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Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten
Am Sonntag, 19. April 2015, 19.20 Uhr vom NDR im Ersten

München (ots) - Moderation: Andreas Cichowicz

Geplante Themen:

Türkei: Was es heißt, heute Armenier zu sein (Autor: Michael Schramm) Als Papst Franziskus kürzlich die Gräuel an Armenier vor 100 Jahren Völkermord nannte, war die Empörung beim türkischen Präsidenten Erdogan groß. Das Verbrechen an den Armeniern ist bis heute in der Türkei ein unbewältigtes und unaufgearbeitetes Kapitel der Geschichte, das bis in die Gegenwart reicht. Der armenischstämmige Sevag Balikci diente als Wehrpflichtiger in der türkischen Armee, als er vor vier Jahren von einem Kameraden erschossen wurde. Sevags Vater ist überzeugt, dass sein Sohn ermordet wurde, weil er armenischstämmig ist. Der Mörder gehörte zu nationalistischen und streng religiösen Kreisen. Das Schicksal des jungen Wehrpflichtigen hat ein Musiker aus Diyarbakir in einem Lied verarbeitet. Die Geschichte der Armenier in der Türkei lässt ihn nicht mehr los, denn der gläubige Muslim Stepan Ilhan hat erst vor kurzem erfahren, dass er ein sogenannter Krypto-Armenier ist. Seine Vorfahren wurden zwangskonvertiert. So erging es damals Zehntausenden. Er will mehr über die Geschichte seines Volkes erfahren, das er erst noch kennenlernen muss. Türkei-Korrespondent Michael Schramm erkundet, ob den Armeniern heute, 100 Jahre nach dem Völkermord, mehr Gerechtigkeit widerfährt.

Peru: Auf der Jagd nach Gold

(Autor: Michael Stocks) Goldrausch im peruanischen Dschungel. Seit Jahrzehnten suchen Menschen im Amazonasgebiet nach dem wertvollen Edelmetall. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die Folgen für Natur und Mensch im Regenwald sind verheerend. Peru ist einer der größten Goldproduzenten der Welt, aber mehr als ein Fünftel des geschürften Edelmetalls stammt aus illegaler Produktion. Immer wieder gibt es regelrechte Razzien von Polizei und Militär. Sie zerstören Maschinen und Pumpen, brennen die Hütten der illegalen Schürfer nieder. Doch in der Regel kommen die Goldsucher schnell zurück. Journalisten sind in dem Gebiet unerwünscht. Dem ARD-Team aus dem Studio Südamerika ist es dennoch gelungen, in der Region Madre de Dios zu drehen. Miguel holt mit seinen Arbeitern jeden Tag 40 Gramm Gold aus dem Schlamm. Allerdings ist Miguel ein legaler Minenbesitzer. Vor 35 Jahren hat er seine Schürfrechte erworben. Und er erklärt, warum die Behörden den Raubbau im Regenwald nicht unterbinden können. Die Menschen hätten schlicht keine andere Arbeit.

Vietnam: Die jungen Opfer von Agent Orange (Autor: Philipp Abresch) Dr. Ta Thi Chung ist 84 Jahre alt, aber noch immer kümmert sie sich fast täglich um die jüngsten Opfer von Agent Orange. Die Ärztin in einem Krankenhaus in Saigon will nicht einfach nur zusehen, wie 40 Jahre nach dem offiziellen Ende des Vietnamkrieges vor allem Kinder noch immer unter den Folgen des hochgiftigen Pflanzenschutzmittels Agent Orange leiden. Inzwischen bis in die vierte Generation kommen Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt. Die US-Armee versprühte das Gift während des Krieges mehrere Jahre lang über dem Dschungel, um den vietnamesischen Soldaten die Deckung zu nehmen. Obwohl sowohl US-Amerikaner als auch Vietnamesen schnell über gesundheitliche Folgen klagten, kam das Gift weiter zum Einsatz und schädigte vor allem das Erbgut. Viele Kinder sterben noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Andere überleben mit schweren Missbildungen. Einige Opfer, die von Dr. Ta Thi Chung behandelt werden, sind gerade mal ein Jahr alt. Philipp Abresch und sein Team erlebten, wie rührend sich die Mitarbeiter des Krankenhauses um die kleinen Patienten kümmern. Aber es fehlt an ausreichend Geld für die Betreuung. Doch weder der Hersteller von Agent Orange noch die amerikanische Regierung sehen bis heute einen direkten Zusammenhang zwischen dem Pflanzenschutzmittel und den schweren genetischen Defekten. Und dementsprechend gab es auch kaum Entschädigung.

Afghanistan: Wenn Mädchen als Jungen aufwachsen (Autor: Gabor Halasz) Radfahren, Fußballspielen, Einkaufen - ganz normal für Jungen in Afghanistan. Auch Musawir ist dabei. Doch wer genau hinsieht, merkt, Musawir ist ein Mädchen und heißt Fatima. Sie ist zehn Jahre alt und muss lügen, täuschen und sich jeden Tag als Junge verkleiden, um frei sein zu können. Die Kleidung öffnet ihr die Tür in ein anderes Leben: Das Leben der Männer, geprägt von Respekt und Freiheit, all das, was den Frauen in Afghanistan verwehrt bleibt. "Bacha Posh" - so heißen die als Jungen verkleideten Mädchen in der Landessprache Dari. Sie sind längst Teil der afghanischen Kultur geworden, sie werden geduldet, man schaut weg. Viele Eltern entscheiden sich bewusst dafür, ein Mädchen als Jungen zu erziehen, wenn es einfach nicht klappen will, mit der Geburt eines Jungen. Fatimas Vater jedenfalls will die Legende rund um seinen Sohn Musawir noch ein paar Jahre aufrecht erhalten, bis das wahre Geschlecht wirklich nicht mehr geleugnet werden kann. Er hofft, bis dahin einen "echten" Sohn bekommen zu haben.

Schnappschuss: Polen: Warum produziert eine katholische Nonne Damenunterwäsche? (Autorin: Griet von Petersdorff) Zarte Spitzen, edles Gewebe und reine Handarbeit: besondere Unterwäsche für die Dame. Produziert unter Aufsicht einer katholischen Nonne in der polnischen Provinz. Die gestrenge Kirche und Dessous? Wie passt das zusammen? Das hat sich Griet von Petersdorff gefragt.

Redaktion: Claudia Buckenmaier

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