Sudan: Hungersnot eskaliert - Akute Unterernährung erreicht in weiteren Regionen katastrophales Ausmaß
Berlin (ots)
Die humanitäre Lage im Sudan spitzt sich dramatisch zu. Laut einer aktuellen Warnung des IPC (Integrated Food Security Phase Classification) hat die akute Unterernährung in weiteren Regionen des Landes die Schwelle zur Hungersnot deutlich überschritten. In Um Baru und Kernoi in Nord-Darfur, ist inzwischen mehr als jedes dritte, teils sogar jedes zweite Kind akut unterernährt. Bereits 2025 wurde in Al-Faschir und in Kadugli eine Hungersnot ausgerufen.
"Eine Hungersnot entsteht nicht über Nacht. Sie ist das Ergebnis monatelanger Belagerung, Gewalt und Gleichgültigkeit. In Darfur sehen wir ganze Gemeinden, die nichts mehr haben: keine Lebensmittel, keine Hilfe, nichts", sagt Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan. "Viele Familien ernähren sich von Blättern oder Tierfutter. Das ist nicht nur eine Nahrungsmittelkrise, das ist eine Überlebenskrise."
Kinder besonders gefährdet
Besonders alarmierend ist die Lage der Kinder: In Um Baru liegt die Rate der globalen akuten Unterernährung (GAM) bei 52,9 Prozent, fast doppelt so hoch wie die international definierte Schwelle zur Hungersnot. In Kernoi beträgt sie 34 Prozent. In beiden Orten ist der Zugang zu lebensrettender Behandlung eingeschränkt - in Kernoi erreicht Hilfe nur ein Viertel der schwer unterernährten Kinder.
Auch in anderen Teilen Darfurs und in Kordofan verschlechtert sich die Situation rapide. Dort beeinträchtigen Kämpfe die Nahrungsmittelproduktion, Märkte und Versorgungswege massiv. Der IPC rechnet für 2026 mit 4,2 Millionen akut unterernährten Kindern, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Der seit fast drei Jahren andauernde Konflikt, massive Vertreibungen, eingeschränkter humanitärer Zugang und gravierende Finanzierungslücken treiben das Land immer tiefer in eine der schwersten Hungerkrisen weltweit. Rund 33,7 Millionen Menschen - etwa zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung - werden 2026 auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Bereits heute leiden über 21 Millionen Menschen an akuter Ernährungsunsicherheit.
Vertreibung, Gewalt und kollabierende Versorgungssysteme
Die Einnahme der Stadt Al-Faschir im Oktober 2025 löste eine der größten Vertreibungswellen des Konflikts aus. Hunderttausende Menschen flohen in ohnehin überlastete Regionen Darfurs.
Gleichzeitig steht das sudanesische Versorgungs- und Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch: Es gibt kaum Trinkwasser, 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht mehr funktionsfähig. Ausbrüche von Cholera, Masern und Durchfallerkrankungen nehmen zu, insbesondere in Lagern für Vertriebene, die keinen Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen haben.
Hinzu kommt eine dramatische Unterfinanzierung der Hilfe: Der Humanitäre Hilfsplan 2026 ist bislang nur zu 5,5 Prozent gedeckt, 2025 wurden nur 38 Prozent der erforderlichen Mittel zugesagt. Ohne sofortige zusätzliche Mittel droht insbesondere vor Beginn der Regenzeit eine weitere Isolation ganzer Landesteile - mit tödlichen Folgen.
Jetzt handeln
Aktion gegen den Hunger fordert ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten und den Schutz der Zivilbevölkerung, ungehinderten, sicheren Zugang für humanitäre Hilfe über Konfliktlinien hinweg sowie eine dringende Aufstockung der internationalen Finanzierung, um eine weitere Ausbreitung der Hungersnot zu verhindern.
Die Teams von Aktion gegen den Hunger sind weiterhin vor Ort und leisten wichtige Hilfe in den Regionen Blauer Nil, Darfur, Rotes Meer, Kordofan und Weißer Nil in den Bereichen Gesundheit und Ernährung, Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene sowie Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
"Hungersnöte sind vermeidbar. Es ist eine kollektive Entscheidung: Entweder wir handeln jetzt oder wir nehmen es in Kauf, dass hunderttausende Menschen an Hunger sterben werden", so Guessabi.
Hinweis an die Redaktionen
Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.
Der IPC-Alert ist hier verfügbar.
Über Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.
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