Leopold Museum

TROTZDEM KUNST! LEOPOLD MUSEUM ZEIGT ÖSTERREICHISCHE KUNST 1914-1918 - BILD

Antikriegsausstellung widmet sich Künstlerschicksalen von Schiele, Egger-Lienz und Kolig

Wien (ots) - Hundert Jahre nach den Schüssen von Sarajevo widmet das Leopold Museum den Schicksalen österreichischer Künstler in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 eine packende Ausstellung, die heute, Donnerstagabend, von Bundesminister Dr. Josef Ostermayer eröffnet wird. Wie Leopold Museum Managing Director Peter Weinhäupl zusammenfasst, entstand eine "interdisziplinäre Schau, die den Bestand der Sammlung hinsichtlich der Bezüge zum Ersten Weltkrieg aufarbeitete, die Werke des Leopold Museum in einen neuen Zusammenhang stellt und den kritischen zeitgenössischen Blick auf das Thema richtet."

Zwtl.: SCHIELE - EGGER LIENZ - KOLIG: DREI VON NEUN MILLIONEN Im Mittelpunkt der rund 280 Objekte umfassenden Schau stehen die Schicksale von Egon Schiele, Albin Egger-Lienz und Anton Kolig. Sie bildeten unter den Millionen österreichischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften, eine verschwindend kleine Minderheit. Gerade ihre Werke spiegeln aber das leidvolle Verhängnis aller Soldaten wider, das Spannungsfeld zwischen Anordnung von oben, etwa im Rahmen der Tätigkeit für das Kriegspressequartier (KPQ) und dem aus ureigenem künstlerischem Antrieb entstehenden Schaffen. Teils als Auftrag, teils aus innerer Notwendigkeit entstanden Schlachtengemälde, Soldatenporträts, spontane Skizzen des Frontalltags oder Bilder einer scheinbar heilen, aber dem Untergang geweihten Welt.

Zwtl.: TROTZDEM KUNST! Die Idee zur Ausstellung hatte Leopold Museum Direktor Peter Weinhäupl vor rund zwei Jahren. Er wandte sich damals an den Literaturwissenschaftler Stefan Kutzenberger mit der Bitte um Erstellung eines Konzeptes. Mit Elisabeth Leopold und dem Kunsthistoriker Ivan Ristic formierte sich bald ein dreiköpfiges KuratorInnenteam. Kutzenberger betont, dass er und Ristic in erster Linie erzählerisch vorgehen wollten, während es ein Anliegen Elisabeth Leopolds war die Leistungen der Kunst jener Zeit, die ungebrochene Kraft des Kunstschaffens in jenen dunklen Jahren in den Mittelpunkt zu stellen. Leopold wollte zeigen, dass in dieser Zeit "trotzdem Kunst" entstand, worauf Ristic vorschlug dieses Motto zum Titel der Ausstellung zu machen. "TROTZDEM KUNST!" verweist somit auf die rege Tätigkeit der Kunstschaffenden im Ersten Weltkrieg, trotz aller widriger Umstände. Die Schau lässt jedoch gleichzeitig unterschiedliche Lesarten zu. Der Kunstbetrieb ging zwischen 1914 und 1918 beinahe ungebrochen weiter, von Stillstand war keine Spur: Man organisierte umfangreiche Ausstellungen, vergab Aufträge, leitete Bildverkäufe in die Wege.

Zwtl.: KUNST 1914-1918 IN DER SAMMLUNG LEOPOLD: "AUS DEM VOLLEN SCHÖPFEN" Leopold Museum Direktor Franz Smola verweist auf die Dynamik des Gedenkjahres. In diesem Taumel, in dem eine Ausstellung auf die nächste folgt sei es "eine spannende aber auch große Aufgabe" gewesen im Kontext all dieser Projekte einen eigenen Blickpunkt zu entwickeln. Smola: "Wenige Museen sind so begünstigt, können zu diesen Jahren so aus dem Vollen schöpfen, wie das Leopold Museum, dank der immensen Sammlungstätigkeit des genialen Museumsgründers Rudolf Leopold."

