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Schwäbische Zeitung: Innehalten und sammeln - Kommentar

Ravensburg (ots) - Meinungsforscher halten Andrea Nahles für das Wiederbelebungsprogramm der Liberalen schlechthin. Ein bisschen was ist dran. Denn wo ließe sich der Gegensatz zwischen Reglementierung und Freiheit deutlicher aufzeigen als zum Beispiel beim Mindestlohn? Doch genau hier steckt auch die größte Gefahr für die Liberalen. Einen mitfühlenden Liberalismus hatte Christian Lindner einst seiner Partei verordnet. Also einen, der auch auf die Ängste und Nöte der schlecht verdienenden Menschen schaut, die sich Mut manchmal weniger leisten können als andere. Die amtierende Bundesregierung beachtet diese Ängste, sie sorgt für Wohlfühlfaktoren. Doch führt das zu mehr Wohlstand?

Die Liberalen meinen Nein. Sie melden sich deshalb zurück auf ihrem alten Platz - mehr Freiheit, mehr Markt, weniger Steuern. Ihre Forderung, das Bildungssystem zu zentralisieren und zu verbessern, ist ebenso berechtigt wie der Ruf nach flexiblerem Renteneinstieg, mehr Bürgerrechten und höherem Datenschutz. Die Liberalen haben Chancen, hier wieder an Boden zu gewinnen. Zumal sie ihre Ziele demütiger als vor ihrem Absturz propagieren. Sie beschwören nicht nur ein neues Lebensgefühl, sie leben es derzeit auch.

Der Parteitag in Berlin war kein Siegesfeuer nach den gewonnenen Landtagswahlen in Hamburg und Bremen, sondern ein Innehalten und Vergewissern der Substanz. Es ging dabei genauso um Sachthemen wie um das Lebensgefühl. Die FDP widersteht auch in der Opposition billigem Populismus. Und sie zeigt sich derzeit mit einer für Liberale völlig ungewohnten Disziplin. Sie weiß, worum es geht.

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