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Trotz Steuerentlastung: Schon ab 6.000 Euro brutto bleibt 2027 weniger Netto

Pressemitteilung

Trotz Steuerentlastung: Schon ab 6.000 Euro brutto bleibt 2027 weniger Netto

Finanztip-Berechnung: Höhere Sozialabgaben fressen die Steuerentlastung auf – bei höheren Einkommen drohen rund 500 Euro weniger Netto im Jahr

Berlin, 29.09.2026 – Die Bundesregierung will Beschäftigte 2027 steuerlich entlasten. Doch mehr Netto bedeutet das nicht für alle. Berechnungen von Finanztip zeigen: Ab einem monatlichen Bruttogehalt von rund 6.000 Euro zehren höhere Sozialversicherungsbeiträge die Steuerersparnis vollständig auf. Der Grund: Die Sozialabgaben steigen für bestimmte Einkommensgruppen stärker, als die Steuerabzüge sinken.

Die Bundesregierung will mit der Steuerreform vor allem kleine und mittlere Einkommen sowie Familien entlasten. Unter anderem sollen der Grundfreibetrag, der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, die Kinderfreibeträge und das Kindergeld steigen. Zudem soll der Einkommensteuertarif angepasst werden. Gleichzeitig sind für 2027 aber höhere Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Pflegeversicherung und der Renten- und Arbeitslosenversicherung vorgesehen.

Die Rechnung fällt mitten in die Debatte über die Finanzierung der Sozialversicherungen: Vor allem die gesetzliche Krankenversicherung steht unter hohem Kostendruck – und höhere Beiträge für die Versicherten sind damit nicht vom Tisch.

„Die Steuerreform sorgt bei geringen Einkommen zwar für eine kleine Entlastung. Bei höheren Einkommen kommt davon jedoch nichts an, weil die Sozialabgaben gleichzeitig stärker steigen. Unsere Berechnungen zeigen: Viele Beschäftigte werden 2027 trotz Steuerreform weniger Netto haben“, erklärt Jörg Leine, Steuerexperte bei Finanztip. „Entscheidend ist nicht, was der Staat bei der Steuer entlastet, sondern was am Ende tatsächlich auf dem Konto landet. Und dabei ist die Inflation noch nicht mal berücksichtigt.“

Bei Singles: Ab 6.000 Euro brutto kippt die Bilanz

Beschäftigte können mit einem Brutto-Netto-Rechner ihre voraussichtlichen Nettogehälter für 2027 berechnen und mit 2026 vergleichen. Ein Beispiel: Für eine alleinstehende, kinderlose Person in Steuerklasse 1 ohne Kirchensteuer und mit gesetzlicher Krankenversicherung liegt das monatliche Plus bei Bruttogehältern zwischen 2.000 und 5.000 Eurozwischen 7,41 Euro und 10,66 Euro.

Ab einem Bruttogehalt von rund 6.000 Euro kippt die Bilanz: Die monatliche Steuerbelastung sinkt zwar um 20,08 Euro. Gleichzeitig steigen die Sozialabgaben aber um 20,91 Euro. Auf dem Konto landen dadurch 83 Cent weniger als 2026. Mit höherem Einkommen wird der Effekt deutlicher: Bei einem Bruttogehalt von 9.000 Euro wächst das monatliche Minus auf 41,24 Euro – also rund 495 Euro im Jahr.

Familie: Trotz höherem Kindergeld weniger Geld

Auch Familien profitieren nicht automatisch von den geplanten Steuerentlastungen. Finanztip hat zusätzlich ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern betrachtet. Eine Person verdient monatlich 7.000 Euro brutto und wird nach Steuerklasse 3 besteuert, die andere 3.000 Euro brutto in Steuerklasse 5.

Zusammen spart das Paar 2027 monatlich 36,50 Euro Steuern. Gleichzeitig steigen die Sozialabgaben um 57,94 Euro. Dadurch sinkt das gemeinsame Nettogehalt um 21,44 Euro im Monat.

Das Kindergeld soll 2027 von 259 auf 267 Euro je Kind steigen. Für zwei Kinder würde die Familie somit 16 Euro mehr im Monat erhalten. Doch selbst dieses Plus reicht nicht aus, um das geringere Nettogehalt vollständig auszugleichen. Insgesamt würden der Familie monatlich 5,44 Euro weniger zur Verfügung stehen als 2026.

Das Minus liegt nicht allein an den höheren Sozialversicherungsbeiträgen sondern auch daran, dass die Bundesregierung als erste seit elf Jahren die kalte Progression nicht ausgleicht.

Beschäftigte können jetzt ihr Netto für 2027 prüfen

„Höheres Kindergeld bedeutet nicht automatisch, dass eine Familie insgesamt mehr Geld zur Verfügung hat. Steuern, Sozialabgaben und staatliche Leistungen müssen gemeinsam betrachtet werden”, sagt Jörg Leine. „Wer wissen möchte, was 2027 voraussichtlich auf dem Konto ankommt, kann das mit dem Brutto-Netto-Rechner von Finanztip durchspielen. Dabei lassen sich auch die passende Steuerklasse sowie der Zusatzbeitrag der Krankenkasse berücksichtigen.”

Methodik

Finanztip hat die voraussichtlichen monatlichen Nettogehälter für 2027 mit den Werten für 2026 verglichen. Dabei wurden für jeden Musterfall dasselbe Bruttogehalt für beide Jahre angesetzt. Für das Single-Rechenbeispiel wurde eine alleinstehende, kinderlose Person in Steuerklasse 1 ohne Kirchensteuer betrachtet. Für das Familien-Rechenbeispiel wurde ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern, monatlichen Bruttogehältern von 7.000 Euro (Steuerklasse 3) und 3.000 Euro (Steuerklasse 5) berechnet.

Grundlage sind die im Regierungsentwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 vorgesehenen steuerlichen Änderungen sowie die im Verordnungsentwurf des Bundesarbeitsministeriums genannten Sozialversicherungsrechengrößen für 2027. Für die gesetzliche Krankenversicherung wurde in beiden Jahren ein Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent angenommen. Die tatsächlichen Ergebnisse können je nach Krankenkasse abweichen. Da das Gesetzgebungs- und Verordnungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, können sich die zugrunde gelegten Werte noch ändern.

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Pressekontakt:
Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung
Hasenheide 54
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Telefon: 030 / 220 56 09 - 80
http://www.finanztip.de/presse/

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