Geplante Öl- und Gasbohrungen vor Usedom: Neues Aktionsbündnis gegen fossiles Projekt in der Ostsee
Berlin (ots)
- Kanadischer Konzern Central European Petroleum plant mögliche Förderung von Öl und Gas in unmittelbarer Nähe zu Meeresschutzgebieten
- Fossiles Projekt vor Usedom würde ohnehin stark belastetes Ökosystem sowie lokalen Tourismus gefährden
- DUH, BUND Mecklenburg-Vorpommern, WWF und Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern gründen neues Aktionsbündnis
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der BUND Mecklenburg-Vorpommern, der WWF und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern kündigen das gemeinsame Vorgehen gegen die geplante Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht vor der Insel Usedom an. Das neue Bündnis will verhindern, dass ein großflächiges fossiles Industrieprojekt des kanadischen Öl- und Gaskonzerns Central European Petroleum in unmittelbarer Nähe zu Meeresschutzgebieten entstehen könnte. Dafür behält sich das Bündnis auch rechtliche Schritte vor.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Nach der Nordsee darf nicht auch noch die Ostsee zum Rohstoffpark der fossilen Industrie werden. Das hätte verheerende Auswirkungen für Klima, Umwelt und Tourismus. Noch ist aus der Erkundungsbohrung kein genehmigtes Förderprojekt geworden - das muss auch so bleiben. Die Bundesregierung, die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und die Europäische Union müssen gemeinsam deutlich machen: Eine neue Öl- und Gasförderung direkt vor Usedom darf es nicht geben. Wenige Wochen vor der Landtagswahl müssen auch die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern klar Stellung beziehen und erklären, wie sie die Küste vor einem neuen fossilen Industrieprojekt schützen wollen."
Finn Viehberg, Leiter Büro Ostsee des WWF Deutschland: "Usedom steht für intakte Natur und nachhaltigen Tourismus. Öl- und Gasförderung vor unserer Haustür würde beides zerstören. Wir brauchen klare politische Kante: Fossile Projekte in der Ostsee gehören gestoppt. Wir brauchen einen wirksamen Meeresnaturschutz für unsere Zukunft."
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern: "Die Pommersche Bucht ist ein ökologisch besonders wertvoller und zugleich bereits stark belasteter Lebensraum der Ostsee. Nur rund 200 Meter vom bisherigen Bohrstandort entfernt beginnen europäische Meeresschutzgebiete. Hier rasten und überwintern zahlreiche Seevögel und auch der vom Aussterben bedrohte Ostsee-Schweinswal nutzt diese Gewässer. Zusätzlicher Unterwasserlärm, Schadstoffeinträge und das Risiko eines Ölunfalls wären für dieses empfindliche Ökosystem nicht verantwortbar. Die Ostsee braucht wirksamen Schutz statt neuer fossiler Industrie."
Rainer Sauerwein, Vorstand Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern: "Eine Öl- und Gasförderung in den flachen Küstengewässern vor Usedom und Wolin birgt zu hohe Risiken für diese wunderschönen Erholungsgebiete. Die zu erwartenden Umweltbelastungen, die Gefahr möglicher Störfälle bedeuten bei so geringem Wasseraustausch der Ostsee eine Katastrophe für die Vorpommersche Küste und für die hier lebenden Menschen und auch den naturverbundenen Tourismus."
Hintergrund:
Das kanadische Öl- und Gasunternehmen Central European Petroleum hat 2025 mit der Bohrung "Wolin East 1" wenige Kilometer vor der Küste Usedoms nach Öl und fossilem Gas gesucht. Die Konzession, also die Lizenz zur Erkundung und Förderung, läuft bis zum 1. Dezember 2027. Eine tatsächliche Förderung ist damit noch nicht genehmigt, dafür muss zunächst eine umfassende Umweltprüfung erfolgen. Dennoch steht zu befürchten, dass vor Ablauf der Lizenz mit der Förderung begonnen werden soll. Nach Angaben des Unternehmens könnten sich im gesamten Konzessionsgebiet mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmeter Gas befinden.
Besonders kritisch bewertet das Bündnis die bislang ungeklärte, mögliche Ausdehnung der Lagerstätte über die deutsch-polnische Grenze hinweg. Eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung müsste zwingend erfolgen, da nicht auszuschließen ist, dass sich die Auswirkungen auch bis ins deutsche Küstenmeer erstrecken würden. Sollte sich die Öl- und Gasblase auch unter deutsches Hoheitsgebiet erstrecken, wäre auch ein deutsches Genehmigungsverfahren unter Beteiligung deutscher Behörden, Umweltverbände und der Öffentlichkeit notwendig.
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
Finn Viehberg, Leiter Büro Ostsee WWF Deutschland
finn.viehberg@wwf.de
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin BUND MV
0178 5654700, corinna.cwielag@bund-mv.de
Dr. Rainer Sauerwein, Vorstand Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern
0152 53670823, rainer.sauerwein@online.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de
Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell