Visum statt leere Stellen: Warum Physiopraxen jetzt auf Fachkräfte aus dem Ausland setzen sollten
Köln (ots)
Viele Physiotherapiepraxen leiden unter dramatischem Personalmangel: klassische Stellenanzeigen bleiben oft ohne Resonanz, Wartelisten wachsen, und langjährige Mitarbeitende stoßen an Belastungsgrenzen. Vor diesem Hintergrund rückt ein Ansatz verstärkt in den Fokus, der in anderen Gesundheitsberufen bereits gängig ist: gezielte Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten.
Externe Fachkräfte bringen nicht nur Quantität, sondern oft auch spezifische Erfahrungen und Perspektiven mit – und sie können dort helfen, wo der heimische Arbeitsmarkt nicht mehr schnell genug liefert. Hier erfahren Sie, welche rechtlichen Wege es gibt, um internationale Therapeuten zu gewinnen, warum viele Praxen diesen Weg bislang scheuen und wie man als Praxis strukturiert und nachhaltig ausländische Fachkräfte integriert.
Fachkräftemangel als Dauerzustand
Die Zahlen verdeutlichen die Lage: Über 11.900 Physiotherapeuten fehlen in Deutschland, tatsächlich dürfte der Bedarf noch höher liegen. Rund 73 Prozent der Praxen haben offene Stellen, deren Besetzung im Schnitt etwa 280 Tage dauert. Gleichzeitig denkt etwa jede zweite Fachkraft über einen Berufswechsel nach.
Damit wird deutlich: Es handelt sich nicht mehr um eine vorübergehende Engpasssituation. Vielmehr stößt der inländische Arbeitsmarkt zunehmend an seine Grenzen, sodass alternative Wege der Personalgewinnung an Bedeutung gewinnen.
Warum internationale Rekrutierung oft gemieden wird
Trotz des offensichtlichen Bedarfs zögern viele Praxisinhaber. Häufig werden die Verfahren als zu komplex und langwierig eingeschätzt. Hinzu kommen Unsicherheiten bezüglich Sprachkenntnissen, Qualifikation sowie der Integration ins Team und in den Praxisalltag.
Ein genauer Blick relativiert jedoch einige dieser Bedenken. Sprachliche Anforderungen sind klar geregelt: Für die Einreise genügt in der Regel B1, für die vollständige Anerkennung wird B2 vorausgesetzt. Zudem verfügen viele internationale Bewerber über akademische Abschlüsse und bringen fundierte fachliche Kompetenzen mit. Auch die Dauer der Verfahren liegt oft im Rahmen der Zeit, in der Stellen ohnehin unbesetzt bleiben.
Zudem zeigt die Praxis, dass auch die Sorge um die Akzeptanz bei Patienten meist unbegründet ist: Entscheidend sind Fachkompetenz, Empathie und ein professionelles Auftreten – nicht die Herkunft.
Rechtliche Wege im Überblick
Für Fachkräfte aus EU-Staaten gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit, ein Visum ist nicht erforderlich. Die Anerkennung erfolgt meist vergleichsweise schnell. Gleichzeitig sinkt das Potenzial innerhalb der EU, da sich die Arbeitsbedingungen in vielen Herkunftsländern verbessern.
Für Bewerber aus Drittstaaten bildet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Grundlage. Seit der Reform 2023 sind Verfahren vereinfacht worden, unter anderem durch den Wegfall der Vorrangprüfung und die Möglichkeit beschleunigter Verfahren.
Der Ablauf ist klar strukturiert: Nachweis von Sprachkenntnissen, Abschluss eines Arbeitsvertrags, Anerkennungsverfahren, Visumserteilung und Einreise. Häufig kann bereits im Anerkennungsstatus gearbeitet werden, bevor die volle Berufsanerkennung erfolgt.
Fachkräfte mit zusätzlichem Potenzial
Internationale Therapeutinnen und Therapeuten bringen häufig nicht nur personelle Entlastung, sondern auch neue Perspektiven in die Praxis. Akademische Ausbildungen, zusätzliche Behandlungsmethoden sowie unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit Patienten können die fachliche Vielfalt im Team erweitern.
Darüber hinaus zeigen viele Bewerber eine hohe Motivation und eine langfristige Bleibeabsicht. Wer den Weg nach Deutschland aktiv geht, verfolgt in der Regel ein klares Ziel: dauerhaft im Beruf anzukommen.
Integration gezielt gestalten
Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Integration gelingt. Diese beginnt bereits vor der Ankunft. Eine frühzeitige Einbindung des Teams, klare Kommunikation von Erwartungen sowie Unterstützung bei praktischen Fragen wie der Wohnungssuche schaffen wichtige Grundlagen.
Nach der Einreise ist ein strukturiertes Onboarding entscheidend. Dazu gehören Unterstützung bei Behördengängen, feste Ansprechpartner im Team sowie ausreichend Zeit für die fachliche und sprachliche Eingewöhnung. Gleichzeitig sollte die Integration aktiv gefördert werden, um eine stabile Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Bestehende Hürden bleiben
Trotz verbesserter Rahmenbedingungen bestehen weiterhin Herausforderungen. Anerkennungsverfahren sind je nach Bundesland unterschiedlich organisiert, was die Planung erschwert. Zudem entstehen Kosten für Übersetzungen und Sprachkurse, während behördliche Prozesse teilweise lange dauern.
Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf, insbesondere bei der Vereinheitlichung von Verfahren, schnelleren Abläufen sowie einer stärkeren Förderung der Fachkräftegewinnung.
Fazit
Die Rekrutierung internationaler Fachkräfte entwickelt sich für viele Physiotherapiepraxen von einer Option zu einer Notwendigkeit. Angesichts des anhaltenden Personalmangels stellt sich zunehmend weniger die Frage, ob Praxen diesen Weg gehen sollten, sondern vielmehr, wie lange sie es sich leisten können, darauf zu verzichten.
Über Tobias Frese:
Tobias Frese ist Gründer und Geschäftsführer der Frese Recruiting GmbH. Die Personalagentur vermittelt qualifizierte Physiotherapeuten aus dem Ausland an deutsche Praxen. Dabei übernimmt die Agentur den kompletten Prozess von Auswahl bis Integration. Mehr Informationen unter: www.frese-recruiting.de
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