Deutsche Film- und Medienbewertung

HEIDI startet mit Prädikat "besonders wertvoll" in den Kinos/Außerdem empfiehlt die FBW MISTRESS AMERICA, DER KLEINE PRINZ und DIE KINDER DES FECHTERS

Wiesbaden (ots) - Johanna Spyris Geschichten von Heidi sind seit über einem Jahrhundert bei Jung und Alt beliebt, nicht zuletzt durch die vielfältigen Verfilmungen von Zeichentrick bis Realfilm. Nun bringt Regisseur Alain Gsponer mit HEIDI (Start: 10. Dezember) die neueste Verfilmung in die deutschen Kinos. Als kleines Mädchen wird Heidi von ihrer Tante Dete bei ihrem kauzigen Großvater, dem Almöhi, abgegeben. Nur ganz langsam erwirbt sie das Vertrauen des wortkargen Eigenbrötlers, der ihrem kindlichen Charme nicht widerstehen kann. "Diese Neuverfilmung zeigt gleichsam die prächtige Almwelt mit herrlichen Naturaufnahmen wie die sozialen Realitäten in der zu Zeiten der Industrialisierung weitenteils verarmten Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts. HEIDI ist ein Film für die ganze Familie, in dem für Kinder wie für Erwachsene viel geboten wird und über den man sich erfreuen kann." Die fünfköpfige FBW-Jury vergab das höchste Prädikat "besonders wertvoll". Auch die Jugend Filmjury zeichnete den Film mit fünf Sternen aus.

Noah Baumbachs neuer Film MISTRESS AMERICA (Start: 10. Dezember) erzählt die Geschichte der 18-jährigen Tracy, die gerade am Anfang ihres Studiums in New York steht. Sie fühlt sich allein und zu keiner Gruppe wirklich zugehörig - bis sie auf Brooke trifft, ihre Stiefschwester in spe. Die Begegnung mit der 30-jährigen, die sich als unabhängiger Freigeist in der großen Stadt behauptet, nimmt großen Einfluss auf Tracy. Und inspiriert sie dazu, ihre eigenen Ideen zu verfolgen. Baumbach erzählt seine liebenswerte Indie-Komödie mit einer großen Portion Charme. Die Expertenrunde der FBW lobte in ihrem Gutachten Kamera, Spiel und Ausstattung des Films, der mit Leichtigkeit von den ganz normalen und dennoch existenziellen Problemen ganz normaler Leute erzählt. In ihrer Begründung für das Prädikat "besonders wertvoll" kommt sie zu dem Schluss: "Bei MISTRESS AMERICA kann man schmunzeln, laut lachen, bedauern und sich freuen."

In der kommenden Woche startet die estnisch-finnische Koproduktion DIE KINDER DES FECHTERS (Start: 17. Dezember) in den deutschen Kinos. Das Drama von Klaus Härö basiert auf der Lebensgeschichte des Esten Endel Nelis und erzählt die Geschichte eines Sportlehrers, der sich im Jahr 1952, auf der Flucht vor Stalin, in einem kleinen Dorf in Estland eine Stelle annimmt und dort seine wahre Berufung findet: Er gründet für die Kinder einen Fechtclub und lernt durch deren Begeisterung auch selbst das Leben wieder lieben. Für die FBW ist DIE KINDER DES FECHTERS ein Film, der "berührt, beeindruckt und nachdenklich stimmt." Sie vergab das höchste Prädikat "besonders wertvoll". Auch die Jugend Filmjury der FBW zeichnete den Film mit fünf Sternen aus und schreibt in ihrer Begründung: "Das Thema des Films ist sehr tiefgründig und ernst und regt zum Nachdenken an. Obwohl der Film an einigen Stellen so traurig ist, dass einem sogar die Tränen kommen können, ist er vor allem sehr schön."

Mehr Informationen zu aktuellen und kommenden FBW-Empfehlungen unter www.fbw-filmbewertung.com.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zeichnet herausragende Filme mit den Prädikaten wertvoll und besonders wertvoll aus. Über die Auszeichnungen entscheiden unabhängige Jurys mit jeweils fünf Filmexperten aus ganz Deutschland. Die FBW bewertet die Filme innerhalb ihres jeweiligen Genres.

