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Dr. Axel Jockwer

Unternehmen scheitern nicht am Wachstum - sondern daran, Wachstum zu organisieren
Dr. Axel Jockwer zeigt in "Growth Pain", warum Wachstum neue organisatorische Herausforderungen schafft

Unternehmen scheitern nicht am Wachstum - sondern daran, Wachstum zu organisieren / Dr. Axel Jockwer zeigt in "Growth Pain", warum Wachstum neue organisatorische Herausforderungen schafft
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Kreuzlingen am Bodensee (ots)

Wachstum gilt für viele Unternehmen als Zeichen des Erfolgs. Mehr Kunden, höhere Umsätze, neue Märkte und steigende Mitarbeiterzahlen stehen für eine erfolgreiche Entwicklung. Doch Wachstum verändert Organisationen grundlegend.

Denn viele Unternehmen scheitern nicht daran, betriebswirtschaftliche Ziele zu erreichen. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, dass Organisationen nicht automatisch in die richtige Richtung wachsen. Wenn organisatorische Themen nicht bewusst weiterentwickelt werden, entstehen grundlegende Fehler, die Unternehmen langfristig implodieren lassen können.

Das ist die zentrale These von Dr. Axel Jockwer. Der Unternehmer, Investor und Wachstumsexperte beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit der Frage, warum Unternehmen in der Skalierungsphase häufig ihre ursprüngliche Dynamik verlieren. In seinem neuen Buch "Growth Pain - Wie Unternehmen schmerzfrei wachsen" (Herder Verlag, 2026) beschreibt er typische Wachstumsschmerzen von Organisationen - und zeigt, warum die größten Herausforderungen oft nicht im Markt entstehen, sondern innerhalb des Unternehmens.

"Unternehmen können sich stabil entwickeln, wenn sie typische Wachstumsfallen erkennen und mit ihnen umgehen", lautet eine der zentralen Botschaften Jockwers.

Kein Wachstum ohne Schmerzen

Am Anfang vieler Unternehmen stehen Geschwindigkeit, kurze Entscheidungswege und eine starke gemeinsame Vision. Gründer kennen ihre Kunden persönlich, Teams arbeiten eng zusammen, Entscheidungen werden schnell getroffen.

Doch mit zunehmender Größe verändert sich das System. Aus wenigen Mitarbeitern werden Abteilungen, aus direkten Gesprächen entstehen Abstimmungsprozesse, aus einer informellen Kultur werden feste Strukturen. Was ein Unternehmen in der Anfangsphase erfolgreich gemacht hat, funktioniert später nicht automatisch weiter. Die Organisation muss aktiv gestaltet werden - denn mit wachsender Größe entstehen neue Herausforderungen. "Um zu wachsen genügt es nicht, Funding zu bekommen und gute Kennzahlen zu liefern", sagt Jockwer. "Entscheidend sind Themen wie Menschen, Kultur, Kommunikation und Führung." Genau dort entstehen laut Jockwer die größten Reibungsverluste.

Vom Startup zum Unternehmen: Die Wachstumsschmerzen beginnen

Jockwer kennt diese Entwicklung aus eigener Erfahrung bei diversen Startups. Sein prominentestes Beispiel: Als Marketing Director begleitete er den Aufbau von HolidayCheck. Er kam in einer frühen Phase zum Unternehmen und erlebte, wie aus einem kleinen Startup eine Organisation mit mehreren hundert Mitarbeitern wurde.

"Ich bin bei sieben Leuten eingestiegen und bei 350 Leuten wieder ausgestiegen", erzählt Jockwer. Seine Beobachtung aus diesen Jahren: Die konkreten Produkte und Märkte unterscheiden sich zwar, doch die Herausforderungen, die mit Wachstum entstehen, ähneln sich erstaunlich stark - besonders bei Menschen, Organisation und Kultur. Die Entwicklung habe ihm gezeigt, wie stark sich Organisationen verändern, wenn sie wachsen. Während am Anfang persönliche Kommunikation und schnelle Entscheidungen dominieren, entstehen später massive Herausforderungen: mehr Hierarchieebenen, komplexere Prozesse und längere Entscheidungswege. "Irgendwann ist es nicht mehr dieselbe Welt", beschreibt Jockwer diese Phase.

Die unsichtbaren Kosten des Wachstums

Viele Unternehmen investieren in Produkte, Technologie und Vertrieb. Die organisatorische Entwicklung wird dagegen häufig unterschätzt.

Dabei können genau hier die größten Probleme entstehen:

  • Kommunikation wird schwieriger, weil Informationen nicht mehr automatisch alle erreichen.
  • Die ursprüngliche Unternehmenskultur verliert an integrativer Kraft.
  • Entscheidungsprozesse dauern immer länger.

Besonders häufig beobachtet Jockwer, dass erfolgreiche Fachkräfte automatisch zu Führungskräften werden.

