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Programm-Meldung: Sonntag, 13. Mai 2001, 12.05 Uhr

München (ots) - Zeit für Bayern "Der Lech gibt, der Lech nimmt" Was aus einem Wildfluss werden kann... Von Werner Bader Der Lech war einmal einer der wildesten Flüsse der Nordalpen. Wenn er im Frühsommer Hochwasser führte, schwemmten seine reissenden Fluten nicht selten ganze Häuser und Mühlen, manchmal sogar ganze Hektar Wald und Ackerland weg. Sein Tosen war in kilometerweiter Entfernung zu hören, in den Dörfern und Städten am Lech fürchtete man den "Wilden Bruder". Schon die Kelten nannten ihn "Lic", "Licus" oder "Licca" hieß er bei den Römern, und das bedeutet so viel wie "schnell fließendes, reißendes Wasser." Den Namen trägt der Lech zurecht. Denn auf seinen 259 Kilometern Länge von der Quelle am Formarinsee in Vorarlberg, bis zu seiner Mündung in die Donau bei Marxheim hat der Fluss ein Gefälle von fast 1500 Metern ! "Über den Lech hinüber heiratet man nicht", sagte man früher, denn der Lech war eine Grenze, trennte Bayern von Schwaben. Zwischen Schongau und Landsberg, zwischen Augsburg und Rain am Lech, gab es lange Zeit keine einzige Brücke. Doch von Tirol bis nach Schwaben sprechen die Menschen meist noch einen besonderen Dialekt, das Lechrainische mit seinen harten "K-Lauten". Schon immer wussten die Menschen die Kraft des Lechs zu nutzen: Müller, Schmiede, Gerber, Färber, Sägewerke und Industriebetriebe finden sich in Füssen, Schongau, Landsberg und Augsburg schon seit frühester Zeit an seinen Ufern. Bis ins 19. Jahrhundert brachten die Lechflösser Gips, Kalk, Marmor, Vieh und Holz aus Tirol in die Reichsstadt Augsburg, und sogar weiter bis nach Wien und Budapest ! Ab 1850 begannen die Menschen den wilden Gebirgsfluß zu zähmen, der Lech bekam Wehre und Schwellen, zuletzt ein enges Flußbett zugewiesen. Von 1940 bis 1983 baute die BAWAG am Lech 21 Staustufen vom Kopfspeicher Forggensee bis hinunter nach Merching bei Augsburg. 1400 Gigawattstunden Strom werden daran erzeugt, das ist etwa der Jahresverbrauch von 350 000 Haushalten. Aber der Lech zwischen Füssen und Augsburg ist seither nur mehr eine Seenplatte, dem Fluß wurde das Rückgrat gebrochen. Wer sehen will, wie wild und schön der Lech in Bayern einmal war, muß an den Tiroler Lech reisen, der unter großem Protest der Einheimischen vor dem Zugriff der Ingenieure und E-Werke gerettet werden konnte. Der Tiroler Lech wird wohl bald zum 6. Nationalpark Österreichs werden. Doch auch der Lech in Bayern hat noch einiges zu bieten. Einzigartig in ganz Europa ist seine Tier- und Pflanzenwelt mit vielen geschützten Arten. Seltene Schmetterlinge und Libellenarten gibt es da, Enziane und Orchideen blühen auf den Heideflächen bei Kissing und Königsbrunn. Im Projekt "Lebensraum Lechtal" versuchen derzeit Naturschützer, Politiker und Wasserwirtschaftsämter die Lebenswelt am Lech zu erhalten, und dem Lech in Bayern wieder ein Stück seiner alten Wildheit zurückzugeben. In der Sendung von Werner Bader geht es letztendlich um die Zukunft des Lech, und die Zukunft der Menschen, die an ihm wohnen .... ots Originaltext: Bayerischer Rundfunk Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Kontakt: Bayerischer Rundfunk Pressestelle Susanne Seeberger Tel. 089 / 5900 2176 Original-Content von: BR Bayerischer Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

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