Kommunen beim Fund von Blindgängern deutlich entlasten
Kommunen beim Fund von Blindgängern deutlich entlasten
Mit Simulation lassen sich Druckwellen im Boden erkennen
Evakuierungs-Radius und Kosten reduzieren
München, 19. Januar 2026 – Wenn Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt werden, wirkt die Sprengkraft nicht nur oberirdisch sichtbar, sondern auch in Erschütterungen und Druckwellen im Boden. Um Versorgungsleitungen oder unterirdische Infrastruktur besser zu schützen, entwickeln IT- und Simulations-Fachleute von Virtual City Systems (VCS) in Berlin und in Grafing bei München ein Simulationsmodell für die Untergrundwirkung von Fliegerbomben.
Nach Abschluss der Forschungsarbeiten wird das Untergrundmodell in die von VCS entwickelte Simulations-Software „VC Blastprotect“ integriert und steht damit Anwendern wie zum Beispiel Kommunen und Einsatzkräften wie Feuerwehr, Kampfmittelräumung oder Katastrophenschutz zur Verfügung.
In dem Interview mit der Bayerischen Staatszeitung (nachzulesen unter https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/bauen/detailansicht-bauen/artikel/wir-koennen-gefahrenbereiche-ermitteln.html) erklärt VCS-Geschäftsführer Dr. Stefan Trometer die Funktion der schon jetzt vertriebenen und von Behörden und Feuerwehren genutzten Software. „Mit Blastprotect können wir Gefahrenbereiche ermitteln, die sich durch Druckwellenausbreitung und Splitterflug von Fliegerbomben ergeben.“ Damit könne man die Auffindesituation exakt nachbilden und auch Gebäude oder andere Objekte rund um die Fundstelle in die Simulation einbeziehen.
Evakuierung und Kosten-Aufwand lassen sich deutlich reduzieren
„Dabei entstehen sogenannte Abschattungseffekte, die die Gefahrenbereiche teilweise sehr deutlich reduzieren und es erlauben, Evakuierungsmaßnahmen auf ein Minimum zu begrenzen“, so Trometer. Der organisatorische und auch finanzielle Aufwand für Kommunen, Infrastruktur und Bevölkerung könne so je nach Fall deutlich verringert werden.
Gefragt nach jüngsten Fällen wie der Evakuierung Mitte November in Nürnberg (wo 21.000 Menschen evakuiert wurden) erläutert Trometer, dass insbesondere ein „üblicher und häufig gefundener Bombentyp“ gut simuliert werden könne. Damit könne man Daten-gestützt überprüfen, ob eine begrenztere Evakuierung vertretbar ist. Die Entscheidung könne die Software den Verantwortlichen nicht abnehmen, sie sei aber „ein unterstützendes System bei der Entscheidungsfindung, sie liefert eine zusätzliche Perspektive, die in die komplexen Überlegungen einbezogen werden kann“. Bislang fallen Evakuierungen oft sehr groß aus, um optimalen Schutz zu generieren. Die Software könne helfen, Maßnahmen zu ermitteln, die einen ausreichenden Schutz bei weniger Aufwand und damit bei geringeren Kosten erziele.
Größte zivile Sprengversuchs-Kampagne in Deutschland
Stefan Trometer verweist auf Evaluierungsprojekte unter anderem mit der Feuerwehr in München und Hannover, „bei dem wir mit allen Beteiligten den praktischen Nutzen der Software erproben und diskutieren“. Die Erkenntnisse könnten auch auf Einheiten und Feuerwehren in anderen Kommunen übertragen werden. Außerdem habe man in 2025 die größte zivile Sprengversuchs-Kampagne seit Kriegsende durchgeführt (unter anderem berichtete das ARD Fernsehen), bei der die Versuche und Auswertungen vor Ort „unsere Simulationsergebnisse voll bestätigt haben“, so Trometer. „Von den umfangreichen Erfahrungen der bisherigen Projekte profitieren alle weiteren Anwender.“
Neben der Entwicklung der Simulations-Software bietet VCS betroffenen Kommunen und Einsatzkräften eine Untersuchung einzelner Verdachtsmomente und begleitet den gesamten Prozess von der Analyse und Auswertung der jeweiligen Situation bis zur Zusammenarbeit mit den Entschärfungs-Experten vor Ort. Die Software wird unter anderem von den Landesbehörden der Kampfmittelräumung in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg genutzt.
Über Virtual City Systems:
Die Virtual City Systems GmbH bietet Lösungen für Erstellung, Verteilen und Nutzen von 3D-Stadtmodellen und urbanen Simulationen an. Das Unternehmen wurde 2005 gegründet und unterstützt seitdem Städte und Gemeinden dabei, sogenannte Digitale Zwillinge – also digitale Abbilder von Städten – für die Analyse und Planung urbaner Räume einzusetzen, unter anderem für Städtebau und Stadtentwicklung, Simulation von Starkregen und Hochwasser, Solarpotenzial oder die Entschärfung und Sprengung von Blindgänger-Bomben. Ziel ist es, umfangreiche Geoinformations-Daten und darauf basierende Simulationen in offenen Anwendungen zur Verfügung zu stellen und die Zusammenarbeit verschiedener Arbeitsbereiche in der Stadtentwicklung zu verbessern. Virtual City Systems ist Teil der internationalen CADFEM Group.
Über CADFEM:
CADFEM wurde 1985 in Deutschland gegründet und ist heute mit über 600 Beschäftigten an weltweit 35 Standorten einer der größten Anbieter von Simulationstechnologie und Digital Engineering. Als Ansys Apex Channel Partner setzt CADFEM auf die führende Technologie von Ansys, einem Teil von Synopsys, Inc., und bietet über die Software hinaus Beratung, Simulations-Berechnungen, Automatisierungen und IT-Lösungen bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Produkt- und Prozessoptimierung. Mit Schulungen zu über 100 verschiedenen Themen ist CADFEM zudem einer der weltweit größten Weiterbildungsanbieter in der Technologie-Branche. Die einzelnen Ländergesellschaften betreuen in Europa, Indien und Südostasien mehr als 5.000 Firmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zur CADFEM Group gehören außerdem Partner unter anderem in den Bereichen Autonomes Fahren, Virtuelle Städte, Personalisierte Medizin und Smart Factories.
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