Prädikatsfilme vom 10. bis 17. Dezember 2015

Heidi

Familienfilm, Spielfilm. Deutschland, Schweiz 2015.

Heidi weiß nicht genau, was sie erwartet, als ihre Tante sie auf eine Schweizer Alm zu ihrem Großvater, dem Alm-Öhi bringt. Der alte Mann schaut immer so mürrisch drein und außerdem scheint er so gar keine Lust zu haben, sich um ein kleines Mädchen zu kümmern. Doch nach und nach taut der grummelige Einsiedler auf und kann dem Liebreiz der Kleinen nicht länger widerstehen. So verbringen Heidi und ihr Großvater eine wundervolle gemeinsame Zeit in den Bergen, zusammen mit Peter, dem Geißenhirt und natürlich den vielen Tieren, die es auf der Alm gibt. Eines Tages kommt Heidis Tante überraschend wieder und nimmt das Kind mit nach Frankfurt, wo Heidi einem gleichaltrigen kranken Mädchen namens Klara Gesellschaft leisten soll. Doch wie soll Heidi sich jemals in einer so großen kalten Stadt mit so vielen Häusern zu Hause fühlen, wo sie doch nicht einmal mehr vom höchsten Turm aus die Berge sehen kann? Johanna Spyri veröffentlichte ihre Romane rund um Heidi im Jahr 1880. Bis heute gibt es unzählige Adaptionen: Filme, Zeichentrickserien, Hörspiele. Mit seiner Real-Neuverfilmung beweist Regisseur Alain Gsponer, dass Heidi als Figur und als Geschichte auch heute noch generationsübergreifend begeistern kann. Man merkt in jeder Szene die Sorgfalt, mit der die Geschichte auf die Leinwand transportiert wurde. Ausstattung, Kostümbild, die Wahl der Handlungsorte - all das ist liebevoll erdacht und umgesetzt. Auch die Schauspieler überzeugen. Bruno Ganz als Alm-Öhi ist ideal besetzt. Sehr überzeugend sein stetiges Grummeln und das Spiel mit den Augenbrauen. Doch all das kann nicht verbergen, wieviel Großherzigkeit und Sanftmut in der Figur schlummern. Peter Lohmeyer als Hausdiener Sebastian, Jella Haase als Dienstmädchen Tinette und Katharina Schüttler als legendäres Fräulein Rottenmeier sorgen für den nötigen Humor, und Hannelore Hoger ist die ehrwürdige, elegante und doch sehr liebevoll umsorgende Großmutter. Der Star des Films ist jedoch Anuk Steffen als Heidi. Von der ersten Minute an bezaubert ihr entwaffnend offener Blick aus großen Augen den Zuschauer. Selbstbewusst und abenteuerlustig erobert sie so nicht nur das Herz des sturen alten Alm-Öhis. Vor allem das Zusammenspiel mit Quirin Agrippi als Geißen-Peter ist in seiner Natürlichkeit vollkommen authentisch. Die wunderschönen Aufnahmen der Schweizer Alpen tun ihr Übriges, um dem Film eine nostalgische und sehnsuchtsvolle Stimmung zu verleihen und den Zuschauer in Heidis Welt zu entführen. Als Geschichte ist die Erzählung zeitlos gut. Als Neuverfilmung ist Alain Gsponers HEIDI rundum gelungen, charmant und die perfekte Kino-Unterhaltung für die ganze Familie.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/heidi_3 http://www.jugend-filmjury.com/film/heidi

Mistress America

Tragikomödie, Spielfilm. USA 2015.

