Was AfD-Wähler*innen verbindet – und trennt, PI Nr. 63 /2026
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Was AfD-Wähler*innen verbindet – und trennt
Ein neues Policy Paper des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt: Die AfD-Wählerschaft unterscheidet sich bei Autoritarismus, Antisemitismus und wirtschaftlicher Krisenwahrnehmung. Autorin Céline Teney, Professorin für Makrosoziologie an der FU Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin des Exzellenzclusters, identifiziert die Ablehnung von Migration als gemeinsamen Nenner von AfD-Anhänger*innen.
Die Wählerschaft der AfD kommt weder aus einem geschlossenen radikal rechten Milieu, noch bildet sie eine einheitliche Protestwählerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Céline Teney, Professorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. Demnach lassen sich innerhalb des AfD-Elektorats drei Profile unterscheiden: „konservative Hardliner“, „radikal-rechte Autoritäre“ und „moderate Konservative“. Die Gruppen teilen eine restriktive Haltung zu Migration, unterscheiden sich jedoch deutlich darin, wie stark diese mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Darüber hinaus zeigen sich Unterschiede in der Bewertung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Die Ergebnisse sind auch unter dem Titel „ Von kultureller Restriktion und autoritärer Radikalität: Eine typologische Analyse der AfD-Wählerschaft“ in der Policy Paper Reihe des Exzellenzclusters erschienen.
Die Untersuchung Teneys zeigt, dass die AfD-Wählerschaft weder aus einem geschlossenen Milieu kommt noch in klar voneinander abgegrenzte Gruppen zerfällt. Stattdessen lassen sich drei Profile benennen, die sich vor allem darin unterscheiden, wie stark migrationspolitische Ablehnung mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Die größte Gruppe bilden demnach die „Konservativen Hardliner“, die rund zwei Drittel der AfD-Wählerschaft ausmachen. Ihr Profil ist durch eine ausgeprägte Ablehnung von Zuwanderung und starke Anpassungsforderungen an Minderheiten geprägt. Knapp ein Fünftel der Wählerinnen und Wähler gehört zu den „Radikal-rechten Autoritären“. In dieser Gruppe sind autoritäre Führungspräferenzen und antisemitische Einstellungen besonders stark ausgeprägt. Die kleinste Gruppe bilden die „Moderaten Konservativen“. Bei diesen fallen wirtschafts- und außenpolitische Motive vergleichsweise stärker ins Gewicht, und sie stimmen innerhalb der AfD-Wählerschaft autoritären Führungsmodellen am wenigsten zu.
„Hinter der Unterstützung der AfD verbergen sich unterschiedliche politische Orientierungsmuster. Das spricht dafür, die Wählerschaft der Partei nicht als einheitliche Gruppe zu betrachten“, erklärt Céline Teney. Die Studie basiert auf Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) zur Bundestagswahl 2025, die Angaben von insgesamt 6.414 Wähler*innen umfasst, darunter 858 Personen, die angegeben haben, die AfD gewählt zu haben. Mithilfe einer Latent Profile Analysis – einer statistischen Methode zur Identifikation von Gruppen mit ähnlichen politischen Einstellungsmustern – wurden im nächsten Schritt die wichtigsten Gruppen innerhalb der AfD-Wählerschaft identifiziert. Zur Abgrenzung berücksichtigt wurden unter anderem Einstellungen zu Zuwanderung, Anpassung von Minderheiten, autoritärer Führung, Antisemitismus, zum Sozialstaat sowie dem Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Klimaschutz.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass innerhalb der AfD-Wählerschaft weniger die eigene materielle Situation als vielmehr die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands politisch relevant ist. Bei den „Radikal-rechten Autoritären“ ist ein pessimistischer Blick darauf besonders ausgeprägt. Die Ergebnisse legen nahe, dass Vorstellungen eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergangs innerhalb der AfD-Wählerschaft unterschiedlich stark verbreitet sind.
Eine gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin und der Universität Konstanz.
Faktenübersicht
- Policy Paper: „ Von kultureller Restriktion und autoritärer Radikalität: Eine typologische Analyse der AfD-Wählerschaft“. Policy Paper Series Nr. 22, Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“.
- Originalpublikation: Teney, C. (2026). From moderate conservatives to radical right authoritarians: attitudinal heterogeneity within the AfD electorate. Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, 20, 7.
- Autorin: Céline Teney ist Professorin für Makrosoziologie an der FU Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“.
- Kontakt: Prof. Dr. Céline Teney, Freie Universität Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, E-Mail: celine.teney@fu-berlin.de
- Der Exzellenzcluster „ The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von (ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populist*innen, Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.
Hinweis an die Redaktionen
Ein Foto kann im Folgenden heruntergeladen werden:
- LINK Bildunterschrift: Céline Teney, Professorin für Makrosoziologie an der FU Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“.
Kontakt: Universität Konstanz Kommunikation und Marketing
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