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Aktueller Report belegt: Menschenverachtende Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie

Berlin (ots) - Internationales PLAY FAIR Bündnis veröffentlicht aktuelle Recherchen: "Die Hürden überwinden - Schritte zur Verbesserung von Löhnen und Arbeitsbedingungen in der globalen Sportbekleidungsindustrie" Gestützt auf Interviews mit über 300 Beschäftigten, die in China, Indien, Thailand und Indonesien Sportbekleidung herstellen, macht der neue Bericht deutlich, dass Arbeitsrechtsverletzungen in dieser Branche nach wie vor die Norm sind, gerade auch in Betrieben, die für Puma oder Adidas produzieren, den Sponsoren und Profiteure der Spiele von Peking und London sowie zahlreicher nationaler und olympischer Mannschaften.

Bei Yu Yuen einem der größten Schuhhersteller weltweit, der u. a. für Puma produziert, wurde festgestellt: Es kommt zu Beschimpfungen und körperlichen Misshandlungen.

Puma hat mit Yu Yuen über einen Verhaltenskodex gesprochen und es gab gewisse Verbesserungen, z.B. bei Überstunden, Arbeiterunterkünften, Arbeitsschutz, aber nicht bei der Lohnhöhe. "Dies ist ein Grundproblem in der Branche, obwohl seit Jahren immense Gewinne auf Kosten der Beschäftigten erzielt werden, reicht der Lohn manchmal nicht recht zum Leben, so Berndt Hinzmann von INKOTA. Bei der Firma Joyful Long in China, die Fußbälle für Puma produziert, wird:

   - 7 Tage pro Woche gearbeitet 
   - kommt es bis zu 232 Überstunden pro Monat; 6x so viel wie
     erlaubt sind 
   - nur ca. 54% des gesetzlichen Mindestlohns gezahlt 
   - immer wieder verspätete Lohnzahlung 

   Der Mindestlohn in Shenzhen (China) lag bei RMB 700 pro Monat (USD
100). "Damit eine Familie großzuziehen, ist nahezu unmöglich."; so 
Interviewpartner. Ein weiterer Beschäftigter aus Dongguan berichtet: 
"Ich bin todmüde. Wir beide müssen 120 Paar Schuhe pro Stunde 
zusammenkleben....Wir arbeiten ohne Pause und haben ständig Angst, 
nicht schnell genug zu sein." Die Akkordhürde wurde bei 
Zulieferbetrieben oft erhöht. Denn "Preis, Qualität und Lieferzeiten 
sind keine Variablen mehr. Heute legt der Abnehmer einen festen 
Zielpreis, einen festen Qualitätsstandard und ein festes Lieferdatum 
für die Kleidungsstücke fest. Wenn die Fabrik den Zielpreis des 
Abnehmers nicht erfüllen kann, geht der Abnehmer woanders hin." 
"Scheinheilig" nennt Johanna Fincke von der Christlichen Initiative 
Romero dieses Verhalten, "auf der einen Seite erlassen die großen 
Marken Verhaltenskodizes, in denen sie ihre Zulieferer auf dem Papier
verpflichten, Überstunden zu begrenzen und Mindestlohn zu zahlen und 
auf der Anderen bekommen nur die Produzenten einen Vertrag, die am 
billigsten und am Schnellsten liefern. Mit diesem Einkaufsverhalten 
werden die Kodizes zur Farce." 

Der Report "Die Hürden überwinden" stellt vier Schlüsselbereiche heraus, in denen die Sportbekleidungsindustrie proaktiv handeln muss: Niedriglöhne; Missbrauch von Kurzzeitverträgen und anderen prekären Beschäftigungsformen; Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sowie Betriebsschließungen aufgrund von Umstrukturierungen. Gleichzeitig bietet der Report einen Maßnahmenkatalog an. Auch adidas und Puma könnten die dort genannten Ideen aufgreifen.

Mit öffentlichen Aktionen wird die Kampagne in den nächsten Tagen nachdrücklich auf Veränderungen drängen.

Pressekontakt:

INKOTA-netzwerk e.V., Berndt Hinzmann; Tel. 030-4289111, Mobil: 0160
94 69 87 70 E-mail: hinzmann@inkota.de; Report Download
www.inkota.de/olympiaplayfair2008

Christliche Initiative Romero, Johanna Fincke, Tel. 0251/89503,
Mobil: 0174-5383533, email: cir@ci-romero.de, www.ci-romero.de

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