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10.10.2007 – 21:17

Börsen-Zeitung

Börsen-Zeitung: Premiere weggezappt Von Sebastian Schmid.

    Frankfurt (ots)

An der Börse fallen Entscheidungen direkt auf eine Nachricht. Als am Dienstag feststand, dass Leo Kirch sich die Vermarktung der Bundesliga-Übertragungsrechte gesichert hat, begannen die Anleger wie wild aus der Premiere-Aktie zu zappen. Unmittelbar können zwar die Auswirkungen auf den Bezahlfernsehsender noch nicht berechnet werden. Doch der Deal bringt Unsicherheiten über die Verhandlungsposition von Premiere. Diese galt zuvor als hervorragend. Neue Risiken bedeuten eben Kursabschläge.

    Tatsächlich kann es sich Premiere kaum leisten, auf die Übertragungsrechte zu verzichten, läuft der Abo-Sender doch Gefahr, den Geduldsfaden seiner Kunden zu zerreißen. Allerdings ist umgekehrt auch Kirch auf den Pay-TV-Sender angewiesen. Neben Premiere hat bei der vorherigen Versteigerung nur die inzwischen gescheiterte Arena um die Live-Übertragungsrechte - das wertvollste Asset - mitgeboten. Da sich noch kein finanzkräftiger Bietkonkurrent am Horizont abzeichnet, müssen Kirch und die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Preis, den Premiere für die Rechte zahlen soll, eben auf anderem Weg in die Höhe treiben.

    In einem Joint Venture von Rechtevermarkter Sirius (Kirch) und der DFL sollen daher Interviews und kommentierte Berichte produziert werden - vor allem um Hoffnungsträger wie das Internetfernsehen oder Handy-TV zu stützen. Auch Premiere soll - im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Sendern - nur die fremdproduzierten Inhalte anbieten dürfen. Dass Premiere dies nicht hinnehmen will, ließ der Bezahlsender zwar umgehend wissen. Allerdings werde man den Abonnenten unter Umständen auch diesen Inhalt offerieren, um die Bundesliga beim Sender zu halten. Der zu zahlende Preis werde sich aber an der gebotenen Exklusivität und den Bietkonkurrenten orientieren. Das kann nach derzeitigem Stand kaum im Sinne Kirchs sein.

    Bis 2008 die Rechte vergeben werden, bleiben einige Monate für Verhandlungen, in denen Premiere auf die eigene Produktion dringen wird. Gewähren Kirch und die DFL dies, ist der Sender wohl bereit, etwas mehr zu zahlen. Der größere Druck lastet indes auf dem Rechtevermarkter, der für die nächste Vergabe einen Aufschlag von 20% verspricht. So gesehen ist die Verhandlungsposition von Premiere gar nicht so schlecht, und mancher Anleger könnte etwas früh weggezappt haben.

    (Börsen-Zeitung, 11.10.2007)

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