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Wer um die Vorteile für das Gegenüber weiß, bittet häufiger um Rat

Wer um die Vorteile für das Gegenüber weiß, bittet häufiger um Rat
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Wer um die Vorteile für das Gegenüber weiß, bittet häufiger um Rat

Wenn ein Mensch den anderen um Rat bittet, profitieren beide Seiten, denn der Gefragte fühlt sich wertgeschätzt und gewinnt selbst neue Erkenntnisse. Das zu wissen, nutzt langfristig auch Unternehmen / Veröffentlichung in „Academy of Management Journal“

Viele Menschen scheuen es, andere um Rat zu bitten – aus Angst, zur Last zu fallen oder unnötig Zeit in Anspruch zu nehmen. Eine neue Studie des Exzellenzclusters ECONtribute unter der Leitung von Professorin Dr. Anne Burmeister zeigt, wie sich diese Hemmschwelle senken lässt: Wenn Ratsuchende erfahren, dass auch das Gegenüber vom Austausch profitiert, holen sie sich deutlich häufiger Unterstützung. Die Studie ist unter dem Titel „A Prosocial Perspective on Advice Seeking and Networking: How Focusing on What Advice Givers Can Gain Motivates Advice Seekers to Reach Out More” ist im renommierten Academy of Management Journal erschienen.

Ob am Beginn einer Karriere, beim Einstieg in ein neues Team oder bei schwierigen Entscheidungen: Viele Menschen tun sich schwer, andere um Rat zu bitten. Dahinter steckt häufig die Sorge, das Gegenüber zu stören oder zur Last zu fallen. Dieses Gefühl führt dazu, dass manche Menschen auf Unterstützung verzichten – und damit auf hilfreiche Kontakte und Tipps.

Die Psychologie spricht von einer „Illusion der Unausgewogenheit“: Menschen, die Rat suchen, glauben häufig, ein Gespräch sei einseitig und bringe nur ihnen selbst Vorteile. Die Forschung zeigt schon länger, dass beide Seiten profitieren können. Wer um Rat gebeten wird, fühlt sich wertgeschätzt und gewinnt selbst neue Erkenntnisse.

Anne Burmeister, Professorin für Organisational Behaviour an der Universität zu Köln und Mitglied im Exzellenzcluster ECONtribute, und Daniel Levin, Professor an der Rutgers University (USA), wollten herausfinden, ob sich das Verhalten verändert, wenn Ratsuchende explizit auf die Vorteile für das Gegenüber – die Ratgebenden – hingewiesen werden. Das zentrale Ergebnis: Wer erkennt, dass auch die beratende Person vom Austausch profitiert, holt sich deutlich häufiger Unterstützung. Die Kontaktaufnahme stieg um fast 40 Prozent. Die Qualität der erhaltenen Ratschläge blieb dabei unverändert hoch.

Für die Studie führten die Forschenden zwei kontrollierte Feldexperimente mit Arbeitssuchenden durch, die gezielt um Auskünfte zu Karrierewegen, Unternehmen oder Branchen baten. Ergänzend fanden vier Online-Experimente mit Berufstätigen verschiedener Branchen statt. So konnte der Effekt über die reine Jobsuche hinaus belegt werden. Außerdem prüfte das Forschungsteam, welche Auswirkungen es hat, wenn man variiert, wie bekannt oder statushoch die Ratgeber*innen sind. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Effekt besonders stark war, wenn sich Ratsuchende an unbekannte Personen und solche mit höherem Status wandten – genau die Situationen, in denen Menschen normalerweise am meisten zögern (und am meisten zu gewinnen haben). Die Intervention, die nicht mehr als eine Stunde in Anspruch nimmt, ist also besonders effektiv für diese Situationen.

„Das Wissen um die Vorteile für Ratgebende ist ein wirksames Mittel, die eigenen Ängste, anderen zur Last zu fallen, zu überwinden und professionelle Chancen zum Netzwerken häufiger zu nutzen“, sagt Professorin Burmeister. Jede und jeder Einzelne könne so die eigenen Netzwerke stärken und persönliche Entwicklungschancen besser nutzen.

Die Forschenden raten auch dazu, diesen empirisch gestützten Ansatz in Schulungen und Karriereberatungen einzubinden. Auch Unternehmen könnten diese Erkenntnisse gezielt nutzen, etwa bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender oder um den Wissensaustausch über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg zu fördern.

ECONtribute: Markets & Public Policy

Der Exzellenzcluster ECONtribute, getragen von den Universitäten in Bonn und Köln, beschäftigt sich mit drängenden gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen wie globalen Finanzkrisen, steigender Ungleichheit, politischer Polarisierung, Digitalisierung und dem Klimawandel. Wissenschaftler*innen aus den Wirtschaftswissenschaften und verwandten Disziplinen entwickeln innovative Ansätze, um Märkte und Politik zu analysieren und Antworten auf solche Herausforderungen zu finden.

Inhaltlicher Kontakt:

Professorin Dr. Anne Burmeister

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Exzellenzcluster ECONtribute

+49 221 470 5887

burmeister@wiso.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Eva Schissler
+49 221 470 4030 
e.schissler@verw.uni-koeln.de
Chief Communications Officer:
Dr. Elisabeth Hoffmann
+49 221 470 2202 
e.hoffmann@verw.uni-koeln.de 
V.i.S.d.P.: Dr. Elisabeth Hoffmann
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