Zwtl.: SCHIELE 1914-1918 Ein eigener Raum zeigt in verdichteter Form den Stilwandel bei Egon Schiele ab 1914 von der "Blinden Mutter" (1914) über die geometrisierenden Formen der Gebäude im Krumauer "Häuserbogen" bis zu den "Hockenden Frauen" (1918). Hier fand Schiele laut Elisabeth Leopold zu einem gewissen Klassizismus, einer malerischen Auffassung: "Es scheint als hätte er Melancholie und Tod, Angst und Verzweiflung, die Fragwürdigkeit der Existenz nicht mehr sehen wollen."

Zwtl.: DIE "ÖSTERREICHISCHE KUNSTAUSSTELLUNG" - STOCKHOLM 1917 Im Jahr 1917 fand in Stockholm, im neutralen Ausland, mit der "Österreichischen Kunstausstellung" eine riesige Leistungsschau österreichischer Kunst statt. 600 Objekte wurden damals gezeigt, darunter 240 Ölgemälde, Skulpturen und Grafiken von höchster Qualität, welche einen beeindruckenden Querschnitt durch das österreichische Kunstschaffen jener Zeit zeigten. Stefan Kutzenberger: "Mitten in den schier endlosen Kämpfen, während an der Südfront gerade die elfte Isonzoschlacht tobte, präsentierte sich Österreich in "Liljevachs Konsthall" als friedliebende Kulturnation." Anton Faistauer erntet als "der französischste unter den Malern" Lorbeeren. Wenig Verständnis brachte das Publikum hingegen für Oskar Kokoschkas eigenwillige Bildwelten auf. Immerhin weist seine "Fortuna" bei näherem Hinsehen klare Kriegsbezüge auf, reitet doch im Hintergrund ein Kavallerist, wohl der Künstler selbst, durch die Szenerie. Auf den Verlauf des Krieges hatten diese und andere Ausstellungen im Ausland letztlich keine Auswirkung.

Zwtl.: "HIMMEL DER BILDER" CONTRA "MORDGESCHREI DER HÖLLE" Elisabeth Leopold beschreibt den Reigen der von ihr gezeigten Bilder als Ausdruck einer tröstlichen künstlerischen Gegenwelt, als "Himmel strahlender Bilder" wider das "Mordgeschrei der Hölle". Von Kolo Mosers um 1914 entstandenem farbenprächtigem Liebespaar über Hans Böhlers Erinnerungen an seine weiten Reisen vor dem Krieg bis zu den unmittelbar nach dem Krieg entstandenen Gemälden Herbert Boeckls und Oskar Kokoschkas reicht die Bandbreite. Kokoschka erlebte die Schrecken des Krieges hautnah. Wiederholt schwer verwundet, kam er tief verstört von den Schlachtfeldern zurück. In seinem epochalen "Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt" (1918/19) "schwingt all diese Bitternis und Unsicherheit mit", so Leopold. Das Werk stellt einen absoluten Höhepunkt im malerischen Schaffen des Künstlers dar.

Zwtl.: EGGER LIENZ: "DER EISERNE SCHRITT DES SCHICKSALS" Albin Egger-Lienz hatte sich 1915, noch vor dem Eintritt Italiens in den Krieg freiwillig gemeldet, wurde jedoch schon bald wegen Herzbeschwerden entlassen. Noch 1915 entstand die vierte Fassung des "Totentanz". Kurator Ivan Ristic: "In Kasein auf Leinwand gemalt, weist "Der Totentanz" eine matte Oberfläche auf, die nicht von ungefähr an ein Fresko erinnert, eine Herausforderung, welcher sich der Künstler erst Jahre später stellen durfte." Egger-Lienz sinnierte an der italienischen Front über den "eisernen Schritt des ewigen Schicksals". Als offizielles Mitglied der Kunstgruppe im k.u.k. Kriegspressequartier malte Egger-Lienz 1916 an der Südfront, später nur mehr im Atelier.