Tracy ist 18 Jahre alt und hat gerade angefangen, in New York zu studieren. Auf dem Campus, unter all den Hipstern und den Möchtegern-Intellektuellen, fühlt sie sich allein, und selbst der einzig coole Junge, mit dem sie sich anfreundet, nimmt sich lieber ein besitzergreifendes Mädchen als Freundin. Eigentlich ein gründlicher Fehlstart ins Erwachsenleben. Doch eines Tages trifft Tracy auf Brooke, ihre Stiefschwester in spe. Brooke wohnt schon länger in New York, ist Anfang 30, ein unabhängiger Geist und Wirbelwind. Tracy ist sofort begeistert von dieser Frau, die alles das verkörpert, was sie selbst gerne wäre. Stark, unabhängig, begehrt. Doch auch Brooke hat Probleme. Probleme, die zum Erwachsensein einfach dazugehören. Und die Tracy dazu inspirieren, ihre eigenen Ideen zu verfolgen. Noah Baumbachs neuer Film MISTRESS AMERICA sprüht nur so vor Charme und Liebenswürdigkeit. Das liegt zum einen an den herrlich leichten Dialogen, die ganz unprätenziös daherkommen und dennoch mit präzisem Sinn für Timing ausgearbeitet sind. Und zum anderen am Ensemble, angeführt von Lola Kirke, die als Tracy eine unverbrauchte filmische Entdeckung darstellt, und Greta Gerwig, die als fragile Lebenskünstlerin Brooke das Licht ist, um das alle anderen Figuren kreisen. Dabei gelingt es dem Film ganz spielerisch, nicht nur die positiven Seiten eines unabhängigen Lebensstils zu zeigen, sondern auch die problematischen Klippen, die es dabei zu umschiffen gilt. Die Generation junger Leute, die motivationslos nach einem Anker sucht, und die Generation der Anfang Dreißiger, die versucht, aus den vielen gebotenen Möglichkeiten einen Lebensweg zu basteln - beide Seiten werden abgebildet, nichts an der Geschichte wirkt behauptet. Der Soundtrack ist ebenso gutgelaunt Indie wie seine Protagonisten, die Kulisse von New York als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten sowie die Vorstadt als Inbegriff von Geld und Langeweile unterstreichen die Konflikte der Figuren. MISTRESS AMERICA ist eine äußerst gelungene filmische Verbindung zweier Welten: Ein herrlich leichter Unterhaltungsfilm, der dennoch Tiefgang besitzt.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/mistress_america

Die Kinder des Fechters

Spielfilm. Deutschland, Estland, Finnland 2014.

Estland, 1953. Das stalinistische System steht kurz vor seinem Zusammenbruch. Der Fechter Endel kommt in ein kleines, verschlafenes Städtchen am Meer, auf der Flucht vor den Schergen der russischen Polizei aus Leningrad, heute Sankt Petersburg. Die Stelle an der örtlichen Schule langweilt ihn, die konservativen Strukturen stoßen ihn vor den Kopf. Dann beginnt er, auch auf Wunsch seiner Schülerin Martha, einen Fechtclub anzubieten. Als er seinen autoritären Lehrstil ablegt und für die Schüler, vor allem für Martha und ihren Mitschüler Jaan, zu einer Art Vaterersatz wird, beginnt er sein neues Leben wertzuschätzen. Er lernt Kadri kennen, verliebt sich in sie und es scheint, als könnte er seiner Vergangenheit entfliehen. Bis der Fechtclub zu einem Turnier nach Leningrad fährt und Endel die Gefahr, in die er sich damit begibt, unterschätzt. Klaus Härös auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte über das Suchen nach einer Identität und die Flucht vor den eigenen Dämonen ist ein mehr als sehenswertes Filmdrama. Getragen vom grandiosen Schauspiel Märt Avandis, der seinem Endel eine beeindruckende Menschlichkeit und Authentizität verleiht, zeigt der Film ebenfalls die Zustände am Ende der stalinistischen Gewaltherrschaft. Die Kinderdarsteller Liisa Koppel (Martha) und Joonas Koff (Jaan) bilden einen brillanten Gegenpol zu dem aus der Großstadt kommenden Endel. Sie schaffen es, eine Wahrhaftigkeit in die Geschichte zu bringen, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Die ruhige Kameraführung und der unaufdringliche Score tragen ihr Übriges zu einem rundum positiven Gesamteindruck bei. DIE KINDER DES FECHTERS arbeitet ein wichtiges Stück Zeitgeschichte auf, ohne dabei in den Historienkitsch oder die Belehrung abzurutschen. Ein Film, der berührt, beeindruckt und nachdenklich stimmt.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/die_kinder_des_fechters http://www.jugend-filmjury.com/film/die_kinder_des_fechters

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