Bundesärztekammer

"Gene nicht zu kommerziellen Zwecken missbrauchen" - Weltärztebund befürchtet Beschränkungen im Wissenstransfer

Köln (ots) - Die Pläne der Bundesregierung, Patente auf isolierte Bestandteile des menschlichen Körpers wie beispielsweise Zellen und Organe zuzulassen, sind in der deutschen Ärzteschaft auf Kritik gestoßen. Zwar würde durch die vorgesehene Umsetzung der "EU-Richtlinie über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen" die Keimbahnmanipulation als nicht patentfähig ausgeschlossen, doch bleibe offen, ob damit eine saubere Beschränkung der Patentanwendung gelingen könne. "Zudem darf die Information über das menschliche Genom insgesamt nicht zu kommerziellen Zwecken missbraucht werden, sondern muss Erbe der gesamten Menschheit sein", sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe auf dem 103. Deutschen Ärztetag in Köln. Die Patentierung menschlicher Gene oder Gensequenzen gefährde die Transparenz medizinischer Forschung: Es sei zu befürchten, dass Forschungsergebnisse - in Erwartung einer Patenterteilung - nicht schnell und offen genug kommuniziert und dadurch Experimente am Menschen unnötig wiederholt werden. Auch könnten Warnungen vor gefährlichen Praktiken aus kommerziellen Gründen unterbleiben. Die deutsche Ärzteschaft steht mit ihrer Kritik nicht allein. Auch der Weltärztebund (World Medical Association) hat jetzt seine Ablehnung gegen die Patentierung des menschlichen Genoms noch einmal bekräftigt: Gene von Menschen müssten als das gemeinsame Erbe aller Menschen angesehen werden und sollten deshalb zum Wohle der Weltbevölkerung allen Forschern und Wissenschaftlern offenstehen. "Es gibt eine zunehmende Alarmstimmung unter Ärzten hinsichtlich der Patentierung des menschlichen Genoms. Wir befürchten mögliche Beschränkungen bei neuen Behandlungen und einen eingeschränkten Wissenstransfer. Der Weltärztebund appelliert deshalb an seine nationalen Mitgliedsorganisationen, auf ihre Regierungen einzuwirken, damit dies verhindert wird", sagte Dr. Anders Milton, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes. Der Weltärztebund ist ein unabhängiger Zusammenschluß nationaler Ärzteverbände aus 70 Ländern; er vertritt mehr als acht Millionen Ärzte. Bereits der 94. Deutsche Ärztetag 1991 appellierte an die damalige Bundesregierung, darauf hinzuwirken, dass nicht nur die Patentierbarkeit von menschlichen Genen abgelehnt wird, sondern auch Erfindungen ausgeschlossen werden, die gegen die Menschenwürde, die öffentliche Ordnung und die guten Sitten verstoßen. ots Originaltext: Bundesärztkammer Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Pressekontakt: Rückfragen bitte an die Pressestelle der deutschen Ärzteschaft, Tel: 0221-8213601 (während des 103. Deutschen Ärztetages vom 9. bis 12. Mai 2000) Original-Content von: Bundesärztekammer, übermittelt durch news aktuell

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