Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

Burn-out: Anzeichen erkennen und gegensteuern - BGW-Interview mit Sven Hannawald und Prof. Dr. Matthias Burisch

Burn-out: Anzeichen erkennen und gegensteuern - BGW-Interview mit Sven Hannawald und Prof. Dr. Matthias Burisch
Bewegtes Gespräch: Sven Hannawald (li.) und Björn Kähler trafen sich in einer Kletterhalle zum Interview. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/77149 / Die Verwendung des Fotos ist nur im redaktionellen Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung gestattet. Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. ...

Hamburg (ots) - Es kann jede und jeden treffen. Aber man ist ihm nicht hilflos ausgeliefert. Die Rede ist vom Burn-out, dem Ausgebranntsein, von dem in der Diskussion um psychische Belastungen und Erkrankungen häufig die Rede ist. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat Interviews mit Skisprunglegende Sven Hannawald und mit dem Burn-out-Forscher Prof. Dr. Matthias Burisch geführt. Ergebnis ist eine Vielzahl von Tipps zum Thema.

Sven Hannawald spricht aus Erfahrung: Der Gewinner aller vier Springen der Vierschanzentournee 2002 beendete 2004 aufgrund eines Burn-outs seine Karriere als Profi-Sportler und arbeitet nach seinem Weg aus der Krise als Vortragsredner, Autor und Berater für Burn-out-Prävention. Prof. Dr. Matthias Burisch lehrte an der Universität Hamburg Psychologie und berät heute Institutionen wie Einzelpersonen zur Vermeidung von Burn-out-Prozessen. Mit beiden traf sich Björn Kähler, Networker und Projektmanager bei der BGW, zum Gespräch.

BGW: Wie erkennt man ein drohendes Burn-out?

Sven Hannawald: "Ich war völlig erschöpft, hatte an nichts mehr Freude. Auch ein Urlaub hat da nichts gebracht, keine tiefere Erholung mehr. Wenn ich eine Entscheidung treffen musste, bekam ich ein ganz flaues Gefühl im Magen. Dabei ging es manchmal nur um ganz alltägliche Dinge, darum, ob ich nun Joggen gehe oder doch lieber einen Film schaue."

Prof. Dr. Matthias Burisch: "Bei Diagnosen neigen wir zum Schwarz-Weiß-Denken: Man hat was oder eben nicht. Aber ab wann man von einem Burn-out spricht, das ist eben auch Ermessenssache. Vernünftiger ist es, zu sagen, jemand steckt in einem Burn-out-Prozess, der mehr oder weniger weit fortgeschritten ist. Die Alarmglocken sollten läuten, wenn man sich am Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub überhaupt nicht mehr richtig erholt."

BGW: Wie kommt es überhaupt zu einem Burn-out?

Prof. Dr. Burisch: "Im Prinzip kann alles, was uns gründlich gegen den Strich geht, sich aber nicht so leicht abstellen lässt, einen Burn-out-Prozess in Gang setzen - beruflich wie privat. Die Stressforschung spricht da von einer mangelnden Person-Umwelt-Passung. Wer ausbrennt, hat subjektiv betrachtet viel zu lange viel zu viel gegeben und zu wenig zurückbekommen. Das kann Menschen in Sozial- und Dienstleistungsberufen ebenso betreffen wie Alleinerziehende oder Hausfrauen. Diese Menschen erleben eine Gratifikationskrise. Oft fehlt es einfach an Anerkennung und Wertschätzung."

BGW: Wie kann man einem Burn-out vorbeugen?

Hannawald: "Man muss lernen, Anzeichen wie Konzentrationsstörungen, Versagensängste oder chronische Müdigkeit überhaupt erst mal wahrzunehmen, um dann auch zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Und man muss sich mit Menschen umgeben, die einem gut tun. Darauf achte ich. Dauerstress ist schlecht, und wenn man versucht, es allen recht zu machen. Ganz wichtig: Ich hab' delegieren gelernt. Natürlich gehören Sport und gesunde Ernährung auch zur Prävention und last but not least Humor. Das ist etwas, was unglaublich hilft."