Zwtl.: EGON SCHIELE: "DIE SCHWERSTEN TAGE MEINES LEBENS" Egon Schiele blieben Fronterlebnisse erspart. Und doch leidet er am Soldatendasein: "Ich bin nun Soldat und habe die 14 schwersten Tage meines Lebens hinter mir", schreibt Schiele 1915 während der Ausbildung. Im Zuge seines Militärdienstes malte er Porträts russischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager im niederösterreichischen Mühling bei Wieselburg ebenso wie Vorgesetzte. Seine Sympathie für das Fremde bekundete er in einem Brief, wie Sonja Niederacher in ihrem Katalogbeitrag darlegt: "Jedenfalls aber neige ich weit mehr auf die drübere Seite, also unsern Feinden - ihre Länder sind viel interessanter als unsere - dort gibt es wirklich Freiheit - und Denkende mehr als bei uns." Und er hegt pazifistische Gedanken. 1917 schuf Schiele im Auftrag der in der Wiener Mariahilfer Straße ansässigen "k.u.k. Konsumanstalt für die Gagisten der Armee im Felde" Zeichnungen der Büros und Lagerhäuser der Konsumanstalt. Im März 1918, gegen Ende des Krieges erlebt Schiele seinen bis dahin größten Erfolg. In der 49. Ausstellung der Wiener Secession war seinen Werken der große Mittelsaal des Ausstellungsgebäudes vorbehalten. Im Herbst desselben Jahres verstirbt Schiele, am Höhepunkt seiner Karriere, an den Folgen der Spanischen Grippe.

Zwtl.: ANTON KOLIG: "ICH MALE IN GROSSER NOT" "Ich male in großer Not" berichtet Anton Kolig 1916 vom Kriegsschauplatz. Kolig malt in jener Zeit vor allem Porträts, von Offizieren aber auch von Gefangenen. Er erkennt, dass das Ergebnis seiner Arbeiten sich nicht als Propagandakunst eignet. Es entstehen jedoch aus künstlerischer Sicht bemerkenswerte Arbeiten wie seine Darstellung einer "Feldoperation". Erst 1917 wird Kolig offiziell ins Kriegspressequartier berufen und beauftragt Landschaften zu malen. Kolig hält die Ruinenlandschaften der Front fest.

Zwtl.: KRIEGSKUNST: AN DER FRONT UND IM HINTERLAND Während einige Maler im Auftrag der Propaganda Österreich-Ungarns die Schrecken des Krieges im Detail schildern, entstehen auch abseits der Fronten bedeutende Kunstwerke. Kolo Moser schafft Werke von intensiver Farbigkeit, das "Liebespaar", die "Venus in der Grotte", den "Wanderer". Gustav Klimt arbeitet in diesen Jahren an Frauenbildnissen und Allegorien wie "Tod und Leben". Als Klimt im Februar 1918 stirbt, zeichnet ihn Schiele am Totenbett.

Zwtl.: ZEITGENÖSSISCHE KÜNSTLERINNEN AUS EHEMALIGEN KRIEGSGEGNERLÄNDERN Die k.u.k. Armee kämpfte im Ersten Weltkrieg vor allem an den Fronten gegen Italien, Rumänien, Russland und Serbien, weshalb das Leopold Museum nun, 100 Jahre später, Künstlerinnen und Künstler aus diesen Ländern gemeinsam mit Künstlerinnen aus Österreich eingeladen hat, ihre heutige Sicht auf den Ersten Weltkrieg darzulegen. Ivan Ristic: "Die Ausstellung verzichtet auf belehrende Schlussworte. Stattdessen wird der Versuch unternommen einen diskursiven Konnex zur Gegenwart herzustellen." Die Italienierin Paola De Pietri zeigt ihre eindringlichen, großformatigen Fotografien der Berglandschaften rund um den Isonzo, einst Schauplatz erbitterter Kämpfe. Stellungen, gesprengte Felsen und wassergefüllte Krater fungieren als stumme Zeugen des einstigen Schreckens. Raluca Popa (RO) erinnert, ausgehend von der Flucht in den Krieg des Hans Castorp aus Thomas Manns Zauberberg an individuelle Entscheidungen wie jene rumänischstämmiger Soldaten, die aus der k.u.k. Armee desertierten und auf die Seite Rumäniens wechselten. Dmitry Gutov aus Russland zitiert seinen "Lieblingsautor" Lenin, der sich als Pazifist entpuppt: Auf einem Bildschirm flimmert Lenins Kritik am "reaktionären Krieg". Der serbische Künstler Rasa Todosijevic präsentiert gegenüber den revolutionären Gedanken Gutovs einen semireligiösen Zugang zum Thema (Erster Welt-)Krieg. Seine "Blutige Taufe" zeigt ein aus Badewannen gebildetes, mit Blutspuren versehenes Kreuz. Darunter erinnert ein "Berg" aus Koffern an das Golgotha der Serben, an Krieg und Vertreibung aber auch an die Auferstehung der Nation nach dem Krieg. Veronika Dreier hat aus unzähligen Spielzeugsoldaten einen Teppich gebildet, Franz Kapfer konterkariert mit "Gott, Kaiser und Vaterland" - einer aus billigen Materialien zusammengebastelten Installation, die Elemente aus Denkmälern der Habsburger Zeit entlehnt - im Atrium des Museums den "Hurra-Patriotismus" jener Zeiten. Marko Lulic regt mit seiner Schriftinstallation "Sarajevo '84" an der Fassade des Museums an über die Symbolik von Worten und Jahreszahlen nachzudenken, das Spannungsfeld zwischen den Schüssen von Sarajevo 1914, den olympischen Spielen 1984, der Belagerung der Stadt in den 1990er Jahren bis zum Heute.

