Amnesty International

Türkei: Folteropfer und ihre Ärzte in Gefahr von Behörden schikaniert zu werden
Razzia in Behandlungszentrum für Folteropfer / Patientenakten und Adressen von behandelnden Ärzten beschlagnahmt

    Bonn (ots) -
    
    amnesty international besorgt über Sicherheit von Ärzten und
Folteropfern
    
    Bei einer Razzia in den Räumen der Menschenrechtsstiftung der
Türkei (TIHV) in Diyarbakir sind am vergangenen Freitag
Patientenakten von Folteropfern, Adressen von Ärzten, die Folteropfer
behandeln sowie Computer beschlagnahmt worden. amnesty international
ist besorgt, dass sowohl den Folteropfern als auch ihren Ärzten
Schikanen, Festnahmen oder weitere Folter drohen könnten.
    
    "Wenn wir uns die Menschenrechtsbilanz der türkischen Behörden
ansehen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Ärzte und ihre
Patienten von neuen Übergriffen bedroht sind," erklärt Barbara
Neppert, Türkei-Expertin der deutschen Sektion von amnesty
international. Die Menschenrechtsorganisation fordert die türkische
Regierung deshalb auf, die beschlagnahmten Unterlagen über
Folteropfer umgehend an die Menschenrechtsstiftung zurück zu geben.
"Patientenakten sind, entsprechend der medizinischen Ethik,
vertrauliche Dokumente, deren Inhalt lediglich dem Patienten und
seinem Arzt bekannt sein dürfen," betont Barbara Neppert.
    
    Die Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV) führt seit 1990 ein
Projekt zur Behandlung und Rehabilitation von Folterüberlebenden
durch. Zu den fünf Behandlungs- und Rehabilitationszentren gehört
seit 1998 die Niederlassung in Diyarbakir. Sie spielt eine wichtige
Rolle bei der Behandlung und Rehabilitation von Folteropfern im
Südosten der Türkei. 1998 gewann die TIHV den Europäischen
Menschenrechtspreis des Europarates wegen ihrer "herausragenden
Beitrags zum Schutz der Menschenrechte in der Türkei" und des Kampfes
zur Beendigung der Folter.
    
    Die Polizei durchsuchte die Büros der TIHV obwohl zunächst kein
Durchsuchungsbefehl vorlag. Erst als die Vertreter der Stiftung die
Polizei aufforderten ein entsprechendes Dokument vorzulegen,
forderten die Beamten bei der Staatsanwaltschaft einen
Durchsuchungsbefehl an, den sie dann auch erhielten. Gegen 20 Uhr
verließen die Polizisten die Zweigstelle der Stiftung in Diyarbakir.
Einer der Ärzte, Dr. Emin Yüksel, wurde zur Polizei mitgenommen, um
dort eine Aussage zu machen.
    
    Hintergrund:
    
    Am 9. August 2001 war der führende Menschenrechtsverteidiger Osman
Baydemir aus Diyarbakir festgenommen worden, als er gemeinsam mit
einer Delegation des Türkischen Menschenrechtsvereins (IHT)
Menschenrechtsverletzungen im Südosten der Türkei untersuchte.
Während Baydemir freigelassen wurde, wurde der 18-jährige Rasim Asan
festgenommen und Berichten zufolge gefoltert, nachdem er vor der
IHT-Delegation ausgesagt hatte.
    
    Spendenkonto: Kto.-Nr. 80 90 100
    Bank für Sozialwirtschaft Köln (BLZ 370 205 00)
    
    
ots Originaltext: amnesty international
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Wenn Sie Nachfragen oder Interviewwünsche haben, wenden Sie sich
bitte an:
amnesty international
- Pressestelle -
53108 Bonn
Tel: + 49 - (0)228 - 98373-306 / - 0
Fax: + 49 - (0)228 - 630036
E-Mail: presse@amnesty.de
Internet: www.amnesty.de

Original-Content von: Amnesty International, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Amnesty International

Das könnte Sie auch interessieren: