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Schlampige KFZ-Prüfungen - TÜV-Siegel so gut wie sein Ruf ?

Köln (ots) - Die Fahrzeughauptuntersuchung, besser bekannt als TÜV, gilt in Deutschland unter Autofahrern als sehr genau und hat einen guten Ruf. Ein Test bei TÜV- und Prüforganisationen für die Sendung "Inside Deutschland - TÜV und Co" (15.12.2014, 21.00, WDR Fernsehen), den die WDR-Wirtschaftsredaktion Fernsehen zusammen mit Kollegen vom MDR durchführte, ergab allerdings ein anderes Bild.

Drei Fahrzeuge, extra versehen mit sechs Mängeln, schickten die Journalisten an insgesamt 18 Prüfstationen von TÜV, Dekra und anderen. Unter den eingebauten Mängeln waren falsche Reifen, verdrehte Bremsschläuche oder defekte Fernlichtleuchten. Das Ergebnis: Nur zwei von 18 Prüfern haben alle Mängel entdeckt. Ein Prüfer des TÜV Rheinland fand sogar nur einen einzigen Mangel. Alle anderen entdeckte er nicht.

TÜV-Siegel auf verschiedenen Produkten haben bei Konsumenten und Verbrauchern eine hohe Glaubwürdigkeit. Ob sie dem aber immer gerecht werden, daran haben viele Experten mittlerweile Zweifel. So kam bei einer bundesweiten Datenuntersuchung zutage, dass im Osten Deutschlands deutlich mehr Autos auf Anhieb die Prüfplakette erhalten als in Westdeutschland. Dagegen fallen im Norden und Rheinland-Pfalz 40 Prozent der Fahrzeuge bei der ersten Prüfung durch. Dies, obwohl die Autos im Schnitt überall gleich alt sind. Ein Hinweis auf die offenbar höchst unterschiedliche Prüfweise in Deutschland.

   - Mängel auch bei Zertifikaten im medizinischen Bereich 

Besondere Probleme gab es in den letzten Jahren auch mit Medizinprodukten wie Hüftprothesen oder Herzdefibrillatoren. In der Regel tragen sie ein CE-Kennzeichen das auch von TÜV-Organisationen vergeben wird. Im Film berichtet ein Patient, dass er durch Stromstöße seines Defibrillators fast gestorben wäre. In diesem Fall trug das Gerät ein CE Zeichen vom TÜV SÜD. Andere Patienten leiden unter gebrochenen Hüftprothesen, die ebenfalls ein CE-Zeichen trugen. Hunderte müssen sich deshalb einer erneuten Operation unterziehen. Dazu Jörg Heynemann, Fachanwalt für Medizinrecht: "Wenn dieses Siegel vergeben wird und es soll dem Schutz des Verbrauchers dienen, was soll das denn anderes sein als ein Sicherheitssiegel. Wenn es das aber am Ende gar nicht ist, dann ist das Makulatur und das ganze System ist eine Farce."

Der TÜV Süd teilt mit, dass allein der Hersteller des jeweiligen Produktes für das CE-Zeichen verantwortlich sei.

TÜV-Siegel scheinen einen immer größeren kommerziellen Charakter zu bekommen. Ganz offen werben verschiedene TÜV-Organisationen damit, dass sich der Verkauf von Produkten enorm fördern lasse, wenn es ein TÜV-Siegel trägt. Mittlerweile gibt es solche Siegel für fast alles. "Inside Deutschland - TÜV und Co" zeigt, welche milliardenschweren Unternehmen sich mittlerweile hinter den TÜV-Organisationen verbergen.

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