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Initiative Faktor Lebensqualität

Faktor Lebensqualität: Geplante Festbeträge bei Hilfsmittel-Versorgung sind gesundheitsgefährdend

Faktor Lebensqualität: Geplante Festbeträge bei Hilfsmittel-Versorgung sind gesundheitsgefährdend

Die Initiative Faktor Lebensqualität warnt vor der Ausweitung von Festbeträgen in der Hilfsmittel-Versorgung durch das geplante GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz. Für Menschen mit Entleerungsstörungen, Selbstkatheterismus oder einem künstlichen Darmausgang könnte dies zu Unterversorgung oder einer Gefährdung ihrer Gesundheit führen. Eine Petition gegen das Gesetz findet viel Zuspruch.

Berlin, 10.06.2026. Die Initiative Faktor Lebensqualität lehnt die geplanten Änderungen im GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz für die Versorgung mit Hilfsmitteln als potenziell gesundheitsgefährdend ab. „Festbeträge für die medizinisch notwendigen Hilfsmittel von Menschen mit Entleerungsstörung, Selbstkatheterismus oder einem künstlichen Darmausgang werden zu einem Preiskampf führen, an dessen Ende absehbar die schlechtere Versorgung der Betroffen stehen wird. Das wäre für diese Menschen gesundheitsgefährdend und würde in keiner Weise zu irgendwelchen Kosteneinsparungen beitragen, sondern erhebliche Folgekosten produzieren“, sagt Christian Lierse von der Initiative Faktor Lebensqualität. Die Sorge vor einer Verschlechterung der Versorgung teilen auch die inzwischen mehr als 3.500 Unterzeichner:innen einer Petition gegen das Gesetzesvorhaben, darunter auch mehrere unabhängige Patientenorganisationen und Fachgesellschaften.

Gesetzentwurf stellt Preis vor Qualität

Mit dem GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz der Bundesregierung sollen die Festbeträge für die Hilfsmittel-Versorgung ausgeweitet werden – gegebenenfalls auch für Menschen mit einem Stoma (künstlicher Darm- oder Blasenausgang) sowie für Personen mit Entleerungsstörungen der Blase, wie etwa diejenigen, die den intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) anwenden müssen. Im Gesetzentwurf ist davon die Rede, dass „Wirtschaftlichkeitsreserven auszuschöpfen“ seien, ein wirksamer „Preiswettbewerb“ ausgelöst werden und sich an „möglichst preisgünstigen Versorgungsmöglichkeiten“ ausgerichtet werden solle.

„Die alleinige Ausrichtung auf den Preis ignoriert, dass die Betroffenen auf eine individuelle und passgenaue Versorgung mit Hilfsmitteln angewiesen sind, die neben den geeigneten Materialien auch eine sachkundige Beratung und Betreuung umfasst“, so Lierse. Erfahrungen mit den inzwischen wieder verbotenen Ausschreibungen in diesem Bereich zeigen, dass kostengünstige Versorgungen am Ende tatsächlich keine Kosten sparen. „Eine schlechte Hilfsmittel-Versorgung gefährdet nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen, sondern führt oft zu eigentlich vermeidbaren Komplikationen, Folgebehandlungen oder Krankenhausaufenthalten, die erhebliche Kosten nach sich ziehen“, sagt Lierse. „Es geht nicht um Komfort, sondern um Gesundheit, Alltagssicherheit, Teilhabe und Würde“, so Lierse weiter.

Bundesrat sieht Gefahr höherer Kosten

In einer ersten Ausschussempfehlung hat der Bundesrat darauf hingewiesen, dass Einsparmaßnahmen, die die Versorgungssicherheit unterlaufen oder zur Mangelversorgung führen, später weitere und höhere Kosten für die Gesetzliche Krankenversicherung verursachen. „Der Bundestag sollte diese Kritik des Bundesrates und auch von Betroffenen-Verbänden konstruktiv aufnehmen und diese im weiteren Gesetzgebungsverfahren berücksichtigen“, sagt Lierse.

Viel Zuspruch für Petition „Kein Sparen auf Kosten unserer Lebensqualität!“

Die Bedenken gegen den Gesetzesentwurf teilen auch inzwischen mehr als 3.500 Personen, die die Petition „Kein Sparen auf Kosten unserer Lebensqualität!“ der Selbsthilfe Stoma-Welt e. V. und Inkontinenz Selbsthilfe e. V. unterzeichnet haben. Die Petition wurde auf der Plattform innn.it gestartet. Die Initiative Faktor Lebensqualität unterstützt die Petition. Sie wird auch von den Betroffenen und Aktivist:innen Jana Sophie Gottert, Paolo Häckl, Raúl Krauthausen, Jo Maxim sowie der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde e. V. (FgSKW) mitgetragen. Darüber hinaus haben auch mehrere weitere unabhängige Organisationen und Fachgesellschaften öffentlich dazu aufgerufen, die Petition zu unterstützen, etwa die Deutsche ILCO e. V., die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten e. V., die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. und das BeuteltierNetzwerk e. V.