Zwtl.: ANTIKRIEGSAUSSTELLUNG Durch den rasanten kriegs- und waffentechnischen Fortschritt der Zeit war dieser Konflikt verheerender als alles bisher Dagewesene. Doch mitten im "Großen Krieg", in all diesem Elend, in all dieser Verwirrung entstand bedeutende Kunst. Unter das Motto "Nie wieder Krieg!" stellt Elisabeth Leopold deshalb die gesamte Schau: "Es ist eine Antikriegsausstellung, ein aufschreiender Apell gegen Krieg und sinnloses Morden."

Zwtl.: DIE AUSSTELLUNG TROTZDEM KUNST! 9. MAI BIS 15. SEPTEMBER Die Ausstellung zeigt insgesamt ca. 280 Objekte, davon rund 40 aus der Sammlung des Leopold Museum, 30 aus der Sammlung Leopold II und 130 Werke von öffentlichen und privaten österreichischen und internationalen Leihgebern. Gezeigt werden Gemälde, Arbeiten auf Papier, wie Zeichnungen, Druckgrafik, Plakate, dazu historische Photographien, Autographen, Dokumente und Filmmaterial. Die Ausstellungsarchitektur stammt von "archiguards". Die Austellung ist von 9. Mai bis 15. September im Leopold Museum zu sehen. Öffnungszeiten: Mo und Mi-So, 10-18 Uhr, Do, 10-21 Uhr. Im Juni, Juli und August ist das Museum auch am Dienstag geöffnet. Weitere Infos unter www.leopoldmuseum.org

Zwtl.: "TROTZDEM KUNST!" - DER KATALOG ZUR AUSSTELLUNG Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in deutscher und englischer Sprache erschienen. ISBN 978-3-85033-809-7, 256 Seiten, Preis: Euro 29,90, erhältlich im LM Shop, Hg.: Leopold Museum, Wien mit Beiträgen von Elizabeth Clegg, Carl Kraus, Stefan Kutzenberger, Elisabeth Leopold, Sonja Niederacher, Ivan Ristic, Uwe M. Schneede, Franz Smola, Peter Weinhäupl.

Zwtl.: SYMPOSIUM ZUR AUSSTELLUNG "TROTZDEM KUNST! ÖSTERREICH 1914-1918" 15. UND 16. MAI 2014 IM LEOPOLD MUSEUM Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gedenken zahlreiche Ausstellungen in Österreich der "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts. Wie stellt man jedoch einen Krieg aus? Kann man das überhaupt, soll man es, darf man es? Ein hochkarätig besetztes Symposium im Leopold Museum geht der Frage nach der Ausstellbarkeit des Krieges nach und beleuchtet die unterschiedliche Wirkung verschiedenster "Kriegsbilder". Programminfos: www.leopoldmuseum.org/de/termine/symposium

THEATERSOLO "FEUERSEELE" 15. MAI UND 12. JUNI 2014 IM LEOPOLD MUSEUM Als pazifistische Intervention widmet sich Maxi Blahas Theatersolo "feuerseele" dem Leben der unermüdlichen Kämpferin für den Frieden Bertha von Suttner. Das Stück von Susanne F. Wolf zeigt, wo sich Suttners Leben und die äußeren Lebensumstände ihrer Zeit zusammenfügen beziehungsweise auseinanderdriften. Basierend auf wissenschaftlicher Recherche, fokussiert "feuerseele" die wichtigen politischen, psychologischen und emotionalen Facetten aus Suttners Biographie. Im Gedenkjahr 2014 ist dieses Stück ein theatraler Appell, die Ideen der großen Humanistin weiter zu tragen, weiter leben zu lassen. Nähere Infos: www.leopoldmuseum.org/de/termine/kalender

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