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Defekte Rohrleitungen bei Shell
Bezirksregierung Köln gibt dem WDR gegenüber Versäumnisse zu

Köln (ots) -

Die Bezirksregierung Köln hat zugegeben, im Vorfeld des sogenannten 
Kerosinsees bei Shell wichtige Sachverständigenberichte im 
Zusammenhang mit defekten Rohrleitungen nicht ausgewertet zu haben. 
Das ist das Ergebnis von Recherchen des WDR und des Online-Magazins 
Krautreporter. Der TÜV hatte bereits seit 2008 auf mögliche 
Korrosionsschäden am Rohrleitungssystem in Wesseling hingewiesen und 
Sondermessungen empfohlen. Dem WDR gegenüber gab die Bezirksregierung
jetzt zu: "So ein Einzelfall 2008, der ist uns da durchgegangen." 

Man habe den Sachverständigen bis 2012 nicht richtig auf die Finger 
geschaut, bekannte Joachim Schwab, Abteilungsleiter Umwelt und 
Arbeitsschutz bei der Kölner Bezirksregierung. Die vom TÜV 
empfohlenen Sondermessungen hatte Shell damals nicht durchgeführt, 
die Bezirksregierung hatte diese aber auch nicht angeordnet. Nachdem 
2012 bei Shell an einer undichten Leitung über Wochen etwa eine 
Million Liter Kerosin ausgetreten war, hat die Bezirksregierung ihr 
Kontrollsystem verändert. "Wir haben durch das Ereignis gelernt", 
sagte Schwab. "Wir haben festgestellt, dass wir uns intensiver mit 
den Sachverständigenberichten beschäftigen müssen. Das haben wir 
vorher in dem Maße nicht gemacht."

Shell verwies darauf, dass nach damaliger Einschätzung der Experten 
die vorgeschlagenen Änderungen als nicht wesentlich eingestuft 
wurden. Daraufhin habe man sich entschieden, die Sondermessungen zu 
verschieben. "Allerdings haben wir alle aus den Ereignissen der 
Vergangenheit gelernt", sagte der Raffinerie-Direktor Dr. Thomas 
Zengerly. Unter anderem mit dem Sanierungsprogramm für die 
Rohrleitungen habe man Schritte eingeleitet, "um solche Leckagen in 
der Zukunft so weit wie möglich zu verhindern." Die Behörden haben 
mittlerweile eine umfassende Überprüfung des Sicherheitsmanagements 
von Shell angeordnet. Shell kontrolliert zurzeit 17.000 Rohre. 

Seit Anfang Juni recherchiert ein Team der WDR-Redaktionen von "Hier 
und Heute" und "Westpol" sowie des Online-Magazins Krautreporter 
gemeinsam mit ihrer Online-Community die Hintergründe der Störfälle 
in der Rheinland-Raffinerie von Shell. 

Weitere Informationen in der "Aktuellen Stunde" am 28.8.2015 um 18:50
Uhr. Die Sendung "Hier und Heute" berichtet ausführlich am 31.8. und 
1.9.2015, jeweils um 18.05 Uhr.  

Pressekontakt:

Angela Kappen
WDR Presse und Information / Regionalfernsehen
Funkhaus Düsseldorf
Telefon 0211/8900-506
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