DIE ZEIT

Politologe Bassam Tibi bekennt sich "voll zum Prinzip der Migration"

    Hamburg (ots) - Der von Spitzenpolitikern der Unionsparteien als
Urheber des Begriffs "deutsche Leitkultur" angeführte syrischstämmige
Politologe Bassam Tibi, der zuletzt im Nachrichtenmagazin Focus die
"zu Recht geäußerten Forderungen von Unions-Fraktionschef Friedrich
Merz" unterstützte, hat in früheren Veröffentlichungen Thesen
vertreten, die seinen jetzigen Äußerungen deutlich widersprechen. So
wandte er sich 1998 in seinem Buch "Europa ohne Identität?" strikt
gegen jede spezifisch deutsche Definition von "Leitkultur": "Die
deutsche Idee der Nation als exklusive Kulturnation entspricht nicht
den europäischen westlichen Werten, weil sie letztendlich ethnisch
oder exklusiv-kulturell bestimmt ist"", führte Tibi aus.
    
    Bassam Tibi, der sich dem Erbe der europäischen Aufklärung
verpflichtet sieht, legte ausdrücklich ein "Bekenntnis" zur
Einwanderungsgesellschaft ab: "Ich stehe voll hinter dem Konzept der
Migration und bin gegen alle Formen ethnisch, religiös, kulturell
oder politisch geschlossener Gesellschaften", schreibt er. "Dies ist
bedingt durch mein eigenes Dasein als ein Migrant, mit frei
erworbener deutscher Staatsangehörigkeit, semitisch-arabischer
Abstammung und sunnitisch-muslimischen Glaubens."
    
    
    
    PRESSE-Vorabmeldung aus der ZEIT Nr. 45/2000 mit Erstverkaufstag
    am Donnerstag, 02. November 2000 ist unter Quellen-Nennung  DIE
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