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Vor dem Krisengipfel: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind zu Zugeständnissen bereit

Frankfurt am Main (ots) - PwC-Umfrage vor der Kanzlerrunde: Politik ist in der Pflicht - Unternehmer wollen Bürokratieabbau und keinen Lohnverzicht / Arbeitnehmer sind zu Nullrunde bereit / Mehrwertsteuererhöhung wird erwartet

Am 2. Dezember ist es soweit: Kanzlerin Angela Merkel lädt Vertreter von Unternehmen und Gewerkschaften zum Krisengipfel. Welche Erwartungen haben deutsche Topentscheider und Arbeitnehmervertreter an die Gipfelrunde? Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat beide Seiten unabhängig voneinander repräsentativ befragt. Überraschendes Ergebnis: Unternehmensvertreter und Arbeitnehmer sind zu weitgehenden Zugeständnissen bereit, wenn es um einen eigenen Beitrag zur Ankurbelung der Konjunktur geht. So hält nur jeder fünfter Unternehmer zur Steigerung des Wachstums einen Lohnverzicht der Belegschaften für notwendig. Auch die von politischen Kreisen immer wieder ins Gespräch gebrachte Aufweichung des Kündigungsschutzes ist aus Unternehmersicht nicht der wichtigste Ansatzpunkt. Nur 41 Prozent der Befragten sehen hier Handlungsbedarf. Als entscheidende Maßnahmen für mehr Wachstum werden vielmehr Bürokratieabbau (95 Prozent), Senkung der Lohnnebenkosten (89 Prozent) und die Vereinfachung des Steuersystems (85 Prozent) angesehen.

Norbert Winkeljohann, PwC-Vorstand, betont: "Die Politik ist klar in der Pflicht. Sie muss die Rahmenbedingungen für mehr Wachstum schaffen. Die Ergebnisse der Umfrage belegen zudem, dass die Unternehmen zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehen. Die Gehälter der Mitarbeiter und bestehende Regelungen werden kaum in Frage gestellt - quer durch alle Unternehmensgrößen."

Freiwilliger Verzicht auf Sonderzahlungen

Die moderate Haltung der Arbeitgeberseite spiegelt sich auch auf der Arbeitnehmerseite wider. Neben 314 repräsentativ befragten Topentscheidern wurden 1.071 Arbeitnehmer gefragt, ob sie bereit seien, Zugeständnisse zu machen und Opfer zu bringen, um Wirtschaftswachstum entstehen zu lassen. Hier antworteten 56 Prozent, dass sie binnen der nächsten beiden Jahre bei den Lohnverhandlungen mit einer Nullrunde einverstanden wären. Mehr als jeder Zweite würde sogar freiwillig auf Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld verzichten, um seinen Teil zum Aufschwung beizutragen. Deutlichere Vorbehalte haben Arbeitnehmer, wenn es um eine Arbeitszeitverkürzung gegen Lohnverzicht geht. Dies können sich nur 46 Prozent vorstellen.

Mehrwertsteuererhöhung erwartet

Beim Thema Steuern hat die neue Regierung bei den Unternehmensvertretern positive Erwartungen geweckt. Im Gegensatz zu einer Vergleichsumfrage vor der Wahl erhoffen sich nun 33 Prozent der Befragten (im August nur 8 Prozent) eine Absenkung der steuerlichen Belastung, nur noch jeder Vierte erwartet die Erhöhung des Spitzensteuersatzes (im August jeder zweite). Ganz anders sieht es bei der Mehrwertsteuer aus. Bei zwei von drei Entscheidern verdichtet sich der Verdacht, dass es in dieser Legislaturperiode zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer kommt. Mit der Einführung des Stufenmodells bei der Einkommenssteuer rechnet jeder Zweite.

Keine großen Unterschiede gibt es in der Beurteilung der Regierungskoalition zwischen Entscheidern und Arbeitnehmern nach zwei Monaten im Amt. 42 Prozent der Führungskräfte und 38 Prozent der Arbeitnehmer schätzen den Start der Bundesregierung positiv ein. Winkeljohann: "Diese positive Einschätzung verwundert, da aus beiden Lagern fast jeder Zweite davon ausgeht, dass sich im Vergleich zur Großen Koalition durch die neue Regierung kaum Veränderungen ergeben werden." 44 Prozent der Arbeitnehmer sehen den Start der Regierung als negativ, besonders Menschen aus Nordrhein-Westfalen und die Generation 50plus. Sehr positiv fällt das Urteil in Baden-Württemberg und Bayern aus, am kritischsten sind die Befragten in Berlin: 63 gaben ein negatives Urteil ab.

Regierung eher unternehmerfreundlich

Die Arbeitnehmer haben mehrheitlich den Eindruck, dass die neue Regierungskoalition eher die Interessen der Arbeitgeber vertritt. Mit 37 Prozent meint ein Großteil der befragten Arbeitnehmer aus der bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe, dass die Interessen beider Seiten gleichermaßen von der Regierung wahrgenommen werden. Nur eine Minderheit geht davon aus, dass von der neuen Regierung eher Arbeitnehmerinteressen vertreten werden (jeder Zwanzigste).

Auch die Unternehmensvertreter sind im Wesentlichen der Ansicht, dass die Arbeitnehmerinteressen bei der neuen Regierung nicht im Mittelpunkt der Politik stehen. Die überwältigende Mehrheit dieser Gruppe hat den Eindruck, dass die Interessen beider Seiten gleichermaßen wahrgenommen werden. Fast jeder Dritte meint, dass die neue Koalition eher Arbeitgeberinteressen vertritt.

Pressekontakt:

Karim Schäfer
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