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"Zur Kriegs-Katastrophe darf keine Winter-Katastrophe hinzukommen"

"Zur Kriegs-Katastrophe darf keine Winter-Katastrophe hinzukommen"
Eine Mutter hat in der von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation in Jibreen Hustensaft für ihr Kind bekommen. © UNICEF/Syria/2017/Al-Issa
Bild- und Videomaterial aus Syrien

"Zur Kriegs-Katastrophe darf keine Winter-Katastrophe hinzukommen" | UNICEF-Situationsbericht und Hilfsaufruf für Kinder in Syrien

Berlin, den 05.12.2017 - Angesichts des heraufziehenden siebten Kriegswinters ruft UNICEF dringend zur Hilfe für syrische Kinder auf. Trotz eines Rückgangs der Kämpfe in Teilen Syriens und neuer Verhandlungen über die Zukunft des Landes sind der Konflikt und die Not der Zivilbevölkerung noch lange nicht beendet. Über fünf Millionen Kinder innerhalb Syriens sind aktuell auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Weiterhin sterben Kinder in umkämpften Gebieten und leiden unter Belagerung, Vertreibung und Gewalt. In den Ruinen ihrer Häuser und notdürftigen Unterkünften sind Kinder kaum vor Nässe und Kälte geschützt, so UNICEF in einem heute veröffentlichten Situationsbericht. In den nächsten Wochen plant UNICEF, rund 700.000 Kinder in Syrien und weitere 800.000 Kinder in der Region mit warmer Winterkleidung, Decken und Heizöfen für Klassenräume auszustatten.

UNICEF und seine Partner können an vielen Orten innerhalb Syriens die Not lindern. Doch über 200.000 Kinder in belagerten Gebieten sind davon zum Teil seit Jahren abgeschnitten. Besonders dramatisch ist die Situation in Ost-Ghuta in der Nähe von Damaskus, das seit 2013 wegen Kämpfen und Belagerung weitgehend von Hilfe abgeschnitten ist. Dort sind einer neuen Untersuchung zufolge fast zwölf Prozent der Kleinkinder unter fünf Jahren akut mangelernährt - im Januar waren es rund zwei Prozent.

Keine Sicherheit für Kinder in Syrien

Auch in Städten wie Aleppo, in denen sich die Situation in den vergangenen Monaten etwas stabilisiert hat, kann von echter Sicherheit für Kinder und Familien keine Rede sein. Vor allem im Ostteil der Stadt liegen ganze Wohnviertel in Trümmern. Große Gefahren drohen Kindern außerdem durch Landminen und Blindgänger.

"Das Ausmaß der von Menschen gemachten Zerstörung ist unvorstellbar" sagte Geert Cappelaere, UNICEF Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika, der vor Kurzem in Aleppo war. "Die Folgen von Gewalt, Belagerung und Entbehrung sind überall deutlich sichtbar - vor allem für die Kinder und die Mütter, die von dem Konflikt besonders hart getroffen sind. Kein Kind in Syrien bleibt von dem Horror dieses brutalen Krieges verschont."

Christian Schneider, Geschäftsführer UNICEF Deutschland, hat sich in Aleppo und Damaskus ein Bild von der Situation und der UNICEF-Hilfe gemacht: "Jedes Kind, das ich getroffen habe, hat eine erschütternde Geschichte von Tod, Vertreibung und Verlust zu erzählen. Ich habe mit verzweifelten Müttern gesprochen, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder in den Trümmern ihrer Häuser oder notdürftigen Sammelunterkünften in diesem Winter schützen sollen. Das Wichtigste, was diese Familien brauchen, ist Frieden. Die Hilfe kann aber nicht warten. Sie muss weitergehen und noch verstärkt werden. Zur Kriegs-Katastrophe darf nicht noch eine Winter-Katastrophe hinzukommen."

Alltägliche Not von Familien

"Jetzt sind die Bombardierungen in Aleppo vorbei. Aber viele Menschen haben gar nichts mehr", sagt eine UNICEF-Mitarbeiterin in Aleppo. Die meisten Familien haben ihre letzten Ersparnisse längst aufgebraucht und auch Verwandte, Freunde und Nachbarn haben oft keine Ressourcen mehr, um ihnen beizustehen.

Fast 70 Prozent der Bevölkerung in Syrien lebt mittlerweile in extremer Armut. In jeder dritten Familie fehlt ein Familienmitglied, häufig der Hauptverdiener. In der Folge sind viele Familien darauf angewiesen, dass die Kinder arbeiten und zum Unterhalt beitragen. Wasserwerke, Krankenhäuser, Schulen und andere Einrichtungen funktionieren vielfach nicht mehr.

1,75 Millionen Kinder in Syrien im Schulalter gehen aktuell nicht zur Schule. Bei weiteren 1,35 Millionen Mädchen und Jungen sieht UNICEF die Gefahr, dass sie aus dem Bildungssystem herausfallen könnten. Wie viele Mädchen und Jungen durch den Krieg traumatisiert sind, lässt sich nicht abschätzen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass zwei Drittel der Kinder ein nahes Familienmitglied verloren, die Beschädigung des Wohnhauses erlebt haben oder konfliktbedingt verletzt worden sind.

Über fünf Millionen Menschen sind aus Syrien in die Nachbarländer Türkei, Irak, Jordanien und Libanon geflohen - die Hälfte von ihnen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Viele Kinder und Jugendliche verbringen eine häufig trostlose Kindheit in Flüchtlingslagern und notdürftigen Unterkünften in Städten und Gemeinden. Kinderarbeit und Frühehen haben in den vergangenen Jahren unter den geflüchteten Familien zugenommen. Letzten Schätzungen nach gehen über 40 Prozent der syrischen Kinder in den Nachbarländern nicht zur Schule.

Hilfe und Perspektiven für Kinder in Syrien und der Region

UNICEF hat ein breites Netzwerk von eigenen Mitarbeitern und Partnerorganisationen in der Region, die Hilfe für syrische Kinder und Familien organisieren. Allein in Syrien sind über 200 UNICEF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. UNICEF unterstützt unter anderem die Wasserversorgung in Syrien, in Flüchtlingslagern und Gastgemeinden in Jordanien und Libanon, stellt Impfstoffe und Hygieneartikel bereit und richtet Notschulen und Kinder- und Jugendzentren ein.

Service für die Redaktionen:

Der Situationsbericht "Syrische Kinder im siebten Kriegswinter" steht auf www.unicef.de/presse zum Download bereit. Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit: www.unicef.de/syrien.

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