Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG
Gebr. Otto auf der Techtextil: Regionale Lieferketten, Garninnovationen und neuer Hygienebereich
Gebr. Otto stellt auf der diesjährigen Techtextil seine Vielseitigkeit in den Mittelpunkt: Neben Spinnerei, Zwirnerei und Färberei, die traditionell mit feiner Baumwolle arbeiten, finden textile Weiterverarbeiter im Unternehmen auch einen kompetenten Entwicklungspartner für technische Speziallösungen: In der Herstellung von technischen Garnen, insbesondere aus Aramiden, hat die Dietenheimer Spinnerei mittlerweile ein Jahrzehnt Erfahrung. Neu ist ein Hygienebereich, in dem derzeit Zwirne für Medizin- und Hygieneprodukte hergestellt werden. In dieser Abteilung könnten in Zukunft auch textile Produkte für den Lebensmittelbereich entstehen. Zu finden ist Gebr. Otto auch in diesem Jahr auf dem Gemeinschaftsstand des BW-i, Stand D81, Halle 12.1.
Zukunft hat bei Otto Tradition
„Der Name Gebr. Otto steht seit 1901 für feine Baumwollerzeugnisse“, sagt Andreas Merkel, Geschäftsführer bei Gebr. Otto. Eine lange, bewegte Firmengeschichte, die sich im Juli dieses Jahres zum 125. Mal jährt.
Neben Baumwollgarnen und -zwirnen hat das Unternehmen im Laufe der Zeit weitere Produktbereiche erschlossen. Heute liegt ein Schwerpunkt auf technischen Garnen, insbesondere aus Aramiden und anderen flammhemmenden Fasern.
Die Verarbeitung dieser Fasern ist anspruchsvoll: Ihre extrem hohe Zugfestigkeit bei gleichzeitig geringer Elastizität erfordert ein sehr präzises Spinnverfahren, da bereits kleine Unregelmäßigkeiten im Streckwerk zu Faserbrüchen führen können. Zudem sind Aramidfasern steif und weisen eine geringere Faser-Faser-Reibung auf, was spezielle Anpassungen im Spinnprozess notwendig macht, um die gewünschte Garnfestigkeit zu erreichen.
„Wir arbeiten bei Aramiden in einem engen Prozessfenster“, sagt Oliver Kächler, langjähriger Betriebsleiter der Spinnereien und Prokurist bei Gebr. Otto. Die Garne kommen beispielsweise in flammhemmender Unterwäsche für Feuerwehrleute zum Einsatz.
Raum, um aus Ideen Innovationen zu spinnen
Die technische Spinnerei in Balzheim betreibt Gebr. Otto seit knapp zehn Jahren. Ihre Entwicklung zeigt beispielhaft, wie viel Bewegung und Wandel in einem zukunftsfähigen Portfolio steckt: Mitte der 90er Jahre legte das Unternehmen seine Spinnerei I, Baujahr 1958 still. Baumwollgarne entstanden nun in der neugebauten, modernen Spinnerei II.
Den freigewordenen Raum nutze Gebr. Otto weiterhin zum Spinnen – im übertragenen Sinne: Dort entstanden Wattepads mit saugfähigem Kapok, Tampons, ebenfalls mit Kapokkern und Wattestäbchen, allerdings ohne Markterfolg. Von der Erfahrung mit Kapokfasern profitierte Gebr. Otto trotzdem: 2004 gelang es dem Unternehmen als erste Spinnerei, die Faser in Kombination mit Baumwolle in ein Garn zu bändigen.
Eine weitere, ebenfalls erfolgreich gesponnene Vision ist recot2, ein Baumwollgarn aus 25 Prozent wiederaufbereiteten Prozessabgängen und 75 neuer Baumwolle. Dafür entwickelte Gebr. Otto ein eigenes Spinnverfahren. Das Garn kam 2008 auf den Markt. „Wir waren damit fast ein bisschen früh“, stellt Andreas Merkel, Geschäftsführer von Gebr. Otto schmunzelnd fest. „Das Thema Kreislaufwirtschaft ist erst in den letzten Jahren richtig relevant geworden.“
Versuche zur Verarbeitung von Aramidfasern begann Gebr. Otto in den 2000er Jahren. Die Erfahrung mit einer großen Bandbreite an Materialien verhalf dem „Otto Engineering Team“ schnell zu guten Ergebnissen – und der Spinnerei I zu ihrer heutigen Nutzung.
