Bundesärztekammer

Ärztetag beendet: Zusammenfassung
Ärzte fordern gesicherten Aufenthalt für Folteropfer

    Köln (ots) - Der Deutsche Ärztetag verurteilt die Abschiebung
kranker und behandlungsbedürftiger Opfer von Folterungen. Die
Flüchtlinge sollten einen gesicherten Aufenthaltsstatus erhalten,
solange ärztliche Gutachten zeigten, dass sie wegen der erlittenen
Folter und Verfolgung behandlungsbedürftig seien. Die Begutachtung
müsse - so die Forderung des Ärzteparlaments - von unabhängigen
Ärzten vorgenommen werden, die mit so genannten posttraumatischen
Belastungsstörungen nachweisbar vertraut seien: Schließlich komme es
immer wieder vor, dass Flüchtlinge abgeschoben würden, deren
Behandlungsbedürftigkeit nicht erkannt worden sei. Zugleich
verurteilte der Deutsche Ärztetag Prozesse gegen Ärzte im Ausland,
die nichts anderes täten, als Opfer von Folterungen zu behandeln.
    
    Freizeitlärm: Pegelbegrenzungen gesetzlich durchsetzen
    
    Der Ärztetag fordert die Spielzeughersteller, die
Elektronikindustrie und das Gastgewerbe auf, durch freiwillige
Lärmpegelbegrenzungen den Freizeitlärm zu reduzieren. Die Betroffenen
und Verantwortlichen einer in der Freizeit erworbenen Gehörschädigung
müssten über die Folgen aufgeklärt werden. Solange derartige Schritte
nicht nachhaltig greifen, fordern die Delegierten den Gesetzgeber
auf, Lärmpegelbegrenzungen in der Freizeit gesetzlich durchzusetzen.
Zur Begründung führte das Ärzteparlament an, dass in Deutschland ca.
16 Millionen Menschen an massiven Hörstörungen leiden; jeder vierte
Jugendliche sei schwerhörig. Wissenschaftler schätzen, dass ein
Drittel der Jugendlichen mit spätestens 50 Jahren auf Grund von
Freizeitlärm ein Hörgerät benötigen wird.  Wesentliche Ursache der
Hörschädigungen sind die Benutzung von sehr lautem Kinderspielzeug,
Feuerwerkskörpern und tragbaren Musikabspielgeräten sowie
Diskothekenlärm und überlaute Musik-Großveranstaltungen.
    
    Ernährungsstörungen verursachen Kosten in mehrfacher
Milliardenhöhe
    
    Die Ärzteschaft zeigt sich besorgt darüber, dass trotz
vielfältiger Bemühungen ernährungsabhängige chronische Krankheiten
nach wie vor in der Bevölkerung weit verbreitet sind. So seien
beispielsweise 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig.
Maßnahmen zur Verhütung einer solchen krankhaften Übergewichtigkeit
(Adipositas) würden aber nicht ausreichend unterstützt. Dabei sei
Ernährungsmedizin in hohem Maße wirkungsvoll, bereits 2000 Ärzte
hätten sich in diesem Bereich bereits fortgebildet, heißt es in einer
Entschließung des Deutschen Ärztetages. Die Delegierten fordern daher
die für die ambulante und stationäre Versorgung verantwortlichen
Vertragspartner auf, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass
medizinischer Sachverstand effizient eingesetzt und adäquat vergütet
wird. In Deutschland lägen die Kosten für ernährungsabhängige
Krankheiten und krankheitsbedingte Ernährungs-störungen bei ca. 83,5
Milliarden DM, schätzt der Ärztetag.
    
    Unterbindung der Ausbeutung von jungen Krankenhausärzten
    
    Grobe Verstöße gegen das schon seit 1996 geltende
Arbeitszeitgesetz in den Krankenhäusern sind nach wie vor an der
Tagesordnung. Das hat der Ärztetag kritisiert und Krankenhausträger,
Verwaltungsdirektoren, Chefärzte sowie auch die Aufsichtsbehörden der
Länder aufgefordert, die Ausbeutung insbesondere junger angestellter
Ärztinnen und Ärzte zu unterbinden. Die Situation der jüngeren Ärzte
in den Krankenhäusern sei bedrückend und nicht mehr tolerabel.
Willkürlich befristete Arbeitsverträge, Erfüllung von
Weiterbildungsleistungen außerhalb der regulären Arbeitszeit und eine
Reduzierung der Arztstellen auf Grund der Budgetierung führten bei
vielen Ärztinnen und Ärzten zu einer unerträglichen Arbeitsbelastung
sowie zahllosen unbezahlten Überstunden. Deshalb bedürfe es der
Intervention der verantwortlichen Stellen, diese unhaltbaren Zustände
zu ändern, die nicht nur das Berufs- sondern auch das Familienleben
stark belasten, so die Delegierten.
    
    Einführung eines kompletten Fallpauschalen-Systems in
Krankenhäusern
    
    Der Ärztetag appelliert an die gesetzlichen Krankenkassen, die
Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Privaten Krankenversicherer
bei der Grundsatzentscheidung über ein neues pauschalierendes
Vergütungssystem in den Krankenhäusern sicherzustellen, dass ein
solches Entgeltsystem
    
    - eine leistungsgerechte Vergütung der Krankenhausleistung auf der
Grundlage einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation gewährleistet,
    
    - unter der stringenten sektoralen Budgetierung nicht als
Budget-Verteilungsinstrument missbraucht wird und
    
    - in ausreichendem Maße individuelle Leistungskomponenten der
Krankenhäuser vorsieht.
    
    Die Bundesärztekammer müsse baldmöglichst in die bis zum 30. Juni
2000 zu treffende Entscheidung über die Grundstrukturen des
Fallpauschalen-Systems eingebunden werden, fordert das
Ärzteparlament.
    
    Verstärkte Einführung von Arbeitszeitmodellen in Krankenhäusern
    
    Die Delegierten des 103. Deutschen Ärztetages in Köln haben sich
dafür ausgesprochen, verstärkt differenzierende Arbeitszeitmodelle in
den Abteilungen der Krankenhäuser einzuführen. "Beispiele belegen,
dass Teilzeitarbeit praktikabel und effektiv ist und weder zu einer
relevanten Kostensteigerung noch zu einem verminderten Arbeitseinsatz
führt", heißt es in einem Beschluss der Delegierten.
    
    Angleichung der Vergütung in den neuen Bundesländern
    
    Die Leistungen der ostdeutschen Ärzte sind nicht geringer zu
bewerten als die Leistungen anderer Beratungsberufe. Trotzdem müssen
die ostdeutschen Ärzte einen Abschlag von 14 Prozent gegenüber ihren
westdeutschen Kollegen hinnehmen. Zehn Jahre nach der
Wiedervereinigung sei dieser Vergütungsabschlag-Ost nach der
Gebührenordnung für Ärzte endlich zu beseitigen und die eklatante
Diskriminierung ostdeutscher Ärzte zu beenden, fordert der Ärztetag.
    
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