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Kölnische Rundschau: Kölnische rundschau Kommentar zur EM

Köln (ots) - Faktor Spaß WERNER GROSCH zur EM Deutschland hat bei der EM besser abgeschnitten als bei der WM. Dennoch bleibt et was Fades zurück, und die Stimmung bröckelt augen scheinlich schneller als vor zwei Jahren. Das hat seinen Grund nicht nur darin, dass die deutsche Mannschaft das Tur nier damals mit einem furiosen Sieg abschloss. Es zeigt auch, dass die tolle Atmosphäre eben in allererster Linie eine Party laune ist. Zweimal Sommermärchen gibt es nicht. Hätte es auch nicht gegeben, wenn wir Europa meister geworden wären. Die Freude hat damals so weit ge tragen, weil wir uns befreit fühl ten von unserer notorischen Ernsthaftigkeit, weil wir der Welt bewiesen haben, dass Spaß und Begeisterung auch für uns ein Instrument des Er folges sind. Eine neue deutsche Tugend, die wir aber noch nicht so weit verinnerlicht haben, dass es diesmal für mehr als ein einziges Jubelspiel reichte. Für das deutsch-türkische Verhältnis mag der Verlauf des Turniers ein Segen gewe sen sein. Aber auch der wirkt nur weiter, wenn die Gemein samkeit über die Partylaune hi nausgeht. Dass Türken wie Deutsche hupen und Straßen verstopfen können, ist nun wirklich noch kein Schritt zur Integration. Auf der anderen Seite scheint der Fußball auch langsam seine Stellvertreterfunktion als Kriegsschauplatz zu verlieren. Die dämlichen Provokationen in der Boulevardpresse blieben wirkungslos, weil die Identifika tion der Fans längst vor allem anderen über den Erfolg und mithin den Spaßfaktor funktio niert. Die größten Klubs sind multinationale Konzerne, ihre Spieler Geschäftsleute, die eine Show veranstalten. Eine Show freilich, die nur beim Fan an kommt, wenn sie mit Begeiste rung zelebriert wird. Beklagt wurde die Kommerzi alisierung des Sports oft ge nug. Die Sonnenseite dieser Entwicklung könnte sein, dass der Völkerschlachtcharakter verschwindet. Womöglich konnten die Katalanen, Andalu sier und Basken, die im spani schen Trikot die deutsche Elf besiegten, nur deshalb Europa meister werden. Pressekontakt: Kölnische Rundschau Jost Springensguth print@kr-redaktion.de Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell

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