Bundesärztekammer

Gen-Patente behindern medizinische Forschung

    Berlin/Köln (ots) - "Das Wissen um die menschliche Anatomie und
das Genom des Menschen sind Allgemeingut und keine Handelsware.
Deshalb wenden wir uns gegen jeden Versuch, menschliche Gene oder
Gensequenzen zu patentieren", erklärte heute
Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Die
Entscheidung des Europäischen Patentamtes, das Brustkrebs-Gen 1
(BRCA1) patentrechtlich zu schützen, dürfe keinen Bestand haben. "Wir
hoffen, dass der heutige Einspruch von Greenpeace und über 1000
Personen gegen dieses Patent Erfolg hat und die Patenterteilung
widerrufen wird", sagte Hoppe. Es müsse Klarheit darüber bestehen,
dass lediglich für Verfahren und einzelne Verfahrensschritte zur
Herstellung gentechnisch veränderter Medikamente Verwertungsrechte
geltend gemacht werden können. "Menschliche Gene oder Gensequenzen
dagegen sind keine Erfindungen, sondern Erkenntnisse über natürliche
Gegebenheiten, die sich einer Patentierung entziehen sollten", so der
Ärztepräsident.
    
    Die Bundesärztekammer, Deutsche Ärztetage, der Ständige Ausschuss
der Europäischen Ärzte wie auch der Weltärztebund haben immer wieder
betont, dass das Genom des Menschen zum gemeinsamen Erbe aller
Menschen gehört und nicht kommerzialisiert werden darf. Gefahren
bestehen vor allem für die Transparenz der medizinischen Forschung.
"Es ist zu befürchten, dass Forschungsergebnisse - in Erwartung einer
Patenterteilung - nicht schnell und offen genug kommuniziert werden
und in der Folge dadurch Experimente am Menschen und an Tieren
unnötig wiederholt werden oder gar Warnungen vor gefährlichen
Praktiken aus kommerziellen Gründen unterbleiben", sagte Hoppe.
    
    
    
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