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Der Tagesspiegel: Norwegen verklagt Thor Steinar

Berlin (ots)

Das Land Norwegen hat wegen "widerrechtlicher
Verwendung staatlicher Hoheitszeichen" Anzeige gegen die umstrittene 
Modemarke Thor Steinar erstattet. Damit will das Land verhindern, 
dass die bei Neonazis äußerst beliebte Marke weiterhin die 
norwegische Flagge auf ihre Textilien druckt und für Werbezwecke 
missbraucht. Laut dem deutschen Markengesetz dürfen offizielle 
Staatssymbole nicht zur Kennzeichnung von Waren oder Dienstleistungen
benutzt werden.
"Wir wollen, dass unsere Staatsflagge, als Symbol des 
demokratischen Norwegens, nicht weiter in Verbindung mit dem 
rechtsextremen Milieu gebracht wird", sagte der Gesandte des Staates 
Norwegen, Andreas Gaarder, dem Tagesspiegel. "Jetzt liegt die 
Entscheidung bei der deutschen Justiz." Gaarder lobte zudem 
ausdrücklich  das zivilgesellschaftliche Engagement von Anwohnern und
Politikern gegen die Modemarke und ihre Läden.
"Ich begrüße es, dass die norwegische Regierung gegen Thor Steinar
aktiv geworden ist", sagte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy
(SPD) dem Tagesspiegel zu der Initiative Norwegens. Er hoffe, dass 
das Verfahren Erfolg hat.
Bereits am 5. November wurde ein entsprechender Bußgeldbescheid 
über 2000 Euro an die Protex GmbH in Königswusterhausen verschickt, 
die Thor Steinar vertritt. Das bestätigte das Bundesamt für Justiz 
dem Tagesspiegel. Geschäftsführer Uwe Meusel legte dagegen 
Widerspruch ein. Jetzt soll der Fall am 31. März vor dem Amtsgericht 
Potsdam verhandelt werden. Sollte das Gericht zu Gunsten des Staates 
Norwegen entscheiden, hätte das Urteil weitreichende Folgen für die 
Marke. Neben der Bezahlung des Bußgeldes, wäre es Protex dann ab 
sofort untersagt, die Norwegen-Fahne zu verwenden. "Es gibt dann nur 
zwei Möglichkeiten: Die Flagge abmachen oder, wo das nicht geht, das 
Kleidungsstück vernichten", sagte ein Sprecher des Bundesamtes für 
Justiz. Der finanzielle Schaden für das Unternehmen wäre immens, da 
ein Großteil der Artikel mit der norwegischen Flagge verziert ist. 
Die Firma selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Thor Steinar ist, laut Aussage des Verfassungsschutzes 
Brandenburg, "ein identitätsstiftendes Erkennungszeichen" für 
Rechtsextremisten. Vor drei Jahren war das Runen-Logo der Marke 
aufgrund der Ähnlichkeit mit Symbolen aus dem Nationalsozialismus in 
Brandenburg, Berlin, Sachsen und Tschechien zeitweise verboten 
worden. Hunderte Textilien der Firma wurden beschlagnahmt. Daraufhin 
änderte Thor Steinar das Motiv.

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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