Festbeträge führen zu unpassender Standardversorgung

Die Betroffenen-Initiativen weisen in ihrer Petition darauf hin, dass Festbeträge regelmäßig zur Auswahl des günstigsten Preises für eine Hilfsmittelversorgung führen. Die daraus resultierende Standardversorgung werde der notwendigen, individuellen Versorgung nicht gerecht. Eine Standardversorgung durch die Krankenkassen entspricht meistens nicht dem Bedarf in der individuellen Krankheitssituation. So könnten Hilfsmittel wie ein Stomabeutel oder ein Katheter für unterschiedliche Personen auch unterschiedlich geeignet sein. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Betroffene durch eine Standardversorgung unter Festbeträgen dazu gezwungen werden sollen, eine schlechtere Qualität mit Gesundheitsgefahren zu akzeptieren oder selbst aufzahlen zu müssen“, sagt Christian Lierse von der Initiative Faktor Lebensqualität.

Individuell angepasste Hilfsmittel sind unerlässlich

Ein Stoma ist ein künstlicher Darm- oder Blasenausgang. In Deutschland leben rund 160.000 Menschen mit einer solchen Öffnung in der Bauchdecke, über die Stuhl oder Urin ausgeschieden wird, weil dies auf normalem Weg nicht mehr möglich ist. Deshalb tragen Stomaträger:innen einen Beutel am Körper, der die Ausscheidungen auffängt. Dieser Beutel muss zuverlässig funktionieren. Ist das Hilfsmittel nicht individuell angepasst, leiden Stomaträger:innen unter Undichtigkeiten, Hautentzündungen, Schmerzen und Scham – und unter der ständigen Angst, dass ihr Alltag jederzeit aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Blasenentleerungsstörungen bedeuten, dass die Blase entweder überhaupt nicht mehr entleert werden kann oder nach dem Wasserlassen erhebliche Mengen Urin (Restharn) zurückbleiben. Das kann zu schweren Infektionen und Schäden an Blase und Nieren führen. Deshalb müssen Betroffene mehrmals täglich mit einem sterilen Katheter den Urin selbst aus der Blase ablassen (Selbstkatheterismus, ISK). Ohne individuell angepasste Hilfsmittel, Beratung und Anleitung drohen zusätzlich Infektionen, Schmerzen, Verletzungsrisiken und weitere Folgeerkrankungen.

Erst-Unterstützer:innen der Petition

Jana Sophie Gottert (@nocolon.stillrollin – Betroffene, Peer und Aktivistin)

Paolo Häckl (@dickdarmlos.durchdienacht – Betroffener und Content Creator)

Raúl Krauthausen (Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit)

Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde e. V. (FgSKW)

Initiative Faktor Lebensqualität des BVMed

Jo Maxim (Aktivist:in und Journalist:in)

Initiatoren der Petition

Die Inkontinenz-Selbsthilfe e. V. ist ein ehrenamtlich tätiger, gemeinnütziger Verein, der seit über 20 Jahren authentische Selbsthilfe von Betroffenen für Betroffene bei Inkontinenz und Entleerungsstörungen leistet.

Die Selbsthilfe Stoma-Welt e. V. ist eine bundesweite, gemeinnützige Selbsthilfeorganisation, die sich seit 2010 für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit einem künstlichen Darmausgang (Enterostoma) oder einer künstlichen Harnableitung (Urostoma) einsetzt.

Mehr Informationen zur Initiative Faktor Lebensqualität

https://www.bvmed.de/themen/hilfsmittel/kampagne-faktor-lebensqualitaet

Initiative Faktor Lebensqualität zur Verbesserung der ableitenden Inkontinenz- und Stoma-Versorgung

In Deutschland sind etwa 250.000 Menschen wegen schwerwiegender Funktionsstörungen des Darms oder der Blase auf die dauerhafte Versorgung mit Stoma- und ableitenden Inkontinenzartikeln (Kathetern) angewiesen. Ihr Leben wird dadurch nachhaltig beeinflusst, sind sie doch in allen Lebenslagen mit ihrer Einschränkung konfrontiert. Auf die Anliegen dieser Patienten macht jetzt die Initiative Faktor Lebensqualität aufmerksam. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, für deren spezifische Interessen einzutreten und einen Beitrag für die Verbesserung ihrer Hilfsmittel-Versorgung zu leisten. Die Initiative wird unter dem Dach des BVMed von führenden deutschen Herstellern und Leistungserbringern betrieben. Sie wurde 2013 gegründet und vereint die Hilfsmittel-Unternehmen für die Stoma- und Blasenkatheter-Versorgung.

Kontakt

Initiative Faktor Lebensqualität
c/o Fischoeder Kommunikationsberater
Kadettenweg 6
12205 Berlin
Telefon: +49 30 28044697
E-Mail:  lebensqualitaet@fischoeder-kommunikationsberater.de">lebensqualitaet@fischoeder-kommunikationsberater.de
 http://www.faktor-lebensqualitaet.de
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