"Ein guter Experte ist nicht automatisch eine gute Führungskraft", sagt er. Mit wachsender Verantwortung verändern sich die Anforderungen. Wer zuvor vor allem fachliche Lösungen entwickelt hat, muss plötzlich Menschen führen, Konflikte lösen und Orientierung geben.

Warum manche Unternehmen bewusst nicht weiter wachsen

Eine ungewöhnliche Perspektive bringt Jockwer in die Wachstumsdebatte ein: Wachstum ist nicht immer das einzige Ziel. In der Wirtschaft gilt Größe häufig als Erfolgsmaßstab. Doch Jockwer sieht auch Unternehmen, die bewusst eine bestimmte Größe halten wollen.

"Es gibt Unternehmer, die sagen: Bis hierhin möchte ich wachsen. Danach verändert sich das Verhältnis zwischen Freiheit, Verantwortung und Komplexität."

Entscheidend sei nicht maximale Größe, sondern eine gesunde Balance zwischen Wachstum, Stabilität und Beweglichkeit. Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur bei großen Organisationen. Auch kleinere Unternehmen können mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sein. Zentral ist nicht allein die Anzahl der Mitarbeiter, sondern ob Strukturen, Kommunikation und Führung mit der Entwicklung des Unternehmens Schritt halten. Eine Steuerberatungskanzlei mit einigen Dutzend Mitarbeitern kann beispielsweise ähnliche organisatorische Herausforderungen erleben wie ein deutlich größeres Unternehmen.

Die Growth Pain Matrix: Ein Frühwarnsystem für Unternehmen

Aus seinen Erfahrungen entwickelte Jockwer die Growth Pain Matrix. Das Modell beschreibt typische Wachstumsphasen von Organisationen und betrachtet wiederkehrende Herausforderungen rund um Führung, Kommunikation, Kultur und die Entwicklung der Organisation als Ganzes.

"Es gibt Muster, die sich wiederholen - unabhängig von Branche und Land", sagt Jockwer.

Wachstum bringt zwangsläufig Veränderung mit sich. Entscheidend ist, die wiederkehrenden Muster zu verstehen und richtig damit umzugehen. Mit der ergänzenden Growth Fix Matrix zeigt Jockwer mögliche Lösungswege auf.

Auch KI löst nicht das wichtigste Wachstumsproblem

Die aktuelle Diskussion um künstliche Intelligenz verändert nach Ansicht Jockwers viele Unternehmensprozesse. Entwicklung, Automatisierung und Effizienz könnten deutlich schneller werden. Doch KI löse nicht die grundlegenden organisatorischen Herausforderungen.

"Früher war häufig die Produktentwicklung der Engpass. Heute kann KI vieles beschleunigen", sagt Jockwer. "Aber Kundenbeziehungen, Führung, Kultur und Zusammenarbeit werden zentrale Themen bleiben, die höchste Aufmerksamkeit benötigen." Gerade weil Technologie immer schneller werde, steige die Bedeutung einer funktionierenden Organisation.

Der eigentliche Stresstest: Organisation bewusst gestalten

Für Jockwer liegt die Herausforderung erfolgreicher Unternehmen darin, dass organisatorische Themen häufig zu spät oder nicht ausreichend beachtet werden. Diese können dann zur Bremse werden. Paradox: Während fehlende Organisationsentwicklung zu Problemen führen kann, ist es gerade die Überregulierung durch zu viele Prozesse und Strukturen, die Geschwindigkeit und Eigenverantwortung einschränkt. Beide Extreme sind nicht zielführend.

Die entscheidende Aufgabe sei deshalb, die richtige Balance zu finden. Seine Botschaft an Unternehmer lautet: Wachstum braucht nicht nur eine gute Idee und einen starken Markt. Wachstum braucht eine Organisation, die sich bewusst weiterentwickelt und den Erfolg tragen kann. Der schwierigste Schritt ist nicht, ein Unternehmen groß zu machen. Der schwierigste Schritt ist, dafür zu sorgen, dass die Organisation auch mit dieser Größe erfolgreich arbeiten kann.

Über Dr. Axel Jockwer

Dr. Axel Jockwer ist Unternehmer, Investor, Business Angel, Berater und Wachstumsexperte. Seit mehr als 25 Jahren begleitet er Start-ups, Scale-ups und etablierte Unternehmen in Wachstums- und Veränderungsprozessen. Er war unter anderem Marketing Director bei HolidayCheck, Managing Director bei BLACKROLL und Mitgründer der BOTTIMMO AG. Mit der Growth Pain Matrix und der Growth Fix Matrix entwickelte er ein Modell zur Analyse typischer Herausforderungen wachsender Organisationen. Sein Buch "Growth Pain - Wie Unternehmen schmerzfrei wachsen" erschien 2026 im Herder Verlag und verbindet praktische Erfahrungen aus Unternehmensaufbau, Management und Organisationsentwicklung.

Pressekontakt:

JOCKWER.COM / Dr. Axel Jockwer
Brückenstrasse 5f
CH-8280 Kreuzlingen

Email: axel@jockwer.com
https://www.jockwer.com/

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