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Kölnische Rundschau: Zollitsch: Bewegen, was wir bewegen können Vorsitzender der Bischofskonferenz im Rundschau-Interview: Aufgaben des ZdK klären - Laien sollen "stärker in die Welt hineinwirken"

    Köln (ots) - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an seine Aufgaben erinnert. Nach dem Eklat um die Ablehnung des Kandidaten Heinz-Wilhelm Brockmann für die ZdK-Spitze sagte Zollitsch, nun stünden Bischöfe und ZdK "vermehrt in der Pflicht, die Aufgaben des ZdK und das wechselseitige Verhältnis zu klären", sagte er der Kölnischen Rundschau (Donnerstagausgabe). Die Laien hätten Anteil an der ganzen Sendung der Kirche, doch sei "in der Satzung des Zentralkomitees vorgesehen, dass es stärker in die Welt hineinwirkt". Zur Frage, ob Brockmann noch eine Chance als ZdK-Präsident habe, wollte er sich nicht äußern. Das ZdK habe sich "in vielfacher Weise bewährt", man werde jetzt gemeinsam "schauen, wie es weitergeht". Die Krise könne auch ihr Gutes haben. Als Themen, die Bischöfe und ZdK gemeinsam angehen sollten, nannte Zollitsch den Schutz des Lebens, die Sorge um die Armen sowie die Auseinandersetzung mit dem Atheismus. Er frage sich "manchmal, ob es nicht hier und dort auch eine Abschottung schlechter Art ist, wenn man über die Priesterweihe verheirateter Männer diskutiert, anstatt dort Stellung zu nehmen, wo wir etwas bewegen können". Zur Kritik an Papst Benedikt XVI. nach seiner Nahost-Reise meinte Zollitsch: "Das Echo in Israel und bei den Palästinensern war vielleicht doch etwas anders als das in Deutschland. Ich hatte bisweilen den Eindruck, dass manche eher ihre eigenen Erwartungen auf den Papst übertragen und ihm nicht genug Freiheit lassen, seine eigene Weise des Vorgehens zu finden." Besser sollte man auch gegenüber dem Papst "zunächst einmal fragen, was zustimmungsfähig ist, und dann erst kritisieren, was einem nicht gefällt". Zollitsch wandte sich allerdings auch gegen den Vorwurf des deutschen Kurienkardinals Paul-Josef Cordes, der deutsche Kardinal Karl Lehmann sei in der Affäre um die Piusbrüder öffentlich nicht genug für den Papst eingetreten: "Kritik an Versäumnissen, die der Papst selbst als Panne bezeichnet hat, ist keine Kritik am Papst, auch wenn  sich viele der Kritisierten gerne hinter dem Papst verstecken." Benedikt XVI. habe ihm auch versichert, dass er diesbezüglich durchaus zu differenzieren wisse. Von den Piusbrüdern kämen derzeit "sehr harte Äußerungen, die nichts mehr von der Vorgehensweise erkennen lassen, die in der Kirche üblich ist, und ich frage mich, ob dahinter nicht längst steht, dass das Schisma gegenwärtig unüberwindbar ist und der Weg der Piusbrüder außerhalb der Kirche liegt". Wenn die Pius-Bischöfe neue Priester weihen würden, wäre das ein Verstoß gegen das Kirchenrecht, meinte der Freiburger Erzbischof. Unter Umständen müsse man über eine neue Exkommunikation nachdenken. Gegenüber rundschau-online.de äußerte sich Zollitsch auch über das Verhältnis zur Evangelischen Kirche: "Ich verstehe die, denen es zu langsam geht. Aber wissen Sie, vor 25 Jahren hätte ich nicht zu hoffen gewagt, dass die Berliner Mauer so schnell fällt. Es ist fast ein Wunder geschehen, und wer weiß, was uns in der Ökumene geschenkt wird." Man müsse allerdings selbst "auch einiges dafür tun, sonst könnten wir das Geschenk ja gar nicht annehmen". Ganz bewusst biete er beim Evangelischen Kirchentag in Bremen eine Bibelarbeit an. Der Erzbischof merkte allerdings auch kritisch an, in der Stammzellfrage hätten ihm Abgeordnete vorgehalten, dass nicht einmal katholische und evangelische Kirche über den konkreten Weg einig seien. "Das hat unser Zeugnis geschwächt." Er habe mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber und verabredet, "dass wir regelmäßig noch stärker über die Möglichkeit einer gemeinsamen Position sprechen, bevor wir uns öffentlich äußern".

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