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Kölnische Rundschau: Kölnische Rundschau Kommentar zum Grünen-Parteitag

    Köln (ots) - Links, aber nicht nur

    CLAUDIA LEPPING, Berlin,zum Grünen-Parteitag

    Opposition ist Mist? Für die Basis der Grünen gilt dies nicht. Durch sie durchlebt die Partei gerade den dritten Teil eines Selbstreinigungsprozesses. Da wird mächtig abgerechnet mit dem, was war in der rot-grünen Regierungszeit, und Wiedergutmachung verlangt: Was in Göttingen mit einem Sonderparteitag zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr begann, beim Erfurter Parteitreffen mit der Forderung nach flächendeckenden Mindestlöhnen fortgeführt wurde, mündete nun in einen Wahlaufruf, der keiner ist. Kein klares Plädoyer also für eine Machtoption der Grünen; statt dessen Grün pur, so vehement wie seit dem Ende von Rot-Grün 2005 nicht mehr.

    Sollen doch potenzielle Koalitionspartner sehen, wie sie sich mit den Grünen arrangieren - die Ökopartei entleibt sich kein zweites Mal, nur um zu regieren. Aber weil Unvernunft im Vergleich zu Opposition viel größerer Mist ist, lassen die Grünen hinter der Fassade ihrer Fundamentalpositionen Hintertürchen offen: Durch die mit dem Namensschild "New Deal" können sowohl SPD als auch CDU und FDP gehen in dem Einsehen, dass mit klugen Investitionen in neue Technologien erst recht in Krisenzeiten jede Menge Jobs geschaffen werden können. Und indem die Grünen über milliardenschwere Sozialleistungen die Pforte ins vermeintliche Paradies aufstoßen, öffnen sie sich auch der Linkspartei.

    So sind auf den ersten Blick viele Optionen möglich, auf die sich die Grünen aber nicht festlegen. So wider^sprüch^lich ihre Ausrichtung, so vielseitig die Koalitionsmöglichkeiten? Seit dem Wochenende stehen die Ampel und ein Linksbündnis gleichberechtigt nebeneinander - das hat die Parteilinke der Führung abgetrotzt. Aber das heißt längst nicht, dass die Partei sich nun von dem durchaus bürgerlichen, mittelständischen Lager verabschiedet.

    Die Grünen 2009 sind auch links, nicht aber ausschließlich links. Und mit diesem Pfund werden sie zu wuchern wissen, weil genau darin ihr Vorteil gegenüber SPD und Linkspartei liegt. Farbe bekennen müssen sie ohnehin erst nach der Wahl.

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