Achtung, Windchill: Wenn sich minus fünf Grad beim Radfahren anfühlen wie minus 20
Dermatologin erklärt angesichts der Kältewelle, warum Winter für die Haut eine Extrembelastung ist
5 Tipps
München (ots)
"Viele unterschätzen, dass die aktuellen Frostgrade eine Extrembelastung für die Haut sind", sagt Sophie Müller-Wiefel, Dermatologin der Praxis PRIDE SKIN (https://www.prideskin.de). Besonders verkannt werde der Wind-Faktor. Er macht aus minus 5 Grad Celsius auf dem Thermometer für aktive Menschen beim Fahrrad- oder Skifahren eine gefühlte Temperatur von etwa minus 20 Grad. "Der so genannte Windchill-Effekt fühlt sich nicht nur kalt an, sondern kann der Haut kurz- und langfristig schaden", sagt Müller-Wiefel. "Viele Menschen denken: Es sind ja nur minus zehn Grad, das schaffe ich locker", sagt sie. "Was sie nicht einkalkulieren: Bei vielen Outdoor-Aktivitäten müssen sie die angesagte Temperatur je nach Luftfeuchte und anderen Faktoren mit dem Faktor drei oder vier multiplizieren. Das ändert alles." Nachfolgend erklärt die Expertin, was welche Temperaturen konkret für die Haut bedeuten.
Drei Temperaturbereiche, drei Hautprobleme
8 Grad bis 0 Grad: Bereits ab 8 Grad fahren die Talgdrüsen ihre Produktion nahezu auf Null, der Talg ist nicht mehr fließfähig und kann somit keinen schützenden Film auf der Haut bilden. Die Hautbarriere leidet. Kälte engt die Blutgefäße ein. Feuchtigkeit verdunstet schneller. Das Resultat: Trockenheit, Rauheit, Reizungen. Danach trockene Heizungsluft - das macht alles noch schlimmer.
Minus 10 Grad bis minus 5 Grad: In diesem Temperaturbereich ziehen sich die Gefäße zusammen. Dadurch kommt es zu einer noch schlechteren Durchblutung. Der Zellstoffwechsel wird gestört, was die Regeneration und Talgproduktion stört. Das führt zu massiver und extremer Trockenheit. Es entstehen Mikrorisse, die sich bei empfindlicher Haut entzünden.
Minus 20 Grad und darunter: Ab dieser Temperatur drohen echte Erfrierungen. Erst Frostnip, dann Frostbite. Die Dermatologie unterteilt die Verbrennungen in 4 Grade. Der 1. Grad ist Dermatitis congelationis erythematosa: Zunächst Blässe, dann Rötung. Der 2. Grad heißt Dermatitis congelationis bullosa: Schädigung der oberflächlichen Hautschichten mit Blasenbildung. Beim 3. Grad sprechen Ärzte von Dermatitis congelationis escharotica: Schädigung der tieferen Hautschichten und des Unterhautgewebes, Nekrosen. Der 4. Grad Gangraena congelationis führt zu Gangrän und Gliedverlust.
Ab Grad 3 kommt es zur Mumifikation (trockene Gangrän). Hierunter versteht man das Vertrocknen von abgestorbenem Gewebe. Eiskristalle bilden sich im Gewebe. Das führt zu irreparablen Zellschäden. Und zur Zerstörung der Blutgefäße, was die Sauerstoffversorgung des Gewebes stört. Die Schweregrade reichen vom leichten Ödem bis zur Gangrän. Bei extremer Kälte können bereits nach 30 Minuten Gewebeschäden entstehen. "Das Problem sind Unwissenheit und Falschannahmen", warnt Müller-Wiefel. "Viele machen oft Fehler mit den besten Absichten."
Die größten Winter-Todsünden für die Haut
Die größten Fehler sind laut der Expertin: heiß duschen, zu aggressiv reinigen (zu häufig, aggressive Peelings, alkoholhaltige Toner), ungeschützt in Kälte und Wind, Lippen lecken, zu spät oder falsch eincremen. Problematisch sind zudem Feuchtigkeitslotionen und Seren ohne anschließende Schutzschicht durch eine fetthaltige Coldcreme. Hierbei kommt es zu zusätzlicher Verdunstung und schon recht früh zu einem Einfrieren der Feuchtigkeitspflege auf der Haut. Ein Super-GAU sind zu enge Handschuhe, in denen sich kein wärmendes Luftpolster zwischen Stoff und Haut aufbauen kann. Besser ist auch im tiefsten Winter der Zwiebel-Look: hochwertige Textilhandschuhe aus speziellem Teckgewebe unter den eigentlichen Handschuhen tragen. Auch Ohren und Lippen sind zu schützen. Nach dem Duschen eincremen! Auch die Körperhaut leidet unter Kälte, Heizung und Wollpullover.
5 Schutztipps für die Haut bei klirrender Kälte
- Prä-Expositions-Creme: 20 bis 30 Minuten vor Outdoor-Aktivitäten eine Wind-/Wetterschutzcreme mit hohem Fettanteil auftragen.
- Mehrlagige Kleidung: Innenlage (feuchtigkeitsabsorbierend und feuchtigkeitsableitend). Daher ist Baumwolle als erste Schicht ein No-Go. Die Feuchtigkeit muss abtransportiert werden. Klare Empfehlung: Merinowolle oder Techfaser plus eine isolierende Mittellage und eine winddichte Außenlage.
- Passende Accessoires: Entweder gefütterte Lederhandschuhe oder gefütterte Tech-Synthetikhandschuhe sowie zusätzliche Unterziehhandschuhe aus Wolle oder Techfaser. Mütze oder Ohrenwärmer sowie Gesichtsmaske bei unter minus 15 Grad Celsius.
- Post-Expositions-Pflege: Wichtig ist das langsame Aufwärmen der extrem kalten Körperteile, da es sonst zum Wärmeschock kommt. Nach der Aktivität Hände und Gesicht mit regenerativer Creme eincremen. Bei rissigen Händen und Füßen kann man nach dem Eincremen über Nacht Baumwoll-Handschuhe tragen.
- Verhalten & beobachten: Feuchte Wäsche sofort wechseln. Bei Rötungen, Blasen oder Schmerzen zum Arzt gehen - Erfrierungsverdacht ernst nehmen.
Hintergrund Windchill: Physik statt Gefühl
Bewegte Luft erzeugt zusätzlichen Wärmeverlust auf der Haut. Die Zahlen sind alarmierend: Bei 0 °C und 30 km/h Fahrttempo beträgt die gefühlte Temperatur minus 19,5 °C, beim Joggen mit 10 km/h sind es minus 3,3 °C. Diese Werte bestimmen nicht nur, wie wir uns fühlen. Sie bestimmen die biologischen Prozesse in der Haut und welche Schäden dabei entstehen.
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