IKK e.V.

Disease Management Programme keine Spielwiese für falsch verstandenen Wettbewerb
Ministerin muss die Ärzte in die Pflicht nehmen

    Bergisch Gladbach (ots) - Mit großer Genugtuung sehen die
Verwaltungsratsvorsitzenden des IKK-Bundesverbandes, Uwe Conrad und
Wilfried Schleef, dass der Versuch, Disease Management Programme
(DMP) als Spielwiese für Wettbewerb zu missbrauchen, sich immer mehr
als Irrweg entpuppt. Nahezu alle Beteiligten würden nun auf die Linie
des IKK-Bundesverbandes einschwenken und erkennen, dass strukturierte
Behandlungsprogramme einheitlich sein müssten. In diesem Zusammenhang
gelte es zu betonen, dass auch die Vergütung innerhalb dieser
Programme einheitlich zu regeln sei. "Es kann nur eine Form der
Versorgung geben, wenn diese dem wissenschaftlichen Standard
entsprechen soll," betont Uwe Conrad, der Versichertenvertreter.
Unterschiede in der Versorgung könnten den Versicherten auch nicht
erklärt werden, eine starke Verunsicherung wäre die Folge. Zudem sei
eine unterschiedliche Ausgestaltung das Ende eines der wesentlichen
Grundelemente der GKV: der Gleichheit des Leistungskataloges.
    
    Wettbewerb sei wichtig und richtig, doch nur die Zusatzleistungen
dürften sich unterscheiden. "Das Programm der einen Kasse wird durch
Broschüren ergänzt, das Programm der anderen durch eine telephonische
Beratungshotline, wie unser IKKmed (Tel: 0 18 02/45 56 33). Doch die
Untersuchungen und die medizinische Versorgung werden bundesweit
einheitlich sein müssen," erläuterte Wilfried Schleef für die
Arbeitgeberseite des Verwaltungsrates.
    
    Unverständnis zeigen die beiden Verwaltungsratsvorsitzenden
hinsichtlich der Blockadehaltung der KVen bezüglich der
Datenlieferung. "Es ist hochproblematisch, wenn maßgebliche Teile der
Ärzteschaft nicht bereit sind, ihrer Pflicht zur eindeutig
definierten Lieferung von Behandlungsdaten nachzukommen," so Conrad.
Ein solches Vorgehen sei deshalb inakzeptabel, weil diese
Informationen benötigt würden, um die Wirksamkeit der Programme und
deren qualitative Weiterentwicklung zu ermöglichen. Im übrigen habe
der Gesetzgeber eindeutig festgelegt, dass die Ärzteschaft den Kassen
versichertenbezogene Behandlungsdaten zuleiten müsse. Sollte sich die
KBV nicht kurzfristig zur gesetzeskonformen Datenlieferung bereit
erklären, fordern Conrad und  Schleef das unverzügliche Eingreifen
der Ministerin.
    
    Mit Skepsis betrachten die Verwaltungsratsvorsitzenden überdies
den Versuch der Ärzteschaft, die Disease Management Programme zu
einer deutlichen Erhöhung des Honorars zu nutzen. Es sei
unerklärlich, worauf die Kassenärztlichen Vereinigungen ihre zum Teil
horrenden Forderungen zurückführten, denn auch bisher seien chronisch
kranke Menschen in Deutschland behandelt worden und dies sicherlich
auch nicht zum Nulltarif. Das einzige was sich nun ändere, sei die
Qualität der Versorgung. "Nur weil chronisch Kranke nun endlich
vernünftig versorgt werden, müssen die Ärzte nicht mehr Geld
bekommen. Wir erwarten ausschließlich das, was eigentlich schon lange
gelten müsste, eine einheitliche Versorgung überall in Deutschland
nach anerkannten wissenschaftlichen Ergebnissen," so Conrad. Wenn
überhaupt eine Veränderung oder gar Anhebung der Honorierung in
Betracht gezogen werden könne, dann nur eine erfolgsabhängige
Honorierung, wie es der IKK-Bundesverband mit dem Modell der
ergebnisorientierten Vergütung schon vorgeschlagen habe.
    
    Für Conrad und Schleef steht zudem fest, dass die
Einschreibkriterien für die Programme transparent und
manipulationssicher sein müssen. Es dürfe nicht sein, dass Kassen
Versicherte zu den Programmen zuließen, die nicht in die Rubrik der
chronisch Kranken fielen, nur um verstärkt am Risikostrukturausgleich
partizipieren zu können. Die Verwaltungsratsvorsitzenden des
IKK-Bundesverbandes fordern deshalb den Koordinierungsausschuss auf,
die Kriterien sehr aufmerksam zu beraten.
    
    
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