Bundesärztekammer

Hoppe: Arztberuf muss wieder Berufung werden
104. Deutscher Ärztetag in Ludwigshafen eröffnet

    Ludwigshafen (ots) - "Nach der Reform ist vor der Reform! Deshalb
begrüßen wir ausdrücklich das Bemühen von Bundesgesundheitsministerin
Schmidt, nach neuen Lösungen zu suchen und die Beteiligten des
Gesundheitswesens dabei mit einzubeziehen", sagte
Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe zur
Eröffnung des 104. Deutschen Ärztetages in Ludwigshafen. Das
Gesundheitswesen brauche weitere und vor allem nachhaltige Reformen.
"Solche Reformen müssen den Anforderungen einer angemessenen
Patientenversorgung und den Notwendigkeiten einer modernen Medizin
entsprechen. Wir müssen die Rahmenbedingungen ärztlicher
Berufsausübung so gestalten damit der Beruf wieder Berufung sein
kann!", forderte Hoppe.
    
    Bei der Reform des Gesundheitswesens könne man sicher auch aus der
Diskussion um die Rentenversicherung lernen. Wie bei der
Altersversicherung hätten sich bei der Gesundheitsversorgung die
volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen
grundsätzlich geändert. Altersentwicklung, Leistungsfähigkeit der
Medizin, Veränderungen der Einkommensstrukturen und entwickeltes
Anspruchsdenken der Versicherten machten ein unvoreingenommenes
Nachdenken über die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung
notwendig. "Grundlage muss auch nach unserer Auffassung weiterhin der
Solidargedanke sein. Allerdings muss das Verhältnis von Solidarität
Subsidiarität und Eigenverantwortung neu austariert werden.
Solidarität bedeutet: Einen Beitrag nach Leistungsfähigkeit zu geben,
die Gemeinschaft nur nach Bedarf zu belasten", sagte Hoppe.
    
    Dementsprechend müsste die unsolidarische Entwicklung der Beiträge
korrigiert werden. "Die ausschließliche Anbindung der
Krankenversicherungsbeiträge an die Lohneinkommen ist nicht mehr
gerecht", sagte Hoppe an Bundesgesundheitsministerin Schmidt
gerichtet.
    
    In der Relation zu anderen Einkommen sei der Anteil des
Lohneinkommens in den letzten Jahren stark gesunken. Das bedeute,
dass immer weniger Personen die Lasten der Gesetzlichen
Krankenversicherung auf ihren Schultern tragen. Hinzu komme die
enorme Belastung der GKV durch versicherungsfremde Leistungen, die
entweder über Steuern finanziert werden müssten oder in die
Eigenverantwortung der Versicherten gehörten. "Deshalb ist Diskussion
um Leistungsumfang der GKV dringend notwendig. Längst sind die
Menschen erwachsen genug mit zu bestimmen, wie weit und wie intensiv
der Versicherungsschutz über das Notwendige hinausgehen soll", sagte
der Ärztepräsident.
    
    PID: Gesetzgeber soll Klärung der Rechtslage herbeiführen
    
    Hoppe nahm auch zur aktuellen Debatte um die Zulässigkeit
genetischer Tests an Embryonen Stellung. "Momentan haben wir eine
völlig inkonsistente Rechtslage, die auch der Verfassung nicht
entsprechen kann. Deshalb appellieren wir dringend an den
Gesetzgeber, eine Klärung der Rechtslage herbeizuführen und für den
Fall einer Zulassung der PID weitere Kriterien einer restriktiven
Handhabung mitzugestalten", sagte Hoppe. Ungeklärt sei momentan auch,
warum ein künstlich gezeugter Embryo im Reagenzglas nicht untersucht
werden dürfe, während dies bei einem Embryo im Mutterleib legal sei.
Außerdem müsse Klarheit darüber bestehen, ob sich die Möglichkeit
eines Spätschwangerschaftsabbruchs nach Pränataldiagnostik mit einem
Verbot der PID widerspruchsfrei vereinbaren lasse.
    
    "Durch ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik allein ist die
Welt nicht in Ordnung zu bringen. Die Problematik ist komplexer und
sollte nicht simplifiziert diskutiert werden. Ich mahne aber
zugleich, dass wir dann die PID unter strikter Kontrolle halten
müssen, damit nicht Antworten gesucht werden auf Fragen, die wir
nicht stellen wollen. Dann nämlich wäre PID tatsächlich der erste
Schritt in Richtung Selektion", sagte Hoppe.
    
    
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