Aktion Mensch

100.000 Teilnehmer beim diesjährigen "Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen" am 5. Mai
Mit Justitia für barrierefreie Städte

    Bonn (ots) -
    
    Aktion Grundgesetz erreichen, dass bis Ende des Jahres 100
Kommunen barrierefrei werden - Behindertengleichstellungsgesetz des
Bundes begrüßt
    
    "Gleichstellung ...aber richtig!": Unter diesem Motto haben über
100.000 Menschen rund um den 5. Mai trotz Dauerregens bei etwa 300
Aktionen zum "Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter
Menschen" in über 150 Städten und Gemeinden das Gleichstellungsgesetz
des Bundes begrüßt. Zugleich demonstrierten sie für die
"barrierefreie Stadt". Dabei sorgten in diesem Jahr vor allem die
Justitia-Aktionen für Aufsehen: Behindertenvertreter übergaben
Kommunalpolitikern das Gleichstellungsgesetz, einen Musterantrag für
eine barrierefreie Stadt und eine Justitia-Figur. Ziel: Bis Ende 2002
mindestens 100 Kommunen dazu zu bewegen, einen Beschluss für eine
barrierefreie Stadt zu fassen - wie dies im Vorfeld zum diesjährigen
5. Mai beispielsweise Frankfurt am Main, Düsseldorf, Bonn, Gladbeck,
Monheim, Münster und Osnabrück getan haben.
    
    Das am 1. Mai in Kraft getretene Bundesgleichstellungsgesetz kann
nach Ansicht der Menschen mit Behinderungen in Deutschland nur der
Anfang eines Prozesses sein, der zum Beispiel auf Landes- und
kommunaler Ebene und durch ein Zivilrechtliches Gleichstellungsgesetz
fortgesetzt werden muss. Aus diesem Grund lautete das Motto des
diesjährigen 5. Mai: "Gleichstellung ...aber richtig!"
Dementsprechend lag das Gleichstellungsgesetz in der Waagschale der
Justitia. Ein Symbol, dass nun endlich auch Menschen mit
Behinderungen in Deutschland auf dem Weg zur rechtlichen
Gleichstellung im Alltag sind.
    
    12.000 Besucher allein in Freiburg
    
    Daneben waren bei den Aktionen der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Die Stotterer-Selbsthilfe beispielsweise ließ 5 Tage lang einen Bus
über 1000 Kilometer durch Deutschland touren, um an Schulen gegen die
Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Sprachbehinderungen
zu werben. In Freiburg nutzte die Behindertenseelsorge des dortigen
Erzbistums eine Großveranstaltung, rund 12.000 Menschen auf die
Anliegen der Aktion Grundgesetz aufmerksam zu machen. In Magdeburg
fuhren Vertreter verschiedener Behindertenorganisationen mit einer
Straßenbahn durch die Stadt. Bei einer Veranstaltung des VdK
Nordthüringen in Artern unterstrichen der Vertreter von Politik und
Verwaltung, dass Gleichstellung von behinderten Menschen auf
Kommunaler Ebene weniger ein finanzielles, sondern vor allem ein
ideologisches Problem sei. Es gelte, vor allem in den Köpfen Klarheit
zu schaffen, dann sei vieles lösbar. Und im bayrischen Landsberg
wurden sich Behindertenvertreter und Kommunalpolitiker trotz
strömenden Regens schnell einig, dass der Parkplatz an der
Stadtkirche barrierefrei gestaltet werden kann. Gute Dienste erwies
dabei eine von den Betroffenen mitgebrachte "Teerfolie" in der Größe
eines Behindertenparkplatzes (3*5 Meter), mit der gemeinsam nach
einem optimalen Standort für einen Behindertenparkplatz gesucht
wurde.
    
    Lebenshilfe und VdK fordern Zivilrechtliches
Antidiskriminierungsgesetz
    
    Auf der Bundesebene machten die Bundesvereinigung Lebenshilfe für
Menschen mit geistiger Behinderung und der VdK Deutschland nochmals
Druck für die Verabschiedung des Zivilrechtlichen
Antidiskriminierungsgesetz (ZAG) noch in dieser Legislaturperiode.
Wenn man das Gesetz ernsthaft wolle, könne man es auch zu Stande
bringen, erklärten die Verbände. Besonders für geistig behinderte und
psychisch kranke Menschen sei dieses Gesetz von existenzieller
Bedeutung.
    
    "Gerade durch das Inkrafttretens des Bundesgleichstellungsgesetzes
ist der diesjährige 5. Mai wieder zu einem gemeinsamen,
beeindruckenden öffentlichen Plädoyer für die Umsetzung des Art. 3
Abs.3 des GG - Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt
werden - geworden", zog der Geschäftsführer der Aktion Mensch, Dieter
Gutschick, eine erste Bilanz der Aktionen. Die dezentralen, aber
einheitlichen Aktion in den Kommunen, die von mehr als hunderttausend
Menschen mit und ohne Behinderung auf die Straße getragen wurden,
hätten den bundesweiten Charakter der Aktion Grundgesetz betont. Dem
könnten sich letztlich auch die Politikerinnen und Politiker nicht
verschließen, so Gutschick.
    
    Die "Aktion Grundgesetz" hat sich seit 1997 zur größten
Sozialkampagne der deutschen Nachkriegsgeschichte entwickelt.
Initiiert von der Aktion Mensch und unter der Schirmherrschaft des
Bundespräsidenten streiten über 100 Organisationen der
Behindertenhilfe und -selbsthilfe für die rechtliche Gleichstellung
behinderter Menschen. Insgesamt gingen 1997 in Deutschland rund
600.000 Menschen rund um den jeweiligen 5. Mai für die rechtliche
Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen auf die Straße. Somit
ist diese Kampagne die größte Protestbewegung seit der deutschen
Wiedervereinigung.
    
    
ots Originaltext: Aktion Mensch e.V.
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Pressekontakt:

Verantwortl.:
Heike Zirden,
Pressesprecherin Dt. Behindertenhilfe Aktion Mensch e.V.
Tel: 02 28 / 20 92 -262, -118, -121
Fax:                        -206

Weitere Infos und eine vollständige Übersicht über alle von der
Aktion Mensch geförderten Aktionen zum 5. Mai finden Sie unter
http://www.aktion-grundgesetz.de

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