INKOTA-netzwerk e.V.

Aktionsstart: "Biosprit macht Hunger"
Angesicht der aktuellen internationalen Nahrungsmittelkrise fordert INKOTA von Bundesumweltminister Gabriel einen sofortigen Kurswechsel in der Biospritpolitik

Berlin (ots) - Mit der Aktion "Biosprit macht Hunger" protestiert das INKOTA-netzwerk gegen die starre Haltung von Bundesumweltminister Gabriel, der an der Ausweitung der Biokraftstoffnutzung festhält. Weltweit gibt es immer mehr Belege dafür, dass die Förderung der Agrokraftstoffproduktion nicht nur aus umweltpolitischen Erwägungen höchst zweifelhaft ist, sondern auch in erheblichem Maße für die aktuelle globale Hungerkrise aufgrund von Nahrungsmittelpreissteigerungen verantwortlich ist. Doch Gabriel schwört weiterhin, dass dies alles nichts mit seiner Biospritpolitik zu tun habe und will die Zwangsbeimischung von Biodiesel in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Mit Protestpostkarten und Großbanner-Aktionen will INKOTA den Umweltminister zum Kurswechsel bewegen. Internationale Hilfswerke, UN-Organisationen und nun auch IWF und Weltbank schlagen Alarm: In den letzten Monaten sind die Nahrungsmittelpreise explodiert und die weltweiten Vorräte an Mais, Reis und Weizen weitgehend dahingeschwunden. Eine neue Hungerkatastrophe bahnt sich an. Experten sind sich einig, dass neben klimabedingten Ernteausfällen und gestiegener Futtermittelnachfrage der forcierte Anbau von Pflanzen für Kraftstoffe eine wichtige Ursache dafür ist, da er in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht. Seit 2005 sind die Nahrungsmittelpreise insgesamt um rund 83 Prozent gestiegen. Je nach Land sind 30 bis 70 Prozent dieser Teuerung auf die Herstellung von Bioethanol oder Biodiesel zurückzuführen, wie das Bundes-entwicklungshilfeministerium unter Berufung auf das International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington am Montag erklärte. "Für die 1,2 Milliarden Menschen, die schon heute mit weniger als einem US-Dollar auskommen müssen, ist das eine Katastrophe", so Arndt von Massenbach, Geschäftsführer des INKOTA-netzwerks. "Die Hungeraufstände in Nigeria, Indien, Ägypten oder jüngst in Haiti wären erst der Anfang, wenn immer mehr Grundnahrungsmittel in unseren Autotanks verschwinden."

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hält jedoch ungeachtet aller Warnungen an seinen ehrgeizigen Biospritzielen fest. Zwar musste er Anfang April die für 2009 geplante Verdopplung des Ethanolanteils im Normal- und Superbenzin auf Druck der Autofahrerlobby stoppen, da ältere Fahrzeuge dieses Gemisch nicht vertragen. Der Biodieselanteil soll aber weiter steigen, ebenso wie die Verwendung reiner Pflanzenkraftstoffe. Bis zum Jahr 2020 sollen 12 bis 15 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs mit Agrosprit gedeckt werden. Damit geht die Bundesregierung sogar noch über das Ziel der Europäischen Union hinaus, die einen Beimischungsanteil von 10 Prozent bis 2020 plant. Diese Ziele können nur mit Hilfe von Importen aus Entwicklungsländern erreicht werden.

"Gabriel verschließt die Augen vor den dramatischen Folgen für Millionen von Menschen in den Anbauländern der Energiepflanzen in Asien, Afrika und Lateinamerika", kritisiert INKOTA-Campaignerin Evelyn Bahn und fordert "Die Quote muss weg! Die Politik der zwangsweisen Beimischung gefährdet weltweit die Ernährungssicherheit." "Auch klimapolitisch macht die Biospritpolitik der Bundesregierung keinen Sinn", ergänzt von Massenbach. Studien belegen, dass Agrokraftstoffe keinen effektiven Beitrag zum Klimawandel leisten. Oft ist die Klimabilanz des Biosprits durch die Abholzung von Regenwäldern, den klimaschädlichen Einsatz von Düngemitteln und lange Transportwege sogar negativ. "Nachhaltiger Klimaschutz muss anders aussehen", fordert Bahn. "Die Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs und eine Steigerung der Energieeffizienz im Mobilitätsbereich bieten weitaus größere Potenziale im Kampf gegen den Klimawandel".

   In den kommenden Monaten will INKOTA mit der Aktion "Biosprit 
macht Hunger" Druck für einen Kurswechsel in der Biospritpolitik der 
Bundesregierung machen. Öffentliche Banner drops mit riesigen 
Transparenten mit dem Aktionsmotto werden auf die Problematik 
aufmerksam machen. Bürger können sich mit Protestpostkarten direkt an
Gabriel wenden und ihn auffordern, sich für die Rücknahme sämtlicher 
Beimischungsziele und ein sofortiges Moratorium sämtlicher Importe 
von Agrokraftstoffen auf EU-Ebene einzusetzen. 

   Kampagnen-Auftaktveranstaltung mit dem Film "Fette Beute - 
   Indonesiens Palmöl-Wüste" 
   16. April 2008, 19.30 Uhr, L.U.X - Schlesische Straße 41, 
   Berlin-Kreuzberg 
   Protestaktion mit Großpuppen und Banner drop "Biosprit macht 
   Hunger" 
   17. April 2008, 12.30 Uhr, Shell Tankstelle Skalitzer Straße 48 
   (Ecke Görlitzer Park) - Berlin-Kreuzberg 
   Über der Tankstelle entrollen Aktivisten ein 6x4 Meter großes 
   Banner mit dem Aktionsmotto "Biosprit macht Hunger" Aktionszeitung
   und Protestpostkarte zum download: 

http://www.inkota.de/aktuelles/inkota_zeitungsbeileger_ansicht.pdf
http://www.presseportal.de/go2/Biosprit
 

Pressekontakt:

INKOTA-netzwerk, Greifswalder Straße 33a, 10405 Berlin,
Telefon: 030-4289111, www.inkota.de
Evelyn Bahn, 0177-32 43 408, bahn@inkota.de
Arndt von Massenbach, 0177-287 27 68, massenbach@inkota.de

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