als eigenständige gemeinnützige Institution und gesellschaftspolitischer Thinktank fördert und initiiert sie Programme mit dem Ziel, Impulse für den gesellschaftlichen Fortschritt zu geben, die Entwicklung einer aktiven Bürgergesellschaft anzustoßen und gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Das Förderprofil steht unter dem Leitmotiv "Erkennen. Fördern. Bewegen." und konzentriert sich auf den Bereich Bildung, Integration und soziale Mobilität.

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Pressekontakt:

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