Rapid7 Threat Report: Deutschland zweithäufigstes Ransomware-Ziel weltweit – fast zwei Drittel aller Exploits im Q2 2026 ohne Nutzerinteraktion
Neu ausgenutzte Schwachstellen stiegen in Q2 2026 um 8 Prozent auf 40. Sie überholen damit klassische Patch-Zyklen.
MÜNCHEN, 24. August 2026 — Rapid7, Inc., eines der global führenden Unternehmen im Bereich KI-gestützter Cybersecurity-Operationen, hat seinen Quarterly Threat Landscape Report veröffentlicht. Er zeigt, dass steigende Schwachstellenzahlen und eine immer schnellere Ausnutzung von Exploits klassische Patch-Modelle zum Einsturz bringen. Die Erkenntnisse bestätigen einmal mehr, dass Sicherheitsteams sich nicht länger allein auf statische Schweregrad-Werte verlassen dürfen. Die Priorität muss auf den Schwachstellen liegen, die Angreifer tatsächlich erreichen und ausnutzen können.
Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt die Suche nach Schwachstellen. Die eigentliche Herausforderung für Verteidiger liegt jedoch darin, zu handeln, bevor Angreifer es tun. Laut Report haben sich Schwachstellenmeldungen, die als “hoch” oder “kritisch” eingestuft wurden, im Jahresvergleich auf 8.539 verdoppelt. Neu ausgenutzte Schwachstellen legten um bis zu 40 Prozent zu. Das Zeitfenster zwischen der Offenlegung einer Schwachstelle und ihrer aktiven Ausnutzung schrumpft immer weiter. Statische CVSS-Werte und feste Patch-Zyklen reichen deshalb nicht mehr aus.
„Sicherheitsteams jagen einem Phantom hinterher, wenn sie glauben, allein durch das Schließen von Tickets nach CVSS-Werten “sicher” zu sein", sagt Christiaan Beek, Vice President bei Rapid7 Labs. „Wir ertrinken in einer Flut von Meldungen, und zwischen einem verfügbaren Patch und einem Exploit, der als Angriffswerkzeug genutzt wird, liegt kaum noch ein zeitlicher Abstand. Wer weiterhin auf feste Patch-Zyklen setzt, während der Gegner seine Angriffskette automatisiert, betreibt kein Risikomanagement mehr, sondern finanziert die Forschung der Angreifer. Es ist Zeit, aufzuhören, CVEs zu sammeln, und sich stattdessen auf die Schwachstellen zu konzentrieren, die wirklich zählen."
Die Adaptierung des Schwachstellen-Management Prozesses auf einen risikobasierten Ansatz und die Modifikation des CAB Prozesses sind unabdingbar, um auf die kollabierenden Ausnutzungszeitfenster zu reagieren.
Zentrale Ergebnisse:
- Zero-Click-Schwachstellen nehmen zu. 62 Prozent der neu ausgenutzten Schwachstellen waren sogenannte „Holy Grail"-Schwachstellen. Sie ließen sich über das Netzwerk ausnutzen, ohne dass hierfür eine Authentifizierung oder Nutzerinteraktion nötig gewesen wäre.
- Exploits werden schneller einsatzbereit. Kritische Schwachstellen stiegen im Quartalsvergleich um 21 Prozent. Öffentlich verfügbarer Exploit-Code legte um 12 Prozent zum Vorquartal zu, im Jahresvergleich sogar um 76 Prozent. Der Pool an Schwachstellen, die Angreifer schnell für echte Attacken nutzen können, wächst.
- Fehlende Authentifizierung öffnet neue Angriffsflächen. Meldungen zu fehlender Authentifizierung stiegen im Jahresvergleich um 247 Prozent, von 45 auf 156 Meldungen.
- Ransomware bleibt konzentriert, wird aber geografisch breiter. Die USA verzeichneten 881 gelistete Ransomware-Opfer. Das ist etwa das Neunfache der 99 Fälle in Deutschland. Damit ist die Bundesrepublik weltweit das am zweithäufigsten von Ransomware betroffene Land, noch vor Kanada, Großbritannien und Italien. Auch Indien und Thailand tauchten erstmals unter den Top 10 der Länder auf. Das zeigt, dass Ransomware-Partnerprogramme über ihre bisherigen Schwerpunkte in den USA und Europa hinaus expandieren.
Der Report dokumentiert zudem staatlich gelenkte Kampagnen aus Iran, Nordkorea und Russland. Ziel waren kritische Infrastruktur und Unternehmen. Zu den Taktiken zählten das Kapern von SOHO-Edge Routern (also Router am Netzwerkrand für kleine Büros/Homeoffices) für DNS-Hijacking sowie gezielte Angriffe auf Betriebstechnik und Industriesteuerungen.
Was das für die Sicherheitspraxis bedeutet
Das zweite Quartal 2026 zeigt deutlich: Der klassische Patch-Zyklus nach dem Prinzip “Abwarten und Beobachten” reicht nicht mehr aus. Schwachstellenmeldungen nehmen zu und Angreifer automatisieren ihre Suche zunehmend. Sicherheitsteams sollten deshalb weniger jeder neuen Schwachstelle hinterherjagen und stattdessen die Angriffsfläche verkleinern, die tatsächlich erreichbar und ausnutzbar ist. Genau dieser Wechsel hin zu einem evidenzbasierten Exposure Management ist der Kern eines präventiven Sicherheitsansatzes.
Den vollständigen Report finden Sie hier.
Über den Rapid7 Quarterly Threat Landscape Report
Der Rapid7 Threat Landscape Report ist eine vierteljährliche Analyse des globalen Angreiferverhaltens. Grundlage sind Daten aus Managed Detection and Response, Schwachstellen-Intelligence-Plattformen und der Threat-Research-Telemetrie des Unternehmens. Die Ausgabe für das zweite Quartal 2026 untersucht die beschleunigte Offenlegung und Bewaffnung von Schwachstellen, geopolitische Cyberaktivitäten, neue Social-Engineering-Taktiken, Aktivitäten im Dark Web sowie aktuelle Ransomware-Trends.
Über Rapid7
Rapid7, Inc. (NASDAQ: RPD) ist weltweit führend im Bereich KI-gestützter Cybersecurity-Operationen. Das Unternehmen unterstützt Organisationen dabei, ihre Cyber-Resilienz zu stärken. Die offene und erweiterbare Rapid7 Command Platform bündelt Sicherheitsdaten. Sie reichert diese mit KI, Threat Intelligence und 25 Jahren Expertise und Innovation an, um Risiken zu senken und Angreifer zu stoppen. Als anerkannter Marktführer im Bereich präventiver Managed Detection and Response (MDR) vereint Rapid7 Exposure Management und Detection. Damit unterstützt das Unternehmen die Cybersecurity-Operationen von mehr als 11.500 Kunden weltweit.
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