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Noch heute wird Alkoholsucht von der Gesellschaft nicht als Krankheit, sondern als Charakterschwäche gewertet

Noch heute wird Alkoholsucht von der Gesellschaft nicht als Krankheit, sondern als Charakterschwäche gewertet
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Während jemand, der dem Rauchen abgeschworen hat, es jedem erzählen möchte und voller Stolz den Zuspruch seiner Mitmenschen wie süßesten Honig in sich aufnimmt, möchte sich jemand bei dem Thema Alkohol, am liebsten weiterhin verstecken. Trotz unserer aufgeklärten Gesellschaft wird von „Säufern“, „Pennern“ und „Schluckspechten“ gesprochen. Ist es daher nicht allzu verständlich, dass dann eine unterschwellige Scheu davor besteht, sich zu dieser Erkrankung zu bekennen?

Unsere Gesellschaft macht Lobgesänge über das Saufen und verachtet die Säufer gleichzeitig. EIN PARADOXUM PER EXELLANCE …

Kein Wunder, dass der Betroffene seine Situation nicht wahrhaben will. Wird seine Lage von Nahe- oder Außenstehenden erkannt und er wird darauf angesprochen, dann empfindet der Betroffene es wie eine "Majestätsbeleidigung" und lehnt Hilfsangebote entrüstet ab. Die Scham vor der Wahrheit lässt Hilfe erst dann zu, wenn ein Verstecken nicht mehr möglich ist oder der Betroffene sich nicht mehr verbergen will.

Es ist schon erstaunlich, dass ein Alkoholkranker, der sich seiner Sucht erfolgreich widersetzt hat, dafür schämt, dieser Erkrankung erlegen gewesen zu sein.

Nur im engsten Kreis Eingeweihter geht man damit offensiv um und möchte nicht, dass es in die Öffentlichkeit getragen wird. Eigentlich könnte man genau so stolz sein, wie beim Nichtrauchen, und trotzdem ist es in diesem Fall etwas völlig anderes. Es mag wohl daran liegen, dass man sich als Raucher nie verstecken musste, als Trinker in der Regel schon. Als Trinker beging man über Jahre Unrecht und belog all jene, die man liebte und die einem wichtig waren. Das wird es sein, dieser Unterschied, der im Grunde das Gleiche völlig anders erscheinen lässt.

Insofern stimmt es schon, dass ein Stigmatisierungsprozess stattfindet, sobald eine Therapie stattgefunden hat. Andere, die es bitter nötig hätten, der Therapie jedoch ausweichen konnten, werden im Stellenwert der Einschätzung anders eingestuft, weil sie ja bisher noch keine Therapie nötig hatten. Auch bei Arztbesuchen ändert sich zumeist sogleich der Begegnungsstil des Arztes, sobald der Betroffene von seiner Alkoholerkrankung spricht, auch, wenn es schon seit Jahren keinen Tropfen mehr trank. Eben das wird ein weiterer Grund dafür sein, dass auch ein trockener Alkoholkranker nicht gern mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Es ist eine Tatsache, dass allerorten abfällig über Alkoholiker gesprochen wird. Allein das Wort schon hört sich abfällig an. Insofern spreche ich lieber von einer Alkoholkrankheit, weil dies einfach treffender ist. Diese Abfälligkeit im Vokabular anderer ist auch dem Alkoholkranken bewusst. Bevor er zu seiner Erkrankung stand hatte er sogar selbst in diese Abfälligkeiten eingestimmt und von „Säufern“, „Pennern“ und „Schluckspechten“ gesprochen. Insofern ist es allzu verständlich, dass dann eine unterschwellige Scheu davor besteht, sich zu dieser Erkrankung zu bekennen sowie die Scheu davor, auch als Abstinenzler nicht gern in diese Ecke gerückt zu werden. Die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Erkrankung lässt daher zu wünschen übrig.

Vergleichbar ist das mit den psychischen Erkrankungen. Vor einigen Jahrzehnten war der Besuch bei einem Psychiater oder Psychologen immer mit Scham verbunden, da der Betroffenen Angst davor hatte, allgemein als „bekloppt“ zu gelten. Man schämte sich für sein Leiden und versuchte, so wenig wie möglich davon an die Öffentlichkeit preiszugeben.

Doch seitdem die Erkrankungen wie „Burn Out“, Depressionen oder Belastungsneurosen regelrecht gesellschaftsfähig geworden sind und psychotherapeutische Behandlungen gar als „schick“ gewertet werden, kann die Gesellschaft damit - als völlige Normalität - umgehen. Es wäre wünschenswert, wenn Gleiches auch für Suchterkrankungen, insbesondere dem Alkoholismus gelten würde, zumal das Problem alle gesellschaftlichen Schichten unserer Bevölkerung treffen kann.

Was liegt also näher, als dass mein eigener persönlicher Beitrag zu dieser Problematik der ist, dass einer der Protagonisten meines neuen Thrillers, der Chefarzt der Psychiatrie, mit genau diesem Problem behaftet ist.

Ich wünsche viel Freude bei dieser Lektüre, durch die wirklich mehr als ein Finger in aktuelle gesellschaftliche Wunden gelegt werden.

Kurt (Curd) Nickel, Heilpädagoge, Auditor im QMS, Thrillerautor

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