WDR Westdeutscher Rundfunk

Das Erste, Mittwoch, 26. Juni 2002, 23.30 - 0.15 Uhr
Kurt Masur - Politiker wider Willen
Portrait zum 75. Geburtstag des Dirigenten

Köln (ots) - Von Tilman Jens Die Geburtstagsfeiern für Kurt Masur, der am 18. Juli 75 Jahre alt wird, sind eines Stars würdig. In New York, wo seine Amtszeit als Chef der Philharmoniker - er ist der erste Deutsche auf diesem Posten - nach 10 Jahren zu Ende geht, steht seine letzte Saison insgesamt unter dem Motto "Thank You, Kurt Masur". Im unmittelbaren Anschluss an die Danksagungssaison gibt es dann ein dreiwöchiges Geburtstagsfestival mit Uraufführungen, konzertanten Opern und dem Wiedersehen mit Interpreten der Spitzenklasse. Das Portrait von Tilman Jens, gedreht in New York, Leipzig, Paris, Athen und in Masurs Schlesischer Heimat, stellt seine politische Rolle in den Vordergrund. Als Chef des Gewandhauses, das der DDR zu Ansehen als Kulturnation und auch zu Devisen verhalf, war er nicht nur ein Star der klassischen Musik, sondern auch ein Politikum: Ein mutiger Musiker, der tätige Solidarität mit verfolgten Kollegen, mit der Cellistin Natascha Gutman, dem Geiger Gidon Kremer oder dem Komponisten Alfred Schnittke bewies. Er war der gefeierte Bürgerrechtler des Jahres 1989, aber auch ein Mann, der sich zu arrangieren verstand und sich bei der Neueröffnung des Gewandhauses 1981 strahlend lächelnd mit der Staatsführung zeigte. Der "Retter von Leipzig" bewies im Oktober 1989 erheblichen Mut, als er öffentlich erklärte, dass er sich für die Sicherheitskräfte seines Landes schäme. Weniger heroisch erlebte ihn der Gewandhaus-Organist Matthias Eisenberg, der 1986 auf einer West-Tournee floh. Die unterschiedlichen Mitstreiter von einst, von Bärbel Bohley bis Friedrich Schorlemmer, haben ihre verschiedenen Meinungen von dem Dirigenten, der zum Politiker wider willen wurde - ein vitaler Held mit freimütig bekannten Ängsten und vielen Brüchen. Redaktion Rudolf Heinemann ots Originaltext: WDR Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Rückfragen: Veronika Nowak, WDR-Pressestelle Tel. 0221 / 220 4607 Original-Content von: WDR Westdeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

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