„Wir geben uns nicht mit dem Ist-Zustand zufrieden, sondern sind immer auf der Suche nach neuen Produkten, nachhaltigeren Lösungen und neuen Marktsegmenten“, sagt Andreas Merkel.
Hygienebereich: Potenzial für Textilien für die Medizinprodukte- und Lebensmittelindustrie
Ganz im Sinne seiner Firmenphilosophie betreibt Gebr. Otto seit Anfang 2025 einen eigenen Hygienebereich. Unter streng kontrollierten Bedingungen entstehen hier derzeit Zwirne für Medizin- und Hygieneartikel. Das erfordert unter anderem eine eigenes Schädlingsmonitoring, Schutzausrüstung fürs Bedienpersonal sowie ein Umkleidebereich mit Schwarz-/weiß-Trennung. Ein Zugang zum Hygienebereich ist nur über Schleusen möglich.
„Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dieser Ausstattung zukünftig auch weitere Kunden aus dem Lebensmittel- und Medizinproduktebereich ansprechen können“, so Geschäftsführer Merkel.
Laufende Entwicklungen
Jüngst abgeschlossen hat Gebr. Otto die Entwicklung von „Eco Yarn“, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Recycling-Atelier Augsburg des Instituts für Textiltechnik Augsburg (ITA) sowie der Technischen Hochschule Augsburg und den Industriepartnern Schwob und Weseta.
Dem Projekt-Team ist es gelungen, ausgediente Mietwäsche in seine Fasern zu zerlegen, diese wiederaufzubereiten und in einer Mischung mit 70 Prozent Virgin-Baumwolle zu einem neuen Garn zu verspinnen.
Derzeit „in Arbeit“ ist unter anderem das Projekt Innocell mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF).
Baumwolle bleibt das Flaggschiff
Neben innovativen technischen Ansätzen bleibt Baumwolle der Dreh- und Angelpunkt bei Gebr. Otto. Seit Frühjahr 2025 hat die Spinnerei Baumwollgarne mit der Auszeichnung EUCOTTON im Programm. Die Fasern stammen aus Griechenland und Spanien und stehen für kurze, transparente Lieferketten innerhalb Europas.
Ein weiteres Beispiel für das Engagement in regionalen Wertschöpfungsketten ist das Projekt „Lokalstoffmacher“. „Oft wird angenommen, dass regionale Produkte automatisch teurer sind“, sagt Geschäftsführer Andreas Merkel. „Wenn man jedoch Transport, Zölle, Steuern und die höhere Planungssicherheit einbezieht, relativiert sich der Preisunterschied häufig deutlich.“ Die Projektpartner Edelweiss Jersey, die Textilveredlung Keller und Gebr. Otto können sich vorstellen, die Zusammenarbeit auf Garne jenseits der Baumwolle zu erweitern.
Gebr. Otto arbeitet zudem an einem Garn aus Bio-Baumwolle und nativem, in Deutschland angebautem Hanf. Der regional gewonnene Winterhanf wird von einem Projektpartner aufgeschlossen und anschließend mit Baumwolle oder TENCEL versponnen. Hanf benötigt im Anbau deutlich weniger Wasser als Baumwolle und gilt daher als besonders ressourcenschonend. Durch ein spezielles Aufschlussverfahren lassen sich die Fasern so aufbereiten, dass sie gemeinsam mit Baumwolle verarbeitet werden können.
„Wir freuen uns auf die diesjährige Techtextil – und darauf, unseren Besuchern unsere Vielseitigkeit zu demonstrieren“, so Otto-Geschäftsführer Merkel.
Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG
Königstraße 34 89165 Dietenheim Deutschland
Geschäftsführer: Andreas Merkel
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