BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger

Zeitungsverleger kritisieren "unbegrenzte Expansion" der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet

    Berlin (ots) - Erfreuliche Entwicklung der Online-Angebote der Zeitungsverlage

    Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat heute in
Berlin bei seiner Jahrespressekonferenz die Ministerpräsidenten der
Länder aufgefordert, die fortwährende Expansion der
öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Internet endlich durch klare
gesetzliche Regelungen zu stoppen. Das im Rundfunkstaatsvertrag
verankerte Verbot von Werbung und Sponsoring sei nicht ausreichend,
sagte der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Volker Schulze. "Es muss
klipp und klar festgelegt werden, dass auch E-Commerce,
Kleinanzeigenmärkte, Kooperationen mit kommerziellen Anbietern,
Computerspiele, kostenlose SMS und Erotik auf den Internetseiten der
Sender nichts zu suchen haben", so Schulze. Die Vorgabe im
Rundfunkstaatsvertrag, das Angebot müsse "vorwiegend programmbezogen"
sein, sei viel zu schwammig. "Alles, was keinen direkten Bezug zum
jeweiligen TV-Programm aufweist, muss von den Internetplattformen
verschwinden." Schulze sprach von einem "unverantwortlichen
Wildwuchs", der weder mit dem Auftrag zur Grundversorgung noch mit
der Entwicklungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in
Einklang zu bringen sei. Vielmehr würden die Rundfunkgebühren,
vorhandene Infrastrukturen der Sender und auch eingeführte starke
TV-Marken für die unbegrenzte Expansion im Internet missbraucht. Im
Markt führe dies zu einer völligen Verzerrung; private Medienanbieter
würden im Wettbewerb behindert.
    
    Zur Pressekonferenz präsentierte der BDZV eine Dokumentation mit
etlichen Fallbeispielen zum zweifelhaften und in Teilen
rechtswidrigen Auftritt der öffentlichen-rechtlichen Anstalten im
Internet. Einzelne Sender unterhalten dort Shops, wo unter anderem
Haushaltsgeräte und Lesebrillen verkauft werden. Es gibt Gewinnspiele
mit Firmensponsoring und sogar direkte Links auf die Seiten von
Erotik-Anbietern. Es gibt Stellenmärkte (zum Beispiel "Stellensuche
mit MDR-Online") und komplette Restaurant- und Kneipenführer für
Großstädte. Dazu kommen Computerspiele, kommerzielle
Wettgemeinschaften, Gratis-SMS und virtuelle Marktplätze. "Diesen
Auswüchsen muss der Gesetzgeber endlich Einhalt gebieten", machte der
BDZV-Hauptgeschäftsführer deutlich.
    
    Zum Engagement der Zeitungen im Internet führte der BDZV aus, dass
die Verlage alle Anstrengungen unternähmen, ihre Position weiter zu
stärken und das Kerngeschäft abzusichern. Dies sei nach wie vor mit
hohen Investitionen verbunden. Ein "return on investment" sei bei den
Zeitungen ebenso wie bei den meisten anderen Online-Anbietern nicht
absehbar, erklärte der Leiter Kommunikation + Multimedia,
Hans-Joachim Fuhrmann. Hier sei noch ein langer Atem notwendig. Dies
könne allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die
Zeitungsverlage mit Blick auf die Nutzerzahlen im Internet überaus
erfolgreich seien. Mittlerweile seien die Verlage mit mehr als 400
Angeboten präsent; viele Verlage hätten sogar mehrere
Online-Angebote. Die Nutzung sei rapide angestiegen. Bei der
Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von
Werbeträgern (IVW) würden - rein statistisch - pro Zeitungsangebot
monatlich durchschnittlich vier Millionen Seitenabrufe registriert.
Damit habe sich die Nutzung im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr
als verdoppelt. Ursache hierfür sei ein enormes Wachstum einzelner
Titel, aber auch ein allgemeiner Ausbau der Angebote sowie deren
offensive Vermarktung. Noch stärker als bisher seien die Verlage
dabei, die gedruckte Zeitung und das Internet-Angebot sowohl
inhaltlich/redaktionell als auch im Bereich Werbung/Anzeigen zu
vernetzen. Fuhrmann führte aus, dass schon allein die Online
Marketing Service Gesellschaft (OMS) - ein Zusammenschluss von fast
90 regionalen und lokalen Zeitungstiteln - das reichweitenstärkste
Content-Angebot unterhalte (1,7 Millionen Nutzer pro Woche). Gerade
für die Werbewirtschaft seien die Nutzer der Zeitungsangebote
hochinteressant: Sie seien gebildet, verfügten über ein
überdurchschnittliches Einkommen, über langjährige Internet-Erfahrung
und würden gerne online einkaufen.
    
    Der BDZV wies darauf hin, dass es den Zeitungsverlagen - wie allen
Online-Anbietern - noch nicht gelungen sei, Erlösmodelle im Internet
zu etablieren. Es sei grundsätzlich sehr schwierig, Inhalte gegen
Bezahlung im Netz anzubieten. Es sei davon auszugehen, dass
langfristig ohnehin maximal 20 Prozent des Umsatzes über
Bezahl-Inhalte erwirtschaftet würden. Zu den wichtigsten Erlösquellen
müssten Werbung und Sponsoring entwickelt werden. Im vergangenen Jahr
sei lediglich ein Prozent der gesamten Werbeinvestitionen ins
Internet geflossen. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft
(ZAW) habe für die Online-Werbeträger Nettoerlöse in Höhe von
lediglich 185 Millionen Euro ermittelt. "Da ist noch viel Potenzial"
so Fuhrmann. Einen neuen interessanten Verteilkanal auch für lokale
Informationen könnte nach Auffassung des BDZV die Weiterentwicklung
im Mobilfunk und des mobilen Internets mit sich bringen. Damit werde
es möglich, jedem Nutzer an jedem Ort Informations- und
Serviceangebote zu senden. Anders als im Internet mit seiner
Gratiskultur seien die Nutzer von Mobiltelefonen daran gewöhnt, für
jede Dienstleistung auch zu zahlen.
    
    
    Sämtliche Pressemitteilungen des BDZV finden Sie auch auf der
Homepage des Verbandes (http://www.bdzv.de).
    
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