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09.09.2020 – 02:05

UNICEF Deutschland

COVID-19: Fortschritte im Kampf gegen Kindersterblichkeit in Gefahr

COVID-19: Fortschritte im Kampf gegen Kindersterblichkeit in Gefahr
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COVID-19: Fortschritte im Kampf gegen Kindersterblichkeit in Gefahr

Neuer Bericht zur Kindersterblichkeit

Köln/New York/Genf, 9. September 2020 // Im Jahr 2019 sank die weltweite Kindersterblichkeit auf einen historischen Tiefstand von 5,2 Millionen Todesfällen; 1990 starben noch 12,5 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Dies geht aus aktuellen Schätzungen von UNICEF, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Bevölkerungsabteilung des UN-Büros für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten und der Weltbank hervor.

Jedoch zeigen Untersuchungen von UNICEF und der WHO, dass durch die Covid-19 Pandemie grundlegende Gesundheitsdienste für Kinder und Mütter unterbrochen wurden. Hierdurch könnten die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte im Kampf um das Überleben der Kinder wieder zunichtegemacht werden.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass die Pandemie die Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit stoppt", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henriette Fore. "Wenn Kinder keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, weil das System überlastet ist oder Schwangere Angst vor einer Geburt im Krankenhaus haben, weil sie befürchten sich anzustecken, können auch sie zu den Opfern von Covid-19 werden. Investitionen sind erforderlich, um die Gesundheitsversorgung wieder in Gang zu bringen, sonst könnten Millionen Kinder sterben, insbesondere Neugeborene."

Seit 1990 ist es gelungen, das Leben von Millionen Kindern zu retten: dazu haben Impfungen und eine bessere Gesundheitsversorgung zur Vorbeugung und Behandlung der Ursachen von Kindersterblichkeit, wie Geburtskomplikationen, Frühgeburten, Säuglingssepsis, Lungenentzündung, Durchfall und Malaria, beigetragen.

Wegen der Covid-19 Pandemie ist die Gesundheitsversorgung für Kinder und Mütter jedoch weltweit stark beeinträchtigt. Dazu gehören zum Beispiel der Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sowie zu Geburtshilfe und Nachsorge. Oft fehlen auch Mittel für diese lebenswichtigen Maßnahmen. Vielfach suchen Frauen Gesundheitseinrichtungen nicht auf, weil sie Angst haben, sich mit dem Virus anzustecken.

Laut einer UNICEF-Umfrage in 77 Ländern im Sommer dieses Jahres wurden Impfungen und Routineuntersuchungen für Kinder in 68 Prozent der Länder zumindest teilweise eingeschränkt. In 63 Prozent der Länder wurde die pränatale Vorsorge unterbrochen, in 59 Prozent der Länder die Nachsorge nach der Geburt.

In einer aktuellen Umfrage der Weltgesundheitsorganisation gaben 52 Prozent von insgesamt 105 Ländern an, dass Gesundheitsdienste für kranke Kinder unterbrochen wurden. In 51 Prozent der Länder kam es zu Unterbrechungen bei der Diagnose und Behandlung von Mangelernährung.

Solche Gesundheitsmaßnahmen sind aber entscheidend, um die Kinder- und Neugeborensterblichkeit zu verringern. Laut der WHO sinkt das Risiko von Todesfällen bei Neugeborenen um 16 Prozent, wenn Mütter von professionellen, nach internationalen Standards ausgebildeten Hebammen betreut werden; das Risiko einer Frühgeburt verringert sich so um 24 Prozent.

"Die Tatsache, dass heute mehr Kinder als je zuvor ihren ersten Geburtstag erleben, zeigt, was erreicht werden kann, wenn die Welt Gesundheit und Wohl in den Mittelpunkt der Maßnahmen stellt", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Covid-19-Pandemie die beachtlichen Fortschritte für unsere Kinder und zukünftige Generationen rückgängig macht. Es ist vielmehr an der Zeit, auf dem aufzubauen, was sich bewährt hat, um Leben zu retten und in stärkere, widerstandsfähige Gesundheitssysteme zu investieren."

Laut den Ergebnissen der Umfragen von WHO und UNICEF hängt die Unterbrechung der Gesundheitsversorgung unter anderem damit zusammen, dass Eltern die Gesundheitszentren aus Angst vor einer Ansteckung meiden. Zudem fehlen Transportmöglichkeiten, Routinedienste sind außer Betrieb oder Einrichtungen wurden geschlossen. Außerdem fehlt teilweise das Gesundheitspersonal, da es zur Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt wird oder es den Mitarbeitenden an Schutzausrüstung mangelt. Zu den am stärksten betroffenen Ländern gehören Afghanistan, Bolivien, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Libyen, Madagaskar, Pakistan, Sudan und Jemen.

In sieben dieser neun Länder starben von 1.000 Kindern, die lebend geboren wurden, 2019 im Durchschnitt 50 Mädchen und Jungen vor ihrem fünften Geburtstag. In Afghanistan, wo eines von 17 Kindern im letzten Jahr vor seinem fünften Geburtstag starb, gab das Gesundheitsministerium an, dass weniger Menschen Gesundheitseinrichtungen aufsuchen.

Schon vor Covid-19 war die Gefahr für Neugeborene besonders hoch. Weltweit starb 2019 alle 13 Sekunden ein neugeborenes Kind. Dies entsprach 47 Prozent aller Todesfälle unter fünf Jahren - 1990 lag der Anteil bei 40 Prozent. Wenn die frühkindliche medizinische Versorgung unterbrochen wird, sinken die Überlebenschancen der Kinder. In Kamerun beispielsweise brachen laut UNICEF die grundlegende Gesundheitsversorgung für Neugeborene sowie Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere, der Zugang zur Geburtshilfe und die prä- und postnatale Betreuung um 75 Prozent ein. Im letzten Jahr starb dort eines von 38 Kindern in seinem ersten Lebensmonat.

Im Mai dieses Jahres ging eine Analyse der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health davon aus, dass wegen der Unterbrechung der Gesundheitsversorgung durch die Pandemie täglich bis zu 6.000 Kinder unter fünf Jahren zusätzlich sterben könnten.

Der Bericht "Levels and Trends in Child Mortality" unterstreicht, dass die Gesundheitsversorgung für Schwangere, Kinder und Neugeborene dringend aufrechterhalten und ausgeweitet werden muss. Dies erfordert auch eine gute, fachliche Unterstützung bei der Geburt. Wichtig ist zudem die Zusammenarbeit mit den Eltern, um ihre Ängste zu mindern.

Über die Schätzungen zur Kindersterblichkeit

Der jährliche Report mit den neuesten Zahlen zur weltweiten Kindersterblichkeit "Levels and Trends in Child Mortality" wird von den Vereinten Nationen unter Federführung von UNICEF und unter Mitwirkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Bevölkerungsabteilung der UN DESA und der Weltbank-Gruppe erstellt.

Service für die Redaktionen

Der vollständige Bericht auf Englisch sowie Bild- und Videomaterialien stehen hier zum Download zur Verfügung.

Die aktuellen Zahlen zur Kindersterblichkeit hier zur Verfügung.

Pressekontakt: 
UNICEF Deutschland, Christine Kahmann, 0221/93650-315, presse@unicef.de

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