Bundesverband Solarwirtschaft e.V.
Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher
Pressemitteilung des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V.
Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher
290 Prozent Wachstum bei Großspeichern im ersten Quartal / Enervis-Analyse: Nur ein Fünftel der geplanten Großspeicher gilt derzeit als gesichert / Solarwirtschaft fordert Abbau regulatorischer Hemmnisse
Berlin, 22. Juni 2026 – Der deutsche Markt für Batteriespeicher wächst derzeit mit Rekordtempo. Allein im ersten Quartal 2026 wurden mehr als zwei Gigawattstunden (GWh) zusätzliche Speicherkapazität in Betrieb genommen. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment der Großspeicher: Hier stieg der Zubau gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 290 Prozent auf über eine GWh.
Ob Deutschland in den kommenden Jahren ausreichend Speicherkapazitäten aufbauen kann, ist jedoch offen. Nach einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Enervis könnte der Zubau von Großspeichern bis 2029 bei ungünstigen Rahmenbedingungen lediglich 15 GWh betragen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht darin ein Warnsignal und fordert die Bundesregierung zum raschen Abbau von Netzanschluss- und Regulierungshemmnissen auf.
„Deutschland erlebt derzeit einen Speicherboom. Ob daraus tatsächlich die benötigten Speicherkapazitäten entstehen, hängt entscheidend von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Batteriespeicher sind eine Schlüsseltechnologie für die Integration erneuerbarer Energien und damit für den Erfolg der Energiewende“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.
Derzeit verfügen die in Deutschland betriebenen Batteriespeicher über eine Gesamtkapazität von rund 30 GWh – davon rund sechs GWh Großspeicher. Nach der Enervis-Analyse gelten bis 2029 lediglich rund 15 GWh zusätzlicher Großspeicherkapazität als vergleichsweise gesichert. Weitere Projekte mit einer Kapazität von rund 58 GWh befinden sich in Planung, ihre Realisierung ist jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Batteriespeicher gelten als zentrale Voraussetzung für eine sichere, kosteneffiziente und klimaneutrale Energieversorgung. Sie können überschüssigen Solar- und Windstrom zwischenspeichern, Netzengpässe reduzieren und den Bedarf an kostspieligen Eingriffen in das Stromsystem verringern.
Nach Einschätzung des BSW-Solar wird der Ausbau zunehmend durch langwierige und uneinheitliche Netzanschlussverfahren gebremst. Fehlende Standardisierung, unzureichende Digitalisierung und unterschiedliche Anforderungen der Netzbetreiber verzögerten zahlreiche Projekte.
„Viele Investitionen stehen bereit. Doch zu lange Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten bremsen den Ausbau. Hier muss die Politik dringend handeln“, so Körnig.
Der BSW-Solar fordert insbesondere:
• eine Beschleunigung und Standardisierung von Netzanschlussverfahren für Batteriespeicher,
• die regulatorische Ermöglichung des Multi-Use-Betriebs von Batteriespeichern,
• die konsequente Nutzung von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen und Netzengpässen statt der Abregelung erneuerbarer Energien,
• sowie die Vereinfachung des Anschlusses von Batteriespeichern an bestehenden Netzanschlüssen von Erzeugungsanlagen sowie Gewerbe- und Industrieunternehmen.
„Batteriespeicher senken Systemkosten, reduzieren Netzengpässe und stärken die Versorgungssicherheit. Ihr Ausbau darf nicht an vermeidbaren bürokratischen und regulatorischen Hindernissen scheitern“, sagt Körnig.
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