BGW: Wie sollten Vorgesetzte auf Burn-out-Anzeichen bei Menschen in ihrem Team reagieren?

Hannawald: "Wenn sie eine Veränderung feststellen, zum Beispiel, weil jemand sich mehr und mehr zurückzieht, wäre es gut, ein Gespräch unter vier Augen zu suchen. Also das Thema bloß nicht vor der Gruppe ansprechen. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, um dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin zu zeigen, dass man zwar die Veränderung bemerkt hat, dass das aber jetzt nicht schlimm ist. Sondern dass man dem auf den Grund gehen möchte, damit der- oder diejenige auch gut im Job bleiben kann."

BGW: Was können Unternehmen darüber hinaus zur Burn-out-Prävention tun?

Prof. Dr. Burisch: "Man kann davon ausgehen, dass Arbeitsfreude, Selbstvertrauen und Wertschätzung die stärksten Faktoren sind, die sowohl Produktivität als auch Gesundheit beeinflussen. Da ist Organisationsentwicklung gefragt. Das kann mit IT-gestützten Ablaufvereinfachungen für den allseits gehassten Papierkrieg anfangen, muss aber unbedingt auch Teamentwicklung sowie die Verbesserung von Führung und Kommunikation beinhalten."

Hannawald: "Unternehmen müssen lernen, auch auf ihre besonders motivierten und talentierten Leute zu achten und nicht nur zu denken, dass die ja sowieso alles schaffen. Wenn jemand anfängt, Kolleginnen und Kollegen aus dem Weg zu gehen, obwohl er vorher ganz anders war, ist das meist schon ein Alarmzeichen. Wer unter Druck steht und plötzlich zynisch auf andere reagiert, hat vielleicht ein Burn-out-Problem. Daran kann man aber gemeinsam arbeiten, wenn man es früh genug merkt."

Mehr erfahren

Die Interviews, die Björn Kähler mit Sven Hannawald und mit Prof. Dr. Matthias Burisch geführt hat, finden sich unter www.bgw-online.de/goto/interview-hannawald und www.bgw-online.de/goto/interview-burisch. Besucherinnen und Besucher der BGW foren 2016 können Hannawald und Prof. Dr. Burisch darüber hinaus persönlich erleben: Bei den Kongressen zum Gesundheitsschutz im medizinischen Beruf nehmen die beiden Experten an einem Podiumsgespräch zum Thema "Burn-out-Prävention" teil. Noch buchbar:

   - BGW forum West: 22./23.04.2016 in Wuppertal
   - BGW forum Süd: 10./11.06.2016 in München
   - BGW forum Ost: 04./05.11.2016 in Dresden 

Die BGW foren 2016 richten sich an Selbstständige und Beschäftigte in der ambulanten medizinischen Versorgung - von ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen über Apotheken, Dialyseeinrichtungen, Labore bis hin zu Hebammen und Entbindungspflegern. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.bgwforum.de.

Prävention mit Hilfe der BGW

Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe und Versicherten auf vielfältige Weise beim Vorbeugen psychischer Belastungen und Beanspruchungen im Berufsalltag. Zu ihren Angeboten gehören neben Informationsmedien unter anderem Analyseinstrumente, Organisationsberatung und Personalentwicklungsmodule. Mehr erfahren Interessierte unter www.bgw-online.de.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im BGW-Pressezentrum unter www.bgw-online.de/presse. Dort finden Sie zudem weitere aktuelle Meldungen und die Möglichkeit, diese per E-Mail-Service zu abonnieren.

Über die BGW

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist für mehr als 7,7 Millionen Versicherte in über 620.000 Unternehmen zuständig. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe beim Arbeitsschutz und beim betrieblichen Gesundheitsschutz. Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall sowie bei einer Berufskrankheit gewährleistet sie optimale medizinische Behandlung sowie angemessene Entschädigung und sorgt dafür, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

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Torsten Beckel / Sandra Bieler
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