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Ukraine: Anstieg an schwerverletzten Zivilisten und Menschen mit Behinderung
Bedarf an Reha und Fachkräften wächst

München (ots)

Nach nun fast vier Jahren Bombardierungen und Beschuss wächst die Anzahl an schwerverletzten Zivilistinnen und Zivilisten in der Ukraine. Die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI) weist auf die gestiegene Zahl an schlimmen Verletzungen wie Amputationen oder Verbrennungen und an Menschen mit Behinderungen hin sowie auf den enormen Bedarf an Fachkräften und Hilfsmittel. Immer mehr Menschen benötigen Physiotherapie, Prothesen und psychologische Unterstützung.

"Das Ausmaß der Anfragen nach Reha-Maßnahmen von Menschen, die durch Raketen- und Drohnenangriffe oder Landminenexplosionen verletzt wurden, ist deutlich gestiegen. Diese Patienten haben schwere Traumata und Amputationen erlitten", sagt Tatiana, Physiotherapeutin in Dnipro. Die Menschen sind nicht nur körperlich schwer verletzt, sondern leiden auch an Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Physiotherapie und psychologische Unterstützung sind dringend notwendig.

Anstieg von Menschen mit Behinderung

Ein Bericht des Assessment Capacities Project (ACAPS) schätzt, dass rund 300.000 Menschen Kriegsverletzungen erlitten haben, von denen einige zu körperlichen Behinderungen wie Amputationen, Hör- und Sehverlust usw. geführt haben. Vor der russischen Invasion lebten in der Ukraine etwa 2,7 Millionen Menschen mit Behinderungen - eine Zahl, die seitdem aufgrund der vielen Kriegsversehrten stark gestiegen ist. Menschen mit Behinderungen sind überproportional von Gewalt und Tod betroffen und haben Schwierigkeiten, Zugang zu grundlegender Versorgung und Hilfsmaßnahmen zu erhalten.

Dicke Jacken gegen Streumunition

Lidiya ist eine der vielen Verletzten. Ohne Therapie von Handicap International könnte sie ihren Arm nicht mehr bewegen und wäre von täglicher Hilfe abhängig. Eine Streubombe explodierte, als sie in einer langen Schlange auf der Straße wartete, um ihre monatliche Rente abzuholen. Plötzlich hörte sie ein Geräusch, das wie "tausend zischende Schlangen" klang. Später erfuhr sie, dass es sich dabei um den Klang von Streumunition handelte. Einer der Männer in ihrer Nähe schrie: "Rennt!"

"Aber wohin sollten wir laufen? Wir wussten, dass es in der Nähe einen Keller gab, aber wir schafften es nicht rechtzeitig dorthin. Die Druckwelle warf uns alle zu Boden", sagt Lidiya.

Als die 75-Jährige wieder zu sich kam, sah sie, dass ihr Arm blutüberströmt und ihre Hand unnatürlich verdreht waren. Es herrschte bedrückende Stille; niemand konnte aufstehen. Bald kamen Ärzte. Lidiya sah, wie sie die Menschen sortierten - in die, die noch lebten und in die, die nicht mehr lebten.

"Der Arzt sagte mir, ich hätte Glück gehabt. Ich war warm angezogen, wie ein Kohlkopf in vielen Schichten, weil wir in der Nacht zuvor vor den Bombardierungen in einem Keller Schutz gesucht hatten und mir sehr kalt war. Diese dicke Kleidung hat mir das Leben gerettet", berichtet Lidiya.

Handicap International versorgt in der Ukraine seit 2022 Opfer von Streubomben, Landminen oder Raketen.

  • Versorgung von über 5.600 Menschen mit Rehabilitations-Maßnahmen
  • Versorgung von rund 19.000 Menschen mit psychosozialer Unterstützung.
  • Aufklärung von über 230.000 Menschen über die Gefahren von Minen und Blindgängern.
  • Verteilung von über 6.000 Hilfsmitteln

Hier finden Sie Bildmaterial und weitere Informationen zum Einsatz in der Ukraine.

Verfügbare Sprecher*innen auf Englisch oder Ukrainisch:

- Duncan Ball, HI-Programmdirektor für die Ukraine

- Elliot de Faramond, HI-Advocacy-Manager

- Oleksii Mykhailiuk, Spezialist für bewaffnete Gewalt

- Diana Turchyn, mobile Beauftragte für psychische Gesundheit

- Antonina Telytsia, Spezialistin für Inklusion

Pressekontakt:

Huberta von Roedern
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mail: h.vonroedern@hi.org
Mobil: +49 151 73 02 32 06
www.handicap-international.de

Original-Content von: Handicap International e.V., übermittelt durch news aktuell

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