Brot für die Welt

Vernachlässigung des ländlichen Raumes führt zu akuter Hungerkrise
"Brot für die Welt" fordert neue Schwerpunktsetzung in der Agrar- und Entwicklungspolitik

Stuttgart (ots) - Die evangelische Hilfsaktion "Brot für die Welt" hat die Regierungen der Entwicklungsländer sowie die deutsche und die internationale Entwicklungspolitik aufgefordert, die Produktion von Nahrungsmitteln wieder stärker zu fördern. "Mit den Hungerrevolten in inzwischen 33 Ländern rächt sich die jahrzehntelange Vernachlässigung der bäuerlichen Landwirtschaft in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit", erklärt die Direktorin von "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel. "Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds müssen jetzt schwere Fehler einräumen, auf die wir seit Jahren vergeblich hingewiesen haben."

Zwischen 1995 und 2005 seien die Ausgaben für den ländlichen Raum in den ärmeren Entwicklungsländern um knapp die Hälfte gesunken. Insgesamt sei der Anteil der Landwirtschaft an der Entwicklungszusammenarbeit über die letzten beiden Jahrzehnte von 20 Prozent auf nur noch 3 Prozent zurückgegangen. "Die Butterberge, Milchseen und Getreideüberschüsse der 1980er- und 1990er -Jahre haben die Agrarpreise zunächst verfallen lassen", so Füllkrug-Weitzel weiter. Die USA und die Europäische Union hätten mit milliardenschweren Exportsubventionen ihr übriges getan, die Landwirtschaft in Entwicklungsländern aus dem Wettbewerb zu drängen. Das führte dazu, dass dort statt Lebensmitteln Exportgüter wie Baumwolle und in jüngster Zeit auch immer mehr Energiepflanzen für die Erzeugung von Agrokraftstoffen produziert wurden. Das räche sich jetzt mit einer besorgniserregenden Verknappung von Nahrungsmittelreserven und einem dramatischen Preisanstieg.

"Die derzeitige Krise bietet die Chance, die Weichen für eine verantwortliche Politik im Bereich Landwirtschaft und Agrarhandel zu stellen", betont Füllkrug-Weitzel. Entwicklungsländer müssten der Agrarpolitik und Entwicklung der ländlichen Räume wieder Priorität einräumen. Die deutsche und die internationale Entwicklungszusammenarbeit müsse sich bevorzugt um benachteiligte Regionen und Produzenten kümmern. Gerade Kleinbauern, Fischer und Landlose bräuchten dringend Unterstützung, vor allem da sie einen Großteil der Grundnahrungsmittel in Entwicklungsländern produzierten, so Füllkrug-Weitzel. Besonders dringend benötigten diese Unterstützung bei der Anpassung an die landwirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Zugleich müssten der weitere Ausbau bei der Produktion von Agrotreibstoffen, wie ihn die EU erst am Wochenende bekräftigt hatte, umgehend gestoppt werden.

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