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Wenn gesellschaftliche Krisen zur Dauerbelastung werden: Neue Studie zeigt wachsende psychische Belastungen bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte

Berlin (ots)

Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter in Deutschland sind gegenüber gesellschaftlichen Krisen nicht dauerhaft widerstandsfähig. Eine neue Studie auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigt: Während frühere Krisen nur vorübergehende oder geringe Spuren im psychosozialen Wohlbefinden hinterließen, haben sich zentrale Wohlbefindensindikatoren seit 2021 deutlich verschlechtert.

Untersucht wurden depressive Symptome, Lebenszufriedenheit und Einsamkeit bei Menschen ab 40 Jahren in Deutschland. Zwischen 2014 und 2017 blieben diese Indikatoren weitgehend stabil. Auch nach der ersten Phase der COVID-19-Pandemie zeigten sich Hinweise auf eine Erholung: Einsamkeit und depressive Symptome stiegen zunächst an, näherten sich 2021 aber wieder dem Ausgangsniveau an.

Seit 2021 zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Lebenszufriedenheit sank, Einsamkeit nahm wieder zu, und depressive Symptome stiegen deutlich an. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Jahr 2024: Der Anstieg depressiver Symptome fiel hier stärker aus als in den Jahren zuvor.

Die Studie ordnet diese Entwicklung in den Kontext der sogenannten Polykrise ein. Anders als bei zeitlich begrenzten Einzelkrisen geht es dabei um die anhaltende Überlagerung mehrerer gesellschaftlicher Belastungen: der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Energieunsicherheit, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und politische Polarisierung. Solche Belastungen bleiben nicht auf Politik und Wirtschaft beschränkt. Sie können den Alltag vieler Menschen prägen, Zukunftssorgen verstärken und psychische wie soziale Bewältigungsressourcen beanspruchen.

"Die Polykrise ist nicht nur eine Abfolge politischer und wirtschaftlicher Probleme. Sie kann zu einer dauerhaften Belastung des Alltags werden", sagt Erstautor Oliver Huxhold. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Dauerbelastung inzwischen auch im psychosozialen Wohlbefinden sichtbar wird. Das ist gesellschaftlich bedeutsam: Wenn depressive Symptome zunehmen, Lebenszufriedenheit sinkt und Einsamkeit wächst, betrifft das nicht nur einzelne Personen. Es kann auch soziale Teilhabe, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen."

Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Huxhold, O., Klasen, L. J., Bünning, M., Gerstorf, D., Kelle, N. (2026). Psychosocial Trajectories in Germany Across a Decade of Societal Crises. The Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, https://doi.org/10.1093/geronb/gbag125

Pressekontakt:

Stefanie Hartmann
Deutsches Zentrum für Altersfragen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
https://www.dza.de/presse.html
stefanie.hartmann@dza.de
Tel.: 030 / 260 740 25

Original-Content von: Deutsches Zentrum für Altersfragen, übermittelt durch news aktuell

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