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General-Anzeiger: zu Lena

Bonn (ots) - Tja, Nicole, das war's dann wohl: Nach 28 Jahren löst mit Lena Meyer-Landrut eine 19-jährige Abiturientin die historische Grand-Prix-Heroin des Jahres 1982 ab, die mit "Ein bisschen Frieden" zuvor die einzige deutsche Siegerin bei der Europameisterschaft im Sängerstreit war. So gab es denn auch gestern eine Rückkehr historischen Ausmaßes: Sondermaschine, Empfang durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten am Flughafen Hannover.  Sind wir denn alle übergeschnappt? Und wenn schon. Schlechte Nachrichten gibt es zurzeit die Menge. Da darf man sich ja wohl mal ganz einfach entspannen und freuen wollen. Und Lena macht es einem leicht. Die junge Frau ist eben nicht nur ein Produkt perfekten Managements, das mit Stefan Raab und all seiner Erfahrung natürlich hinter ihr steht, nachdem es dem Macher geradezu vom Casting-Himmel vor die Füße gefallen ist. Lena ist auch die Tochter, die wohl alle Eltern gern hätten. Selbstbewusst, schlau, natürlich, nicht zu frech, hübsch obendrein. Und der Kumpeltyp, den alle ihrer Generation mögen. Nicht zuletzt, weil sie mit ihrer grundsympathischen Art nicht automatisch Neider herausfordert. Ihr ungekünsteltes Auftreten, das stammelnde Überraschung kennt, und ihr Festhalten an Privatheit unterscheidet Lena wohltuend von den Massenvergnügungswaffen, die in anderen Castingschmieden mit Skandalösem aufmunitioniert werden und im Kampf um die schnelle Quote in Schall und Rauch aufgehen. Lena für alle.  Das zeigt auch die Quote: Die war WM-tauglich. Da schaffte Lena, was nahezu unmöglich schien: 14,69 Millionen Zuschauer in Deutschland, darunter 8,31 Millionen aus der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. 49,1 Prozent insgesamt, also etwa die Hälfte des Fernsehvolkes mal wiedervereint. Doppelt so viele Fans wie zuletzt, als es allerdings wenig zu hoffen und noch weniger zu feiern gab.  Das gebannte Publikum sah dabei in der Ahnung des Triumphes in Oslo großzügig darüber hinweg, dass es neben neunmal zwölf und fünfmal zehn Punkten auch Länder gab, in denen nichts zu ernten war. In Israel etwa, dessen starke Übersiedlergemeinden Russland und Aserbaidschan mit ihren Punkten bedachten. Und dass andere Länder sich traditionell ihrer Sympathie mit entsprechenden Wertungen versicherten: geschenkt. Lena hat auch so europaweit gewonnen. Wohl auch, weil sie auf Pauken und Trompeten, Feuerwerk und Windspiele auf der Bühne verzichtete. Echtheit ist gefragt in Zeiten, in denen vieles andere sich als Kulisse entpuppt. Und ein Lied, das einfach gute Laune macht, sofern man sich noch nicht daran überhört hat.  Nun also geht der Traum von Lena Meyer-Landrut weiter. Vermutlich auch international. Mit ein bisschen Frieden wird es für sie so bald wohl nichts.

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